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„15 Millionen Euro Umsatz sind die Mindestgröße“

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Banker Dietmar Kohl zu den Chancen für Bäckereien, einen Investor zu finden

Das Gespräch führte

Reinald Wolf

Im Handwerk wird es immer schwieriger, Kandidaten für die Unternehmsnachfolge zu finden. Sei es aus den eigenen familiären Reihen, sei es durch einen Mitarbeiter. Was bleibt, ist der Verkauf an Kollegen in der Branche – oder eine Übernahme-Regelung. Eine Lösung, die auf zunehmendes Interesse stößt, wie Dietmar Kohl (46) von der DZ Bank, dem Dachinstitut der Volks- und Raiffeisenbanken, festgestellt hat.

Er ist Berater für Unternehmsnachfolge und -verkäufe und der Meinung, dass Bäckereien sich durchaus mit dem Investoren-Modell befassen können, wenn es keine andere Lösung gibt, die Zukunft des Unternehmens zu sichern. Allerdings gilt es dabei einiges zu beachten.

ABZ: Es gibt zunehmend Beteiligungen an Handwerksbetrieben – auch im Bäckerhandwerk. Haben Investoren das Bäckerhandwerk entdeckt?

Dietmar Kohl: Ich würde eher sagen, das Bäckerhandwerk hat vermehrt die Investoren auf dem Schirm, weil das Problem der ungelösten häufiger auftritt.

Und wie ist nun die Resonanz seitens der Investoren?

Kohl: Das Interesse am Bäckerhandwerk war bisher unberechtigterweise eingeschränkt.

Gibt es einen Grund für diese Zurückhaltung?

Kohl: Das sind gleich mehrere Gründe: Die vergleichsweise häufigen Insolvenzen und der hohe Wettbewerbsdruck signalisieren den Investoren, dass das Geschäft schwierig ist und es sich nicht um eine Boombranche handelt. Und ein will verständlicherweise mit möglichst wenig Risiko gutes Geld verdienen. Da stehen dann eher gut aufgestellte größere Unternehmen im .

Das heißt, je mehr Umsatz und Filialen, desto besser?

Kohl: So einfach kann man das nicht sehen. Für klassische Finanzinvestoren gibt es eine Mindestgröße von etwa 15 Mio. Euro Jahresumsatz. Aber da muss das Unternehmen auch gut aufgestellt sein, da müssen die Zahlen und das Umfeld stimmen, da muss die Wettbewerbssituation Wachstumspotenzial versprechen. Unprofitable und kleine Betriebe sind für Beteiligungskandidaten einfach nicht interessant.

Das heißt dann wohl auch, dass ich für ein halbwegs angeschlagenes Unternehmen keinen Investor finden werde, der die Braut hübsch machen will, um sie anschließend mit Gewinn zu verkaufen?

Kohl: Die Braut wird jedenfalls genau angeschaut. Wenn sich unterm Schleier der Makel von Investitionsstau und sonstigen Mängeln verbirgt, kommen Sie nicht ins Geschäft – außer Sie verkaufen deutlich unter Wert, um ihrem Lebenswerk eine Zukunftschance zu geben.

Wie berechnet sich der Wert des Unternehmens?

Kohl: Der Wert des eigenen Unternehmens wird ja traditionell ein bisschen überschätzt. Aber da orientieren sich Investoren an den nackten Zahlen: Sprich, nach Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) minus Nettofinanzverbindlichkeit multipliziert mit einem Faktor.

Wenn das passt und der Betrieb gut aufgestellt ist, hat dann ein kleineres Unternehmen trotzdem eine Chance, einen Investor zu finden?

Kohl: Auf alle Fälle, aber da geht es dann darum, via Berater Investoren zu finden, die auf kleine Unternehmen spezialisiert sind – oder private Geldgeber mit Managementerfahrung und dem nötigen Kleingeld. Das kann ganz gut funktionieren, wenn einiges bedacht und geregelt wird.

Als da wäre?

Kohl: Mein dringender Rat ist, das Thema frühzeitig anzugehen und sich beraten zu lassen. Auch, um die Rechtsform Richtung Beteiligung zu optimieren. Denn der eingetragene Kaufmann ist für Investoren steuerlich schwierig. Das sollte mit dem Steuerberater rechtzeitig besprochen werden. Und man sollte sich darüber im klaren sein, ob man es schafft, als Angestellter im eigenen Betrieb zu agieren. Denn es gibt Fälle, da ist der klare Schnitt mit 100 Prozent und dem Ausstieg die bessere Lösung.


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