Aktuell
Backstationen im Vormarsch gebremst
Discounter und Backstationen sind Gewinner und zugleich schärfste Konkurrenten im Wettbewerb um Brotkunden

Interessante Entwicklung: Fürchten die meisten Bäcker die Backstationen des LEH als ärgsten Konkurrenten mit wachsenden Marktanteilen, zeigt die Statistik eine etwas andere Tendenz: Der Vormarsch wird deutlich abgeschwächt und die Vorkasse gewinnt so
Auf der Basis des Haushaltspanels der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) analysiert die ZMP die gesamten Absatz- und Preisentwicklungen des Backwarenmarkts. Während die Backautomaten für den Privathaushalt dem Bäckerhandwerk keine nennenswerten Umsatzanteile abnehmen konnten, stellen die Backstationen in Super- und Verbrauchermärkten eine ernste Konkurrenz dar. In den letzten Jahren haben LEH und auch Discounter, wie beispielsweise Penny, das Geschäft mit der Frische innerhalb der Märkte deutlich forciert. Die gewonnen Marktanteile wurden allerdings vornehmlich Discountern ohne Backstation und den Regalen des LEH abgenommen; erst an dritter Stelle stehen bei den Verlierern die Vorkassenbäcker, an vierter Stelle Bäckereien in Alleinlage. Dabei zeigt die Studie, dass die Käuferreichweite der Produkte aus den Backstationen in den letzten Jahren nahezu stagnierte, also kaum noch neue Kunden für diese Vertriebsschiene „erwärmt“ werden können. Im Gegenteil: Die Vorkassenzone konnte den an die Backstation (innerhalb der Märkte) verlorenen Marktanteil sogar zu 100 Prozent wieder zurückerobern, so das Ergebnis der Statistik (siehe Grafik, rote Markierung).
Die Crux: Zu den Gewinnern am Backwarenmarkt zählen insgesamt betrachtet ohnehin die Shop in Shop Konzepte in den Vorkassenzonen; es bleibt abzuwarten inwieweit der LEH die Vorkassenzone mit Produkten aus der eigenen Backstube bestückt. Im langfristigen Vergleich erweist sich der Backwarenkonsum insgesamt als stabil, wobei Brot oftmals durch andere Produkte ersetzt wird und sich besonders gekühlte und tiefgekühlte Produkte in den SB-Regalen des LEH wachsenden Zuspruchs erfreuen. Grund ist der Trend zur convenienten Versorgung mit „Frischeprodukten“ in den Haushalten, der neben „Wellness/Gesundheit“ und „Genuss“ einen der drei starken Megatrends darstellt. Fast alle derzeit erfolgreichen Konzepte knüpfen an eine dieser Strömungen an.
Die hier relativierte Bedeutung der Backstationen soll keine Entwarnung im Verdrängungswettbewerb am Backwarenmarkt geben, aber die Handwerksbäcker brauchen den Kopf keinesfalls in den Sand zu stecken. Und: Bei den Feinen Backwaren sieht die Bilanz der Gewinn- und Verlustrechnung zwischen LEH und Bäckerhandwerk deutlich besser aus. Auch die zukünftig zu erwartende Entwicklung in diesen Segmenten spricht für die Handwerksqualität und den Bedienverkauf in Fachgeschäften. Als klare Gewinner in den letzten Jahren weist die Studie der ZMP die Bäcker im Außer-Haus-Geschäft aus. Dabei rückt das Frühstück immer deutlicher in den Vordergrund: Wurden 2003 36,1 Prozent der getätigten Einkäufe rund um belegte Brötchen zwischen 5.00 und 11.00 Uhr getätigt waren es 2006 bereits 43,4 Prozent. Der Snack zur Mittagszeit und auch am Nachmittag ist hingegen rückläufig. Dr. Michels empfahl den Besuchern des Bäko-Workshops deshalb, sich noch intensiver um das Frühstücksgeschäft zu kümmern. Getreu nach der Devise, „die eigenen Stärken zu stärken“.
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