Markt & Meinung

Bauernschlaue Preispolitik


Es ist ja bekanntlich ein Naturgesetz, dass die Preise steigen. Weil nämlich eh von Jahr zu Jahr alles teurer wird. Aber damit es auch dieses Jahr nicht zu unliebsamen Überraschungen kommt, werden prophylaktisch verschiedentlich Preiserhöhungen vorhergesagt. Einerseits geht es um Planungssicherheit für alle Marktbeteiligten, andererseits signalisiert Prophylaxe ja schon einen medizinischen Befund: Die Preis wuchern weiter und können nur durch eine ordentliche Dosis Preiserhöhung in den Griff bekommen werden. Das ist doch krank. Denn so warten wir alle Jahre wieder auf die Chronik angekündigter Preiserhöhungen – mit Erfolg. Auch diese Jahr eröffnete der Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks den munteren Reigen mit der Pressekonferenz. Die Botschaft, die bei der Publikumspresse ankam? Sie werden es nicht glauben: Die Preise für Backwaren müssen aus vielfältigen Gründen erhöht werden. Der Verband Deutscher Mühlen kontert mit angekündigter Mehlpreiserhöhung zwecks Ernteausfällen infolge von Trockenheit und „Heizen mit Weizen“. Sprich minimierte Ernte maximierte Nachfrage. Soweit ist marktwirtschaftlich alles korrekt. Auch darüber, dass die Rohstoffpreise verhältnismäßig günstig sind, können wir uns einigen. Aber jetzt meldet sich noch der Bauernverband zu Wort: Ernteausfälle is` nicht weil es doch noch geregnet hat, aber die Bäcker maßen sich eine ungerechtfertigte Preiserhöhung an. Nach dem Motto: Die machen doch eh nur mit Mehl mit Wasser schnittfest und jetzt wollen sie auch noch höhere Preise durchsetzen (Seite 2). Das nenne ich bauernschlaue Preispolitik. Denn abgesehen davon, dass man nicht in aller Öffentlichkeit unqualifiziert die Kalkulation der Marktpartner kommentiert, hat die Sache einen weiteren Haken. Gerade die Bauern argumentieren bezüglich ihrer steigenden Kosten und Preise mit zusätzlichem Bewässerungsaufwand. Freunde von der Mosel und sonstiger ertragssteigernder Gewässer: Vielleicht wäre es – mit Blick auf die Kunden – der gemeinsamen Sache dienlich, wenn weniger bauernschlaue Preispolitik betrieben würde. R. Wolf



Artikel vom 19.07.2007
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