Tagungen & Messen
Auch beim Thema Bio legt der Einzelhandel vor
Bio-Discount bleibt attraktiv / Profilierung des Fachgeschäfts mit Glaubwürdigkeit und Qualität / Biofach mit deutlichem Besucherplus
Nürnberg (pf). Ungebrochen war der Ansturm der Aussteller und der Besucher auf die Biofach in Nürnberg. Rund 45.000 Besucher (2006: 37.426) zog die weltgrößte Bio-Messe in diesem Jahr an. Die Ausstellerzahl stieg im Vergleich zum Vorjahr von 2088 auf 2566, was sich auch auf einer größeren Messefläche (+ 18 %) deutlich zeigte.
Eine hervorragende Möglichkeit diese Geschichte zu verkaufen bietet die Messe an. Einkäufer der kleinen und großen Bio-Handelsunternehmen nutzen die Biofach genauso zur Informationsbeschaffung, wie Bäcker, die bereits Bio backen oder die umstellen wollen.
Ist deshalb Bio vielleicht schon viel mehr als nur eine Nische? Um dies zu belegen, vergleicht Ökostrategieberatung Jörg Reuter (Berlin) zwei Zahlen in einem Vortrag miteinander: „Die Supermarktkette Plus hat 2700 Filialen, genauso viele Naturkostläden gibt es in Deutschland. Aber inzwischen bekommen Sie auch Bio-Lebensmittel bei Plus.“
Sein Vortrag auf der Biofach stand unter dem Titel: „Was kommt nach Discount-Bio?“ Denn es sind Supermarktketten wie Plus, Aldi und Lidl, die Bio im wahrsten Sinne des Wortes in fast alle Munde gebracht haben. Rund 80 Prozent der Verbraucher kaufen – wenn auch meist nur gelegentlich – Bio-Lebensmittel. Dies kann und muss man neben aller Freude über die biologischen Produkte auch mit Skepsis sehen.
Wer wissen will, wie es mit Bio weiter geht, muss die Wurzeln betrachten. Während es anfänglich nur um die Prozessqualität ging, also die Lebensmittel möglichst natürlich herzustellen, kam später der gesundheitliche Aspekt hinzu. In den neunziger Jahren begann sich Bio zu konventionalisieren. Von da an gab es das Bio-Brötchen auch mit Weißmehl.
Bio aus Überzeugung
An verschiedenen Beispielen zeigte Reuter auf, wie heute das Thema Bio in den Medien präsent ist. Gleichzeitig galt es lange als teuer. Dies war auch der Ansatzpunkt der Discounter, die sich innerhalb von kürzester Zeit in Teilen bis zu 50 Prozent Marktanteil gesichert haben. Deutlich wurde: „Discount-Bio wird es auch weiterhin geben. Wer hier nicht mitmachen will, der muss überlegen, wo er sich am Markt platzieren will,“ so Jörg Reuter.
In den Messehallen der Biofach konnte bei genauer Beobachtung diese Marktteilung in Preis und Wert festgestellt werden. So sind inzwischen die gleichen Großbäcker wie auf der iba oder der südback mit Ständen vertreten. Sie wollen Tiefkühlteiglinge – diesmal in Bio-Qualität – an den Einzelhandel verkaufen.
Ob dies aufgeht, bezweifelt Siegfried Schedel. Mit seiner Bio-Bäckerei aus Überzeugung bietet er seit 1996 Bio-Brot und Bio-Backwaren in Bioland-Qualität an. Er bietet Produkte an, die die Industrie so nicht herstellen kann.
Erstmals als Aussteller auf der Messe vertreten war die Vollkornbäckerei Siebenkorn, ein Bäcker aus Marburg. Am Stand von Demeter zeigte die Bäckerei Ausschnitte aus ihrem Brotsortiment. Dieses wird in Südhessen und in Teilen von NRW an Naturkostläden ausgeliefert.
Bio-Bäckerei als Marke
Siebenkorn wurde 1986 als Vollkornbäckerei gegründet. Lange vor EG-Bio war der Betrieb schon ganzheitlich biologisch ausgerichtet. Das Getreide wurde schon immer von Demeter-Bauern aus der Region bezogen. Jetzt wurde die gesamte Bäckerei Siebenkorn auf Demeter umgestellt, das heißt, dass auch die anderen Rohstoffe in Demeter-Qualität bezogen werden.
Das Ziel von Siebenkorn-Geschäftsführer Meinhard Rediske ist es, Siebenkorn als Marke zu profilieren und mit Demeter dies noch zu verstärken. Die Bio-Bäckerei will sich im Premiumsegment profilieren.
Als einer der wenigen Backmittelanbieter ist Backaldrin regelmäßiger Aussteller auf der Messe. Die Österreicher haben ein umfassendes Sortiment für Bio-Bäcker im Angebot. Für die Landshuter Meyermühle ist die Biofach ebenfalls ein Pflichttermin. Bio-Mehl in verschiedenen Qualitäten, vom EG-Bio bis hin zum Mehl aus dem Anbau nach den Richtlinien von Naturland, bietet die Meyermühle auch über die Bäko an.
Um sich im Premiumsegment zu positionieren, gehört auch entsprechende Technik in die Backstube. Holzmühlen tragen sicherlich zur Förderung des Mythos um Bio bei. Jedoch ist aus backtechnischer Sicht eine besonders feine Vermahlung des Mehls gefragt.
Ein Mehl mit einer besonderen Feinheit ist das Ergebnis der Zentrofan-Mühlentechnik, die sich auch sehr positiv auf die Gebäckqualität der daraus hergestellten Backwaren auswirkt. „Das Getreide wird nicht zerrieben und gequetscht, sondern durch einen ständig zirkulierenden Luftstrom am stehenden Naturmahlstein aus Basalt-Lava abgeschliffen“, zeigt Mühlenbauer Rainer J. Braunwarth auf.
Bei vielen Verbrauchern geht der Trend hin zu Bio-Lebensmitteln, dem kann sich das Bäckerhandwerk nicht verschließen. Die Biofach ist sicherlich keine typische Bäckermesse. Gleichwohl gibt es für Bäcker dort rund um Bio viel zu sehen.
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