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„Wer sauber hält, hat mehr vom Leben“

Stefan Körber, Geschäftsführer des Bäckerinnungsverbands Hessen.  (Quelle: Wolf)+
Stefan Körber, Geschäftsführer des Bäckerinnungsverbands Hessen. (Quelle: Wolf)

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Müller-Brot hat die Diskussion um die Hygiene-Kennzeichnung wieder entfacht.

Jetzt hat auch das Bäckerhandwerk seinen „Gammelfleischskandal“. Das Thema „Müller-Brot“ sorgt dafür, dass die Branche kritisch beäugt wird. Auch die Überwachungsbehörden stehen zunehmend unter besonderer Beobachtung. Mögliche Folge: Es wird häufiger kontrolliert und konsequenter durchgegriffen. Wie ist die Lage in Hessen? Haben die Kollegen die im Griff und was ist zu tun? Wir sprachen mit Verbandsgeschäftsführer .

ABZ: droht überall. Gibt es auch in Hessen ähnlich gelagerte Hygieneprobleme?

Stefan Körber: In Betrieben, die Mitglied einer Bäckerinnung sind, sehe ich keine Probleme. Mir ist jedenfalls kein annähernd ähnlich gelagerter Fall bekann. Und bei uns sind auch große Filialisten organisiert, die ja durch Müller verstärkt verdächtigt werden, es aus Profitinteresse mit der Hygiene nicht so genau zu nehmen. Auch die haben definitiv keine Probleme.

Noch mal, zum Mitschreiben: Im hessischen Bäckerhandwerk gibt es keine größeren Hygieneprobleme. An was liegt es?

Körber: Es gibt eine Lebensmittelhygieneverordnung, mit klaren Vorgaben. Und der Unternehmer ergreift Maßnahmen, dass keine Probleme entstehen können. Wie das umgesetzt wird, lernt jeder Bäckermeister im Meistervorbereitungskurs und wendet es später in seinem Betrieb an. Jedem Bäcker in Hessen dürfte bekannt sein, dass er für die Lebensmittelsicherheit und Hygiene in seinem Betrieb verantwortlich ist.

Das hört sich ja gut an. Aber Spaß beiseite. Wird denn in Hessen nicht oder mit verbundenen Augen kontrolliert?

Körber: Eine verwegene Theorie, aber sie deckt sich nicht mit der Realität. Denn auch in Hessen wurde der Müller-Brot-Skandal zum Anlass genommen, Bäckereien verstärkt unter die Lupe zu nehmen.

Mit welchem Ergebnis?

Körber: Es musste jedenfalls kein Betrieb geschlossen werden. Klar sind Mängel aufgedeckt worden – wie in den vergangenen Jahren auch. Wo gesucht wird, wird meist auch etwas gefunden. Und die Medien greifen das Thema dankbar und leicht dramatisierend auf. Eine Zeitung titelte zum Beispiel mit „Überdurchschnittliche Beanstandungsquote in Wiesbaden“. Gemeint war, dass im Jahr 2011 in 48 kontrollierten Betrieben sechs Verstöße festgestellt worden sind und es in 183 kontrollierten Filialen 13 Beanstandungen gab. Darunter zum Beispiel auch eine angeschlagene Tischkante. Gravierende hygienische Mängel und Gefahren für die Gesundheit der sehen anders aus.

Trotzdem wird die Diskussion in Sachen Farbbalken durch Müller-Brot erneut entfacht. Wie ist da die Position des Verbands?

Körber: Wir lehnen die Hygieneampel strikt ab. Das Beispiel Müller zeigt doch gerade, wie unsinnig eine solche Kennzeichnung wäre, weil ja jede einzelne Betriebsstätte bewertet und gekennzeichnet wird. Im Fall Müller hätte das in letzter Konsequenz dazu führen können, dass die Filialen womöglich alle im grünen Bereich wären und die Produktionsstätte rot bekommen hätte. Abgesehen davon, dass bis heute noch nicht geklärt ist, nach welchen objektiven Kriterien bewertet wird. Und im Übrigen stellt der Farbbalken nur eine Momentaufnahme dar, die den Verbrauchern ebenfalls keinen Mehrwert bringt.

Was ist also Ihre Empfehlung ans Bäckerhandwerk?

Körber: Ich kann nur jedem Betriebsinhaber raten, offen auf das Kontrollpersonal zuzugehen, angesprochene Verstöße zu besprechen, sich auf eine Vorgehensweise zu einigen und dann das Problem zeitnah aus dem Weg zu räumen. Bei Neu- und Umbauten ist es ratsam, die Kontrollbehörden im Vorfeld einzuschalten. Ansonsten gilt: Wer sauber hält, hat mehr vom Leben. Wer als Unternehmer selbstverantwortlich dafür sorgt, dass die Vorgaben der Lebensmittelhygieneverordnung eingehalten werden, hat zwar einen Aufwand, aber er spart sich in der Folge Zeit, Geld und Ärger (siehe Müller-Brot). Außerdem: Gibt es keine Hygieneprobleme, braucht man auch keinen Farbbalken oder sonstige gesetzliche Auflagen.(wo)


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