Aktuell
Banken vorsichtig bei der Kreditvergabe
Gesamtwirtschaftliches Umfeld lassen laut Banken eine lockere Kreditvergabe nicht zu
Köln (hk). Obwohl die Banken zuletzt wieder mehr Kredite an die Unternehmen vergeben haben, bleibt nach Ansicht des Instituts der deutschen Wirtschaft das Geschäft mit den Darlehen schwierig. Niedrige langfristige Zinsen und neue Vorgaben lassen die Geldhäuser bei der Kreditvergabe vorsichtig werden. Gerade kleine und mittlere Unternehmen stellt das vor große Herausforderungen: Ihnen ist normalerweise die Finanzierung über Anleihen und Aktien verwehr, so dass sie vorwiegend auf Bankkredite angewiesen sind.
Unternehmen beklagen, sie könnten nicht investieren, weil sie von den Banken kaum Kredite bekämen. Die Geldhäuser kontern und verweisen darauf, dass die schwierige Geschäftslage und das gesamtwirtschaftliche Umfeld eine lockere Kreditvergabe nicht zuließen. Zumindest in den ersten Monaten dieses Jahres legten beide Seiten in dem Schwarzer-Peter-Spiel eine Pause ein. Grund ist die günstige Konjunktur, die das Kreditgeschäft nach über 2 Jahren des Rückgangs wieder belebt hat: In den ersten beiden Quartalen 2006 stieg das Volumen der ausstehenden Unternehmenskredite gegenüber den Vorjahresquartalen um 1,7 bzw. 1,8 Prozent.
Doch obwohl das Fieber vorerst gesunken ist, steckt die Krankheit dem Finanzwesen noch immer in den Knochen, so das Institut.
Denn das Umfeld ist trotz des wirtschaftlichen Aufschwungs nach wie vor schwierig. Probleme bereiten den Geldhäusern beispielsweise die Zinsen. Zum großen Teil leihen sich Banken kurzfristig zu geringen Zinsen Geld und verleihen die Mittel langfristig an Unternehmen zu höheren Zinsen. Die Differenz zwischen Zinsen für kurz- und langfristige Kredite bestimmt dementsprechend ihre Gewinnchancen im Kreditgeschäft. Zuletzt ist die Spanne zwischen Zinskosten und Zinserträgen – der Nettozinsertrag – jedoch stark geschrumpft: Dieser Nettozinsertrag fiel zwischen 1993 und 2003 von rund 2 Prozent der Bilanzsumme auf 1,4 Prozent.
Neue Vorgaben ab 2007
Neben den niedrigen langfristigen Zinsen erschweren zwei weitere Entwicklungen das Kreditgeschäft. Zum einen sehen sich die Banken einem wesentlich größeren Wettbewerbsdruck ausgesetzt als früher. Zum anderen treten im kommenden Jahr neue Vorgaben zur Kreditvergabe in Kraft. Diese so genannten Basel-II-Regeln verpflichten die Geldhäuser, die Zinsen je nach Kreditwürdigkeit des Unternehmens zu variieren. Die Banken müssen daher genauer hinschauen, wem sie Geld leihen.
All diese Trends im Kreditgeschäft stellen nicht nur für die Banken ein Problem dar, sondern auch für die Betriebe. Gerade kleine und mittlere Unternehmen sind auf Bankkredite angewiesen. Und die Banken wollen wissen, mit wem sie es zu tun haben. In der Unternehmensbefragung der bundeseigenen KfW-Bank nennen von den Unternehmen, die über Schwierigkeiten beim Zugang zu Krediten berichten, 64 Prozent die Anforderungen an die Offenlegung als Grund für die Probleme.
In ihrem Kreditgeschäft haben die Banken bislang solche Informationsmängel durch ihre Kundenbeziehung überwunden. Oft kennen die Geldhäuser die Unternehmer seit Langem als Kunden. Zudem können die Filialmitarbeiter vor Ort einen tiefen Blick in die Firmenbücher werfen. Seit die Banken jedoch mit steigendem Wettbewerbsdruck und sinkenden Gewinnmargen im Kreditgeschäft kämpfen, steht dieses kostenintensive Geschäft auf dem Prüfstand.
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