INTERVIEW der woche

Alle notwendigen Dienstleistungen bieten


In der letzten Ausgabe der ABZ hat sich der Präsident des Zentralverbandes des deutschen Bäckerhandwerks zu Fragenkomplexen rund um die Messelandschaft, die Investitionsbereitschaft und das Thema Teiglinge und Convenience geäußert. Der zweite Teil des Interviews behandelt die Themenkomplexe Bäckerhandwerk und -struktur sowie die Aus- und Weiterbildung.

ABZ: Die Mitgliederstrukturen in den Verbänden haben sich stark gewandelt. Sind die Interessenlagen der Betriebe da noch vergleichbar, oder ist das ein Problem?

Peter Becker: Das ist überhaupt kein Problem. Auf die unterschiedlichen Fragestellungen kann man sich einstellen und das haben wir als Zentralverband auch getan. Zudem gibt es bei der Interessenvertretung eine große Schnittmenge von Gemeinsamkeiten. Unterschiede bedeuten noch lange keine Gegensätze oder Interessenkonflikte. Wir verstehen uns als Interessenvertretung für alle Bäcker, egal ob es sich um den Ein-Mann-Betrieb oder den großen Filialisten handelt.

Bei größeren Betrieben gibt es sicher auch Problemstellungen, die bei kleineren nicht vorkommen, beispielsweise haben eine Reihe von größeren Mitgliedsbetrieben inzwischen Betriebsräte. Die Mitarbeiterstrukturen und auch deren Qualifikationen sind teilweise anders und darauf muss man als Verband natürlich auch reagieren und beispielsweise entsprechende Schulungs- und Weiterbildungsangebote ins Programm nehmen.

Es hat immer schon klein und groß gegeben. Heute haben wir im Gegensatz zu früher eben auch Betriebe, die über Innungsgrenzen oder sogar über Landesgrenzen hinaus aktiv sind.

ABZ: Halten Sie die Verbandsstruktur mit 16 Landesverbänden angesichts rückläufiger Mitgliederzahlen noch für zeitgemäß, dauerhaft finanzierbar oder reformbedürftig?

Peter Becker: Wenn ich mir die Verbandsstruktur hier im Norden ansehe, so haben wir bereits in den 90-er Jahren die BKV-Nord mit den Verbänden aus Hamburg und Schleswig-Holstein als Einheit gegründet, später kam dann Mecklenburg-Vorpommern noch dazu. So betrachtet, sind wir hier schon sehr viel weiter als viele andere Landesverbände. Man darf aber das Kind nicht mit dem Bade ausschütten und nur um der Reform willen gewachsene Strukturen auf den Kopf stellen. Wichtig ist, dass wir eine vernünftige, funktionierende Verbandsstruktur haben, das gilt für Innungen wie Landesverbände gleichermaßen. Man muss die Mitglieder mitnehmen. Was bringt eine schlankere Struktur, wenn man dadurch Mitglieder verärgert oder im schlimmsten Fall sogar verliert.

Die Abstufung Innung, Landesebene und Bundesebene hat sich bewährt, weil wir so auf allen Ebenen eine effektive Interessenvertretung haben. Entscheidend ist, dass die Betriebe alle notwendigen Dienstleistungen von ihrer Verbandsorganisation bekommen.

ABZ: Rückläufige Meisterprüfungszahlen im Bäckerhandwerk. Wie muss sich eine Fachschule heute positionieren, um auch in Zukunft noch erfolgreich und profitabel arbeiten zu können?

Peter Becker: Die Anzahl der Meisterschüler ist mit zeitlichem Versatz immer abhängig von der Zahl der Lehrlinge. Hohe Lehrlingszahlen wie in den 90-ern wirken sich logischerweise auch auf die Zahl der Meisterschüler aus. Die Vollzeitkurse an den Meisterschulen sind gut besucht, bei den berufsbegleitenden Meisterkursen sind die Zahlen wohl eher rückläufig. Die Struktur der Meisterschulen wird derzeit neu ausgerichtet. Wir arbeiten daran, eine vernünftige Abstufung zwischen den Landesfachschulen und der Bundesfachschule zu schaffen. Ich denke, wir werden in diesem Jahr zu einer vernünftigen Regelung kommen. Entscheidend ist, dass das Bäckerhandwerk das, was an Lehrgängen wichtig und notwendig ist, selber anbieten kann und zwar zu vernünftigen Preisen. Hier dürfen wir uns nicht von externen Anbietern und auch nicht von der Industrie die Butter vom Brot nehmen lassen.

Wir haben soviel eigene fachliche Kompetenz, das wir uns weder vor Schulen und Angeboten aus dem Ausland noch vor Angeboten der Industrie verstecken brauchen.

ABZ: Gibt es Bestrebungen, weitere Angebote und Inhalte bei Aus- und Weiterbildung anzubieten?

Peter Becker: Schon heute kann neben dem Meister der „Betriebswirt des Handwerks“ gleich mitgemacht werden. Damit hat man ein ausreichendes und solides Fundament gelegt. Was ich mir wünsche, ist eine Offensive im Bereich Qualität. Die Ausbildung vieler Meister ist heute – auch aufgrund der kurzen Gesellenzeiten – oft nicht mehr ausreichend. Wichtig ist auch eine technologische Weiterqualifikation oberhalb der Meisterausbildung.

ABZ: Sie planen, wenn ich es richtig verstehe, an einem handwerklich orientierten, qualifizierten Produktentwickler?

Peter Becker: Nicht ganz. Wir müssen die Qualifikation in den Bereichen Technologie, Logistik und Prozessplanung signifikant verbessern. Mit der entsprechenden Ausbildung wird das Bäckerhandwerk auch in Zukunft ein Handwerk mit goldenem Boden sein. (kh)


Artikel vom 09.03.2006
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