Aktuell

Azubi-Grand-Prix: Siegerin ausgezeichnet

Rezept- und Kreativwettbewerb geht weiter / Anh Trang Nhan erhielt den Preis für innovative Gebäcke aus Blätter- und Plunderteigen


Jettingen-Scheppach. (kh) Innovationskraft und damit die Fähigkeit, neue, einzigartige Produkte zu kreieren, nur so kann sich der Handwerksbetrieb gegen den schärfer werdenden Wettbewerb mit Handel und Billiganbietern absetzen.

Der Innovationszwang setzt aber auch voraus, dass die Betriebe innovative Mitarbeiter haben, die es schaffen mit ihrer eigenen Kreativität neue Produkte zu entwickeln und bis zum Marketing zu begleiten. Diese Aufgabe fällt üblicherweise in den Backstuben den Produktionsleitern oder den verantwortlichen Meistern zu. Doch auch Innovationsfähigkeit kann man erlernen und fördern und zwar bereits bei den Lehrlingen. Vor diesem Hintergrund ist der Azubi-Grand-Prix von Meylip in Kooperation mit der ABZ zu verstehen.

Gesucht werden innovative Lehrling und damit auch innovative Betriebe.

Der Wettbewerb ist in drei Etappen unterteilt. Die erste ist zu Ende und hat eine würdige Siegerin gefunden.

Preisträgerin mit Potenzial

Vor einigen Wochen staunte die Prüfungskommission bei der Lehrlingszwischenprüfung nicht schlecht, als eine junge Vietnamesin ihre praktischen Prüfungsaufgaben zu lösen begann. Während die meisten Prüflinge die unter anderem geforderten, gefüllten Biskuit-Omeletts auf Pappdeckeln oder einfachen Blechen für die Bewertung drapierten, nahm Anh Trang Nhan (21) dafür einen Spiegel. Dieser stellte nicht nur die Dreidimensionalität der Produkte deutlicher heraus, mehr noch, durch die Dekoration mit frischen Früchten rund um die Gebäcke wurden diese fast schon so präsentiert, wie die Menüteller in der Sterneküche. Auch die Jury des Azubi-Grand-Prix staunte nicht schlecht über die Ideen aus Jettingen-Scheppach.

Der Ausbildungsbetrieb

Anh Trang Nhan macht ihre Ausbildung zur Konditorin im Café Fritz in der Hauptstraße. Lehrherr ist Jochen Klügel, Inhaber des seit 1773 im Familienbesitz befindlichen Betriebes. „Anh ist eine positive Ausnahme und ein Glücksfall für unseren Betrieb“, kommentiert der stolze Konditor-, Bäckermeister und Betriebswirt des Handwerks. Der Kleinbetrieb von Klügel beschäftigt zwei Meister, zwei Gesellen und zwei Lehrlinge. Der Schwerpunkt der Produktion liegt mit rund 50 % aller Produkte bei Konditoreiwaren. Im ländlichen bayerischen Jettingen ist der Wettbewerb unter den Bäckern nicht ohne. Auf rund 6500 Einwohner kommen sechs backende Betriebe. „Wir sind aber die einzigen, die ein so breites Sortiment an Kuchen und Gebäcken bieten. Allein an Samstagen haben wir zwischen 25 und 30 verschiedene Sahnetorten im Sortiment,“ erklärt Klügel. Die Back- und Konditoreiwaren werden ausschließlich vom Standort in Jettingen-Scheppach verkauft. „Neben dem Direktverkauf haben wir noch ein wachsendes Liefergeschäft“, so Klügel.

Für ihn gehört es zur Geschäftsphilosophie, ständig sein Sortiment zu verändern. „Wir wechseln nicht nur saisonal, wir verändern unser Angebot auch dann, wenn einem Mitarbeiter oder auch mir eine neue Idee in den Kopf kommt. Stupides Abarbeiten von Backzetteln, davon haben wir uns schon lange verabschiedet. Einen großen Teil unserer Zeit verbringen wir auch damit, neue Geschmacksvariationen auszuprobieren und neue Gebäckformen auszuprobieren.“ Klügel führt seine Mitarbeiter vom ersten Arbeitstag in seinem Betrieb an diese Arbeitsweise heran. „Bei uns soll jeder mitdenken und mitentscheiden. Wenn wir ein neues Produkt für gut befinden, geht es in den Verkauf, läuft es gut, bleibt es im Sortiment. Läuft es nicht, stellen wir uns zunächst die Frage nach dem Warum, finden wir keine Antwort, suchen wir uns ein neues Produkt, mit dem wir unsere Kunden überraschen können.“

Das Siegergebäck

Die Geburt des Siegergebäckes der I. Etappe beim Azubi-Grand-Prix war harte Arbeit. „Anh hat einige Abende in der Backstube verbracht und getüftelt, sowohl an der Form als auch der Füllung. Zudem sollte das Gebäck noch relativ rationell herstellbar sein,“ erklärt der Lehrmeister.

„In Anlehnung an meine Heimat Vietnam habe ich das Symbol von Ying und Yang ausgewählt“, erklärt die Preisträgerin. Betrachtet man das Zeichen für Ying und Yang, so sieht man zunächst einen Kreis indem sich zwei tropfenförmige Halbkreise befinden. Die etwas philosophische Erklärung dazu lautet:

Es haben sich zwei gegensätzliche, stets ineinander übergehenden und auseinander hervor gehende Pole gebildet. Yin und Yang sind im Fluss und gebären die zahllosen Muster der Existenz. Man glaubt zwei Fische zu sehen, die im Wasser miteinander gleiten. Dieses harmonische Motiv ist eine Beschreibung des Universums auf ein Nenner gebracht.

Universelle Muster entstehen aus den Füllhorn von Gegebenheiten und Ereignissen. Unsere Welt – neue Entdeckungen in Atom-, und Quantenphysik haben gezeigt, dass Materie und Energie im Grunde ein und dasselbe sind. Unsere Welt, in der sich das scheinbare Feste in einen Energietanz auflöst, ist das Symbol des Tai Chi das ideale Motiv. Das heißt – eine Welt in der sich ständig grundlegende Eigenschaften von einer Manifestation zur anderen transformiert und sich alle Energiemuster gegenseitig beeinflussen. Die Drehrichtung wäre links, das Yang steigt auf, mehr sagt das Bild nicht aus. Diese Betrachtung stammt aus der Lehre des Feng Shui, die inzwischen selbst bei Ladenbauern im Backbereich Einzug gehalten hat. Gute und schlechte Schwingungen werden gegen einander abgewogen und so komponiert, dass die guten Schwingungen oder auch das gute Gefühl (Wohlgefühl) überwiegen.

Der Bezug zum Gebäck

„Die Bezeichnung dieses Gebäckes spiegelt den Einklang der beiden Zutaten Ananas und Kokos anschaulich wider. Auch in der Form erinnert das Gebäck an diese asiatische Lebensweisheit und hebt sich mit seiner ausgefallenen Gestalt von anderen Gebäcken ab“, schreibt Anh Trang Nhan in der Bewerbung. Sowohl die interessante Form als auch die nicht übliche Kombination von Kokos uns Ananas heben das Gebäck aus der breiten Masse von Standardgebäcken ab. Die meisten Einsender haben sich bei ihren Gebäcken entweder auf die Füllung oder aber auf die Optik gestürzt. Das Siegergebäck von Anh Trang Nhan hat für beide Gebäckeigenschaften sowohl die Optik als auch den Geschmack eine völlig neue und unerwartete Variation.

Sicher spielte bei der Entscheidung auch eine Rolle, dass sie ihr Gebäck optisch ins rechte Licht gerückt hat. Nicht nur das nackte Gebäck wurde fotografiert, sondern das ganzheitliche Konzept setzt sich auch hier in einer ansprechenden Dekoration fort.

Insgesamt ist Anh sicher eine echte Ausnahme. Jochen Klügel beschreibt sie als sehr wissbegierig, mit einer überdurchschnittlichen Auffassungsgabe und zudem besitzt die junge Frau ein echtes Talent für ausgefallene wie harmonisch wirkende Dekorationen.

Auch das Feingefühl im Umgang mit empfindlichen Rohstoffen sowie Teigen und Massen ist heute bei vielen Lehrlingen nicht mehr selbstverständlich. Jochen Klügel bringt es auf den Punkt: „Ich bin froh sie in meinem Betrieb zu haben, wir können noch viel gegenseitig voneinander profitieren.“


Artikel vom 24.05.2006
Drucken 

Weitere Nachrichten aus Fokus vom 24.05.2006:

Höchstsatz von 25 Prozent
Auf kleine Betriebe setzen
Falsches Signal für Zukunft
Kleinbetriebe überwiegen
Mehr Bürokratie befürchtet
Gefragt ist der moderne Fachverband
Auch kurz vor Torschluss Service bieten
Discounter stark im Rennen
Praxisgerechte Ideen zu Chilled Food
Bio-Umsatz in USA wächst

Kommentare

Aktuelle Meldungen aus Fokus


Abonnenten Bereich



Hilfe




Rezept der Woche

Dinkel-Hirse-Brot
Rezept der Woche Ballaststoffreiches Brot mit langer Frischhaltung mehr ...




ABZ Newsletter

Nutzen Sie als Abonnent kostenlos unseren wöchentlichen Informationsdienst per E-Mail.

Jetzt anmelden!