ABZ - Das Fachportal für Bäcker

Themenkanal Spülmaschinen, Hygiene, Reinigung

„Unter solchen Praktiken leidet die ganze Branche“

Heinz Hoffmann, Landesinnungsmeister des bayerischen Bäckerhandwerks.  (Quelle: Wolf)+
Heinz Hoffmann, Landesinnungsmeister des bayerischen Bäckerhandwerks. (Quelle: Wolf)

Weitere Artikel zu


Berichte über Hygienemängel sorgen für Wirbel / Sympathiekampagne soll starten

Im ARD-Wirtschaftsmagazin Plusminus fiel Mitte Dezember der Satz: „Besonders in deutschen Handwerksbäckereien stoßen Lebensmittelkontrolleure offenbar häufig auf schwere Hygienemängel.“ Der Bericht der bayerischen Spezialeinheit Lebensmittelsicherheit scheint diesen Befund zu bestätigen. Landesinnungsmeister nimmt in einem Gespräch mit ABZ-Autor Roland Ried dazu Stellung.

ABZ: Herr Hoffmann, Was sagen Sie zu den Berichten?

Heinz Hoffmann: Derartige Pauschalierungen sind nicht nur unerhört; sie zeugen auch von einem schlechten Journalismus. Außerdem stimmt die Aussage nicht – das weiß die Redaktion offensichtlich auch, denn sonst hätte sie nicht das Wörtchen „offenbar“ eingefügt. Die wirklich schweren Verstöße beschränken sich auf sehr wenige Einzelfälle. Insgesamt attestiert die amtliche Lebensmittelaufsicht dem Bäckerhandwerk eine gute Herstellungspraxis.

Gilt das auch für die kürzlich veröffentlichten Ergebnisse der Spezialeinheit Lebensmittelsicherheit?

Hoffmann: Die sogenannte „Task Force“ hat bekanntlich in Bayern im Anfangsjahr (das war 2009) viel Unruhe verbreitet, weil es seinerzeit keinen Vorläufer gab, an dem sie ihre Arbeit hätte orientieren können. Folglich wurde sowohl beim Auftreten in den Betrieben als auch in der Wertung der Befunde oft übers Ziel hinausgeschossen. Man darf ja nicht vergessen: Die „Spezialeinheit Lebensmittelsicherheit“ wurde eingesetzt, weil es quer durch alle Branchen der Lebensmittelproduktion und –verarbeitung Einzelfälle gab, in denen zum Teil in gravierender Weise gegen geltende Hygienebestimmungen verstoßen wurde. Ziel und Aufgabe der Spezialeinheit ist es daher, den „schwarzen Schafen“ das Handwerk zu legen. Im aktuellen Fall handelt es sich um insgesamt 44 Betriebe mit gravierenden Mängeln, leider 14 davon in der Backbranche. Gemessen an den etwa 2500 Handwerksbetrieben spricht diese geringe Zahl eigentlich für sich. Man hat uns daher auch versichert, dass in den Ernährungshandwerken allgemein und im Bäckerhandwerk im Speziellen das Gros der Betriebe absolut einwandfrei arbeitet. Was leider immer wieder durch die Medien geistert, sind die Namen jener Betriebe, die in großem Stil und oftmals auf dem Rücken von Beschäftigten, Pächtern oder Franchisenehmern ihre Betriebe „gegen die Wand fahren“. Unter solchen Praktiken leidet die ganze Branche.

Welches Bild zeigt sich denn bei den Hygiene-Beratungen, die die LIV-Betriebsberatung durchführt?

Hoffmann: In Übereinstimmung mit den langjährigen Erfahrungen der zuständigen Behörden kommen wir zu einer Gesamtbewertung, die weit entfernt ist von dem Bild, das in der Plusminus-Sendung konstruiert wurde. Natürlich gibt es Unterschiede in der Arbeitsweise unserer Betriebe – und nicht jeder Betrieb ist ohne fremde Hilfe in der Lage, die immer umfangreicher werdenden Vorschriften auf Anhieb umzusetzen. Aber dafür bieten wir mit unserer Betriebsberatung und in Kooperation mit kompetenten Partnern aus dem Hygienesektor wirksame Hilfe.

Was will der Verband tun, um dieses negative Image in der Öffentlichkeit zu korrigieren?

Hoffmann: Wir stecken mitten in den Vorbereitungen für eine landesweite Sympathiekampagne, mit der wir unseren Kunden die Kernwerte Qualität, Geschmack und Handwerk in sehr emotionaler Weise vermitteln wollen. Wenn Sie so wollen eine Stärkung des Brancheimages im Sinne „ehrlicher, leidenschaftlicher Handwerkskunst“. Zudem ist seit Mitte November eine gemeinsame Homepage der bayerischen Ernährungshandwerke im Netz freigeschaltet, auf der wir unter dem Titel „Heimat auf dem Tisch“ über die Vorteile handwerklich hergestellter Lebensmittel informieren. Hinter beiden Projekten steht die Erkenntnis, dass wir es nicht zulassen können, dass das Bild vom Bäckerhandwerk durch wenige „Skandalfälle“ definiert wird. Die Botschaft sollte sein: Hier werden qualitativ hochwertige Backwaren mit bewährten Herstellungsmethoden produziert – unter hygienisch einwandfreien Bedingungen. Darüber muss gesprochen werden – nicht über die wenigen Abweichler.

Künftig könnte ein Hygiene-Smiley Bäckereikunden begrüßen.
Auch interessant

Smiley soll freiwillig strahlen

Die Ampel ist tot, es lebe der Smiley. So könnte man zusammenfassen, was gerade in Sachen Hygiene-Siegel läuft. Denn quasi mit dem Ende des sogenannten Kontrollergebnis-Transparenz-Gesetztes in mehr...

Lesen Sie hierzu auch folgende Artikel:

 

Bisher keine Leser-Kommentare zum Artikel