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Ampelkennzeichnung gescheitert?
BLL sieht auf europäischer Ebene keine Mehrheit für geplante Kennzeichnungs-VO
Bonn (age). Der Bund für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde (BLL) sieht die Ampelkennzeichnung von Lebensmitteln auf europäischer Ebene als gescheitert. „Die Ampel ist tot“ sagte das BLL-Vorstandsmitglied und Direktorin der Südzucker AG, Susanne Langguth, beim Neujahrsempfang des Verbandes in Bonn. Derzeit gebe es alles andere als eine Mehrheit für diese Art der Lebensmittelkennzeichnung unter den Mitgliedstaaten der Europäischen Union.
Auch Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel habe dem Werben um die Ampelkennzeichnung eine deutliche Absage erteilt. Notwendig sei vielmehr eine Konzentration auf zentrale Informationen zum Kaloriengehalt und – für Weiterinteressierte – zu den Hauptnährstoffen.
Der Direktor des Forschungszentrums für Kundenbeziehungen im Lebensmittelsektor (MAPP), Prof. Klaus Grunert, stellte die Ergebnisse einer Verbraucherstudie des Europäischen Informationszentrums für Lebensmittel (EUFIC) zum Verbraucherverhalten vor.
Zentrales Ergebnis sei, dass Verbraucheraufklärung, Bildung und Motivation die Schlüssel für ein „besseres“ Wissen der Verbraucher um die Zusammenhänge zwischen Ernährung, Bewegung und Übergewicht seien, nicht die Lebensmittelkennzeichnung.
Es sehe so aus, dass der Verbraucher durchaus in der Lage sei, die Nährwertinformationen richtig zu verwenden, wenn er denn wolle, hob Grunert hervor. Wenn man das Gesundheitsverhalten der Verbraucher durch Nährwertkennzeichnung verbessern wolle, sollte man zuerst diskutieren, was den Verbraucher motiviere, solche Informationen zu verwenden.
Nach Grunerts Angaben hat die EUFIC-Studie gezeigt, dass die auf Lebensmitteln angebotenen Nährwertinformationen von den Verbrauchern beim Kauf im Supermarkt im Schnitt gut verstanden werden. Auch eine Bewertung der Nährwertangaben mittels der Ampelfarben grün, gelb und rot werde zwar wahrgenommen, doch „vielfach falsch verstanden“.
Eine rote Ampel werde von drei Viertel der Befragten dahingehend interpretiert, dass die Produkte am besten gar nicht mehr verzehrt werden sollten. Die Ergebnisse zeigten auch, dass der Großteil der Verbraucher, und zwar mehr als zwei Drittel, in der Lage gewesen sei, korrekte Angaben zum Fett-, Zucker- oder Salzgehalt der jeweiligen Lebensmittel zu machen, erläuterte Grunert. Die Verbraucher neigten sogar eher dazu, Nährstoffgehalte von Lebensmitteln höher einzuschätzen als sie tatsächlich seien.
In vier von sechs Ländern sei die Kalorienangabe die wichtigste Information für die Verbraucher. Dahinter folgten Fett, Zucker und Salz, aber auch Ballaststoffe, Eiweiß und Vitamine. Insgesamt könne man festhalten, dass das Ernährungswissen sehr gut sei, unterstrich Grunert.
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