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Backöfen contra Zapfsäulen?

Diskussion um Bio-Energie und Lebensmittelproduktion beim Treffen der Gesellschaft für Getreideforschung


Berlin (schl). Über 170 Teilnehmer aus Wissenschaft, Forschung und Industrie, von Verbänden und dem Backhandwerk diskutierten auf der 37. Wissenschaftlichen Informationstagung für Getreideforschung e.V. die Frage der Nutzungskonkurrenz zwischen der Nahrungsmittelherstellung und der Verwendung landwirtschaftlicher Rohstoffe für die Energiegewinnung.

Auf dem in Kooperation mit der Berliner Technischen Universität und der Technischen Fachhochschule sowie der Bundesanstalt für Ernährung und Lebensmittel, Detmold, veranstalteten zweitägigen Forums bestimmten aktuelle Themen mit direktem Branchenbezug das Veranstaltungsprogramm. Zum Auftakt war die globale Bio-Energiediskussion und deren Auswirkung auf das Bäckerhandwerk zentraler Schwerpunkt. Die Experten waren sich darin einig, dass Getreide, Wasser und Energie das Spannungsfeld bilden, das die globale Entwicklung des 21. Jahrhunderts bestimmen wird.

Roggenernte für den Tank

Dabei führt die zunehmende weltweite Nachfrage nach Getreide als Nahrungsmittelgrundlage aber zunehmend auch als Energielieferant zu einem Wettbewerb mit Auswirkungen auf den Endproduktpreis.

So müssen die Bäcker für konventionelles Getreide bis zu 24 Prozent und für Bio-Getreide bis zu 65 Prozent mehr bezahlen. Hauptgrund für die Explosion der Rohstoffpreise ist unter anderem die Tatsache, dass mittlerweile bereits ein Drittel der Roggenernte zu Sprit verarbeitet wird.

Darüber hinaus steht die energetische Nutzung von Getreide auch permanent in der öffentlichen Diskussion hinsichtlich ihrer Effizienz und unter dem Blickwinkel des weltweiten Klimawandels. Dazu legten Vertreter aus Industrie, vom Deutschen Bauernverband und aus dem Bundeslandwirtschaftsministerium ihre Positionen dar. Aus wissenschaftlicher Sicht sind künftig Energielösungen mit höherem Wirkungsgrad anvisiert.

Im Mittelpunkt des zweiten Veranstaltungstages standen branchenbezogene Sachthemen, darunter besonders die Brotfrischhaltung aus Verbrauchersicht und das unterschiedliche Aromaprofil von Brötchen mittels verschiedener Methoden der Gärführung hergestellt. Auch der Markterfolg von Brot aus Purpurweizen stand im Fokus der Diskussion. Traditionell wurden erneut sowohl hervorragende Arbeiten des Wissenschaftsnachwuchses als auch vorbildlichen Engagement im Backhandwerk prämiert (Seite 2).

Preis für sichere Fermentation

Der zum 19. Mal ausgeschriebene und mit 2500 Euro dotierte Förderpreis des Verbandes Deutscher Großbäckereien wurde nach einstimmigen Jurybeschluss Dr. Mareile Müller-Merbach verliehen. In ihrer Dissertation hatte sie hitzeresistente Bakteriophagen, die beispielsweise die Gärprozesse bei der Brotherstellung negativ beeinflussen können, untersucht. Sie sind auch bei der Milch- und Käseproduktion und darüber hinaus in der gesamten Lebensmittelindustrie eine der häufigsten Ursachen für Fermentationsstörungen und verursachen jährlich Schäden in Millionenhöhe. In seiner Laudatio unterstrich Verbandsgeschäftsführer Armin Juncker die große wissenschaftliche Leistung der Arbeit und deren Umsetzbarkeit in die Praxis. Die Preisträgerin hatte erstmals ein Modell des zeitlichen Verlaufs einer solchen Infektion entwickelt, das jetzt als Grundlage für gezielte Gegenmaßnahmen dienen kann.


Artikel vom 24.01.2008
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