Meinung
Aldis Armada Kommentar
Geht das jahrhundertealte Bäckerhandwerk unter? Mitnichten – selbst wenn der Discounter aus noch so vielen Rohren feuert.
Als der spanische König Philipp II. 1588 seine gefürchtet Kriegsflotte aussandte, um Elisabeth I. zu stürzen, hätte kaum einer einen Groschen auf die Engländer gesetzt. Das Ergebnis ist bekannt. Mit ihren wendigen Schiffen und einer raffinierten Taktik schlugen die Engländer die Armada im Ärmelkanal in die Flucht. Und nach einem erneuten Schlag des englischen Piraten Drake besorgten Holzwürmer der spanischen Flottille den Rest.
Das Bäckerhandwerk hat alle Waffen zur Hand, um sich erfolgreich zu wehren. Da ist zum einen die oft beschworene Qualität handwerklicher Backwaren. Fragt man Aldi-Kunden, warum sie Brot und Brötchen nicht mehr beim Bäcker kaufen, sagen viele: „Weil man keinen Unterschied schmeckt.“ Ob zu Recht oder Unrecht spielt keine Rolle: Im Wettbewerb kann der Bäcker nur bestehen, wenn er so gut backt, dass erst gar keine Zweifel aufkommen.
Zum anderen kann das Handwerk seine Flexibilität ausspielen. Bis ein Discounter umschwenkt, um einen Markttrend aufzugreifen, sind Bäcker längst auf Kurs – wenn sie mutig sind. Wenn der Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks mit seiner Klage gegen Aldi wegen irreführender Werbung Erfolg hat, ist das allenfalls ein Schuss in die Takelage des Discounters. Versenken müssen Bäcker den Angreifer in ihren Gewässern selber.
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