Meinung

Backen im Zeichen der Schnecke

Gespräch über Ziele und Ausrichtung des Vereins Slow Baking


Den Verein Slow Baking gibt es seit 2003. Insgesamt 390 Bäcker sind Vereinsmitglieder, 40 davon sind als „Slow Baker“ zertifiziert. Im Gerangel um Markenrechte und Ausrichtung ist die ursprüngliche Idee – nach wie vor kontrovers diskutiert – etwas in den Hintergrund getreten. Im Gespräch stellt Ingo Rasche seine Sicht der Dinge dar.

ABZ: Wie steht es um den Verein und wie entwickeln sich die Mitgliederzahlen? Wie viele sind zertifiziert?

Ingo Rasche: Ich bin im Januar 2007 zum Vorsitzenden gewählt worden. Der Verein stand damals an einem Scheideweg. Die Frage war: Wollen wir weiterhin ein hauptsächlich intern agierender Club sein oder streben wir an, durch gezielte Öffentlichkeitsarbeit langfristig beim Endverbraucher als Qualitätslabel wahrgenommen zu werden? Für diesen Weg stand und stehe ich. Wenn ich sehe, wie viel Aufmerksamkeit unsere Bewegung inzwischen durch Veröffentlichungen in Fernsehen, Radio und der Publikumspresse bekommt, kann ich sagen, dass dieser Weg sehr erfolgreich ist. Zu dieser Entwicklung gehörte auch der bewusst gesuchte Austausch mit Slow Food. Was anfangs lediglich eine Namensähnlichkeit war, ist nun durch strenge und von Slow Food anerkannte Slow Baking-Grundregeln mit Leben erfüllt. Was die Mitglieder betrifft, hat eine gewisse Bereinigung stattgefunden. Die Zahl der Zertifizierten hat sich mehr als verdoppelt und liegt derzeit bei 40.

Es herrscht etwas Verwirrung in der Branche. Welche Slow Baking-Marken gibt es heute?

Rasche: Die Trennung von der Fachpublikation ging einher mit der Trennung von der Wort-Bild-Marke. Durch den intensiven Austausch mit Slow Food konnten Bildelemente der Slow Food-Marke in das neu zu entwickelnde Slow Baking-Logo einfließen. So kam es zu der Schnecke mit dem Steinbackofen, die heute unser Erkennungszeichen ist und von zertifizierten Mitgliedern zur Außendarstellung genutzt werden darf. Zu kommentieren, wo und wie mit ähnlichen Bezeichnungen oder Logos operiert wird, kann nicht meine Aufgabe sein. Ich wünsche mir lediglich, dass jeder genau hinsieht und unser Label von möglichen Trittbrettfahrern unterscheidet.

Wie verbreiten Sie den Gedanken des Slow Baking in Richtung Endkunden, bzw. wie unterstützen Sie die Bäcker?

Rasche: Kernelement unserer Kommunikationsoffensive ist die Kundenzeitschrift „brot & genuss“, die seit November 2009 alle zwei Monate erscheint. Sie liegt bei jedem Mitgliedsbäcker aus, ihr Bezug ist fester Bestandteil der Mitgliedschaft. Es gibt drei Versionen: Abweichend von der allgemeinen Ausgabe erhalten zertifizierte Mitglieder eine Variante, die unser Logo trägt und auf einer Sonderseite sämtliche zertifizierten Bäcker auflistet. Darüber hinaus machen immer mehr zertifizierte Mitglieder von der Möglichkeit Gebrauch, ihre Ausgabe zusätzlich mit betriebsindividuellen Elementen gestalten zu lassen. Obwohl es natürlich unseren Bäckern unter den Nägeln brannte, von Anfang an möglichst viele Slow Baking-Inhalte zu transportieren, haben wir diese Themen bewusst dosiert eingesetzt, haben den Leser neugierig machen, aber nicht überfordern wollen. Inzwischen trägt das Heft aber eine sehr deutliche Slow Baking-Handschrift. Wir zeigen in einer verständlichen Sprache und mit ansprechender Optik dem Kunden, was wir tun – und schaffen damit hoffentlich eine dauerhafte Identifikation des Kunden mit der Slow Baking-Idee.

Wie geht es weiter, welche Pläne haben Sie mit Slow Baking?

Rasche: Unser Ziel muss es sein, weiter die Relevanz der Slow Baking-Idee im Markt zu erhöhen. Wir sehen noch deutliches Potenzial zur Verbreiterung der Mitgliederbasis. Im Grunde suchen die Kunden händeringend nach Bäckern, die so arbeiten wie wir – nur gibt es noch zu wenige davon. Deshalb ist es eine Hauptaufgabe, die Mitgliederzahl zu steigern und vor allem die Zahl der Zertifizierungen. Meine Wahrnehmung ist, dass es durchaus noch Bäcker gibt, die ihr Handwerk verstehen und sich als Slow Baker noch besser im Markt positionieren könnten. (dk)


Artikel vom 19.05.2010
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