INTERVIEW

2006 wird ein Kosolidierungsjahr


Dr. Dirk Schneider ist Geschäftsführer von Backwerk. Der Discounter für Backwaren hat seinen Sitz in Essen und ist Pionier der Branche sowie gleichzeitig auch Marktführer bei Filialzahl und Umsatz. Inzwischen betreibt Backwerk 84 Filialen mit 70 Franchisepartnern. Der Umsatz der Gruppe beläuft sich für 2005 auf 31,8 Mio. Euro (15,1 Mio Euro in 2004).

ABZ: Wie war für Sie das Jahr 2005? Auch vor dem Hintergrund, dass viele Backbetriebe froh waren, ihre Umsätze überhaupt halten zu können?

Dr. Dirk Schneider: Für uns lief das Geschäftsjahr äußerst erfolgreich. Wir konnten die Zahl unserer Verkaufsstellen von 43 auf 84 nahezu verdoppeln. Unser Umsatz ist mit fast 32 Mio. Euro für das abgelaufene Jahr noch stärker gestiegen.

ABZ: Resultiert das Umsatzwachstum überwiegend aus der Expansion? Anders gefragt, wie hat sich der Umsatz auf bestehender Fläche entwickelt?

Dr. Dirk Schneider: Hierzu eine Zahl: Die Backwerke, die bereits in 2004 bestanden, haben durchschnittlich ihre Umsätze um 12,1 Prozent gesteigert. Wir wachsen also nicht nur durch Expansion und neue Standorte, sondern auch deutlich auf bestehenden Flächen.

ABZ: Was ist für Sie der Hauptgrund, warum sie auch auf bestehenden Flächen so stark wachsen konnten?

Dr. Dirk Schneider: Der wesentliche Grund dafür ist schlicht die hohe Akzeptanz unseres Konzeptes durch die Kunden. Wir kommen an. Unser Konzept beinhaltet auch eine hohe Ertragskraft für unsere Partner, das gibt Sicherheit und auch Zufriedenheit bei unseren Franchisenehmern. Sie merken, dass sich der Einsatz und die Arbeit mit unserem Konzept lohnt und Früchte trägt.

ABZ: Wie viel sollte nach ihrem Kalkulationsmodell für einen Franchisepartner monatlich übrig bleiben?

Dr. Dirk Schneider: Wir kalkulieren mit einer Summe von rund 5000 Euro pro Monat, die beim Franchisepartner ankommen sollten. Einige Wettbewerber kalkulieren da mit monatlichen Summen, die um 1000 bis 1500 Euro darunter liegen. Das halten wir nicht für fair, denn sollte es dann einmal
einen schlechten Monat geben, steht der Franchisepartner finanziell schnell mit dem Rücken zur Wand. Wir haben seit dem Bestehen des Backwerks keinen Standort aufgeben müssen, wohl auch, weil wir unsere Franchisenehmer an ihrem Erfolg teilhaben lassen.

ABZ: Sie arbeiten mit 70 Franchisepartnern und 84 Standorten, wie passen diese Zahlen zusammen?

Dr. Dirk Schneider: Ganz einfach: Zwei Filialen betreiben wir selbst, um am Markt zu sein, und auch um neue Konzeptbausteine zu testen. Die übrigen 82 sind Franchisefilialen. Einige unserer 70 Partner verfügen inzwischen schon über zwei Verkaufsstellen.

ABZ: Wie viele Mitarbeiter arbeiten inzwischen für das Backwerk und die Partner?

Dr. Dirk Schneider: Die Zahl der Mitarbeiter liegt aktuell bei 610. Vor einem Jahr waren es gerade einmal 320 und in 2003 gerade einmal 100. Das zeigt auch, wir schaffen Arbeitsplätze und zwar sichere Arbeitsplätze.

ABZ: Ihre Expansion geht weiter. Geben Sie einmal eine Prognose für 2006 ab?

Dr. Dirk Schneider: Für das laufende Jahr haben wir bereits 35 neue Partner an unser Unternehmen gebunden. Am Jahresende werden wir wohl wieder bei über 40 neuen Backwerken ankommen und damit dann 125 Standorte besetzen und ein Umsatzvolumen von rund 50 Mio. Euro erreichen.

Die nächsten Neueröffnungen sind bereits terminiert und finden in Berlin, Osnabrück, Bamberg, im Kölner Hauptbahnhof und in Remscheid statt. Auf diese Weise werden wir unsere Position als Marktführer weiter ausbauen. Wir blicken optimistisch nach vorn.

ABZ: Und der Wettbewerb: Wie viele Discount bzw. SB-Bäcker gibt es eigentlich inzwischen in Deutschland?

Dr. Dirk Schneider: Wir führen natürlich Marktbeobachtungen durch und schauen auch auf das, was der Wettbewerb macht. Unseren Zahlen zufolge gibt es in Deutschland inzwischen rund 1100 Backdiscounter oder SB-Bäcker. Für uns wirklich interessant sind aber nur die, mit einer hohen Konzeptstärke und mindestens 15 Outlets. Von den 1100 Standorten halten wir aus unserer Sicht fast 400 für absolut falsch gewählt. Diese Standorte liegen meist in Randlagen, die zwar günstige Mieten, aber auch geringe Umsätze versprechen.

ABZ: Apropos Mieten: Sie streben nach Hochfrequenzlagen, wo ist bei Ihnen denn in Bezug auf die Mieten die Obergrenze erreicht?

Dr. Dirk Schneider: Hier konkrete Zahlen zu nennen, ist nicht einfach, aber lassen sie es mich so formulieren: Wenn der Vermieter mehr verdient als unser Franchisepartner, dann stimmt etwas nicht.

ABZ: Auch eine ganze Reihe von Bäckern versucht sich als Back-Discounter. Wie bewerten Sie diese Konkurrenz?

Dr. Dirk Schneider: Eigentlich recht gelassen, denn die Erfahrung der letzten Jahre zeigt uns, das Konzepte von Bäckern eher weniger erfolgreich sind. Wenn es einer vernünftig macht, dann ist es in der Regel kein Bäcker. Als Bäcker setzen sie sich immer der Frage aus, warum verkauft der in dem einen Laden seine Produkte zu Handwerkspreisen und um die Ecke zu Discountpreisen. Auch die Wahl eines anderen Namens hilft da nur begrenzt, denn die Kunden fragen sich meist recht schnell: Wer steckt hinter dem Konzept?

ABZ: Die Studie von Roland Berger zum Discountmarkt prognostiziert maximal 2000 profitable Standorte für Discountbäcker in Deutschland ...

Dr. Dirk Schneider: Das sehen wir ähnlich, die Studie von Berger ist eine gute und solide Grundlage.

Wer Discount betreiben will, sollte sich aber vor allem die Kalkulation ansehen. Die dort genannten Zahlen sind Minimalwerte, ab denen man gerade anfängt, Gewinne zu erwirtschaften. Wer da nicht deutlich drüberliegt, der wird wenig Spaß an seinem Discounter haben. (kh)


Artikel vom 27.01.2006
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