INTERVIEW der woche
Angebot auf die Zielgruppe zugeschnitten
Wir sprachen dazu mit Franz Reisbeck, Vorsitzendem der Geschäftsführung der Gesellschaft für Handwerksmessen mbH (GHM), München als Veranstalter.
ABZ: Was hat Sie zur Umstrukturierung der Internationalen Handwerksmesse bewogen?
Franz Reisbeck: Mit den Märkten ändern sich auch die Bedürfnisse von Ausstellern und Besuchern kontinuierlich. Dies hat uns einerseits dazu bewogen, die Angebotsbereiche zielgruppengerecht für die Fach- und Privatbesucher zu entflechten, wovon besonders die Lebensmittelgewerke profitieren werden. Andererseits wollen wir passgenaue Lösungen für die gesamte Wertschöpfungskette in kleinen und mittleren Betrieben des Handwerks und des gewerblichen Mittelstandes bieten. Das Ergebnis ist eine neu strukturierte Handwerksmesse, die sich in die Hallenareale „Profi“ und „Privat“ gliedert.
ABZ: Was ist das Ziel des neuen Konzeptes?
Franz Reisbeck: Marktgerechte Anpassung aller Angebotsbereiche. Die IHM legt mit ihrem Anspruch, auch bei ihrer 58. Durchführung die internationale Leitmesse der Handwerkswirtschaft zu sein, die Messlatte hoch. Ihre Funktion, Sprachrohr der Interessen der Handwerksbetriebe zu sein und mit klaren Positionen in den Medien Gehör zu finden, muss erhalten bleiben. Mit der neuen Konfiguration und ihrer übersichtlichen Struktur will die Internationale Handwerksmesse die fachliche Informationsdichte für den Handwerksprofi stärken. Im Sektor Privat will sie bei kaufkräftigen Konsumenten Markt machen und Kaufbereitschaft stimulieren.
ABZ: Was bringt das dem Nahrungsmittelhandwerk, sprich Bäcker?
Franz Reisbeck: Mit der neuen Konzeption kontern wir konstruktiv die Kritik mancher Aussteller aus dem Ausrüsterbereich der Lebensmittelhandwerke, die zu viele Privatleute in der bisherigen Halle A3 beklagten. Nun wandert diese Gruppe – Maschinen, Anlagen, Rohstoffe, Ladenbau u.ä. – als „Marktplatz für Metzger, Bäcker, Konditoren MBKplus“ in die Halle B2 und bildet dort einen Kern der Hoga München, Fachmesse für Hotellerie, Gastronomie und Gemeinschaftsverpflegung. Diese viertägige Hoga/MBKplus ist nun eine klassische Fachmesse. Sie trägt der Tatsache Rechnung, dass einerseits die Ernährungsgewerke immer mehr Schnittmengen untereinander ausbilden – etwa beim Außer-Haus-Verzehr. Zum zweiten aber können sie viel profitieren von Anregungen, z. B. aus der Szene-Gastronomie, die neue Phantasie im Partyservice auslösen kann. Das Ticket der Hoga/MBKplus erlaubt zugleich den Besuch der Internationalen Handwerksmesse – aber nicht umgekehrt! – so dass kein Bäcker auf den traditionellen Kollegenplausch am beliebten Stand der Gläsernen Produktionsstätte der Bäckerinnung München verzichten muss.
ABZ: Haben Sie sich dazu mit den Berufsverbänden beraten?
Franz Reisbeck: Selbstverständlich haben wir das neue Konzept im Vorfeld mit den drei bayerischen Berufsverbänden und ihren Einkaufsgenossenschaften ebenso intensiv beraten wie mit Sprechern aus den einschlägigen Ausstellerkreisen. Sie haben unser Vorhaben einhellig begrüßt und mit konstruktiven Vorschlägen bereichert. Sie haben sich auch bereit gefunden, gemeinsam das Lebensmittelforum MBKplus 2006 aus der Taufe zu heben und inhaltlich zu gestalten.
ABZ: Welchen Vorteil haben die Aussteller?
Franz Reisbeck: Die Aussteller der Lebensmittelbranche denken seit geraumer Zeit darüber nach, wie sich zwischen den Partnergewerken, die sich immer stärker durchdringen, Synergien heben lassen. Die Handwerksmesse hat ja von alters her ein gemeinsames Podium für Metzger, Bäcker, Konditoren und Müller geboten – ein Podium, das man andernorts jetzt mit Mühe neu zimmern will. Wenn wir nun mit Hoga/MBKplus Gastwirte und Hoteliers dazu einladen und ihnen als erheblichen Mehrwert auch noch das Komplettangebot der IHM zugänglich machen, vergrößert sich das Kundenpotenzial für unsere Traditionsaussteller um ein Vielfaches. Und sie können sich diesen Kunden ungestört widmen – in der Atmosphäre einer konzentrierten Fachmesse, zu geringen Kosten und in kürzerer Zeit.
ABZ: Hat sich das neue Konzept bei den Vorbuchungen bemerkbar gemacht?
Franz Reisbeck: Gerade bei den Anbietern, die das Bäckerhandwerk mit Maschinen und Anlagen, mit Warenwirtschaftssystemen und Ladeneinrichtungen ausstatten, aber auch bei den Lieferanten von Roh- und Hilfsstoffen hat das neue Konzept guten Anklang gefunden. Einige von ihnen werden allerdings erst beim zweiten Mal voll einsteigen, weil sie im Premierenjahr ihre Kräfte und Ressourcen voll auf die iba 2006 konzentrieren wollen. Die wahre Tragfähigkeit der neuen Konstellation wird sich daher wohl erst in den kommenden Jahren beweisen.
ABZ: Was bieten Sie den Fachbesuchern als Rahmenprogramm?
Franz Reisbeck: Die Mehrbranchenmesse IHM informiert nicht nur marktaktuell über die eigene Branche, sie zeigt zudem, welche thematischen Querverbindungen es zu anderen Gewerken gibt: Welche Nutzfahrzeuge kommen für mich im Bäckereibetrieb in Frage? Wie kann ich bei explodierenden Energiekosten Einsparungen vornehmen? Wie komme ich an die richtigen Lehrlinge? Hier erweisen sich die IHM-Sonderschauen als wahres Füllhorn und liefern auf alle Fragen die passende Antwort.
Wie heißt es doch in der Lotterie-Werbung: Nur wer teilnimmt, kann gewinnen. Diesen Satz möchte ich
so abwandeln: Nur wer die Internationale Handwerksmesse in München besucht, kann auch seinen Nutzen aus diesem Spitzen-Messeangebot ziehen.
Mehr zur Internationalen Handwerksmesse und der MBKplus auf Seite 6. (si)
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