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„Es muss ein Umdenken stattfinden“

Holger Schygulla, Geschäftsführer von Uniferm.
 (Quelle: Kauffmann)+
Holger Schygulla, Geschäftsführer von Uniferm. (Quelle: Kauffmann)

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Uniferm kündigt Preiserhöhung für Hefe an / Grund sind Lohn- und Rohstoffkosten

Backhefe wird bei der Backwarenproduktion in vergleichsweise geringer Menge eingesetzt, spielt aber trotz geringen Kostenanteils in der Stückkalkulation eine wichtige Rolle. Bei einem Pressegespräch (Seiten 7 und 15) kündigt , der Geschäftsführer des Hefe- und Backzutatenherstellers , eine Preiserhöhung aufgrund gestiegener Lohn- und Rohstoffkosten an. Fachredakteur Dieter Kauffmann sprach mit ihm über deren Hintergrund und die Preisgestaltung bei Backwaren.

ABZ: Sie haben eine Preiserhöhung für angekündigt. Ist das der Beginn einer Preisspirale nach oben?

Holger Schygulla: Wir können hier eher von einer Preisangleichung sprechen, die sich den aktuellen Marktgegebenheiten anpasst. Die Preise für Backhefe waren in den vergangenen Jahren in Deutschland einem steten Verfall ausgesetzt, obwohl im selben Zeitraum die Preise für den wichtigsten Rohstoff gestiegen sind. Welchen Einfluss Preissteigerungen auf der Rohstoffseite für das Endprodukt haben, wird sicherlich klarer, wenn man sich vor Augen führt, dass für die Produktion von 1kg Backhefe 1,3kg Melasse benötigt werden. Es geht vielmehr darum, Transparenz in die Preisgestaltung entlang der Wertschöpfungskette zu bringen. Es ist ein einfaches Prinzip: Ändern sich die Rohstoffpreise, ändern sich die Herstellkosten, die weitergereicht werden müssen. Bei anderen Lebensmitteln ist es ähnlich, schauen Sie beispielsweise auf den Kakaomarkt.

Welche Reaktionen des Marktes erwarten Sie auf diese Ankündigung?

Schygulla: Meine Erwartung ist in erster Linie Verständnis. Preise entstehen immer im Zusammenspiel der Marktgegebenheiten. Je offener darüber gesprochen wird, desto fairer können sich Marktpreise entwickeln.

Bäcker verarbeiten ja noch weitere Rohstoffe, deren Preise gestiegen sind. Welche Chancen sehen Sie für Bäcker, diese Erhöhung weiterzugeben?

Schygulla: Aus Marktreports können wir ablesen, dass Verbraucher mehr und mehr bereit sind, für gute Produkte auch gutes Geld zu zahlen. Meiner Meinung nach ist auch hier Transparenz zum Verbraucher hin wichtig. Ich bin sicher, dass der Verbraucher ebenfalls Verständnis für Preisentwicklungen zeigen wird, wenn die Hintergründe dafür erklärt werden.

Sind Bäcker da zu zögerlich? Wo muss die Branche ansetzen, um ihre Produkte wertiger zu machen?

Schygulla: Hier möchte ich gerne die Worte eines Kollegen einbringen, der es treffend auf den Punkt brachte: Ein Bäcker hat zwei große Aufgaben in seinem täglichen Geschäft: erstens, gute Produkte herstellen und zweitens, diese auch gut verkaufen. Wenn eines davon nicht funktioniert, dann bleibt der Erfolg aus. Und für den Erfolg sind ebenso viele andere Faktoren notwendig. Beispielsweise eine professionelle Präsentation und Vermarktung, fachspezifische Mitarbeiterschulungen oder auch eine bestehende Nachfolgeregelung – das sind die Stolpersteine in den Betrieben, die angepackt werden müssen. Ich sehe im Bäckerhandwerk viel Potenzial, sich zu profilieren, aber es ist wie überall, man muss sich bewegen. Stillstand ist Rückschritt.

Das Preisniveau für Lebensmittel wird stark vom Discount bestimmt. Wie kann sich das Bäckerhandwerk da ausklinken?

Schygulla: Wir haben in Deutschland eine besondere Situation bei Nahrungsmitteln. In kaum einem anderen Land werden diese so günstig angeboten, wie bei uns. Es muss ein Umdenken stattfinden. Es geht doch darum, den Wert eines Lebensmittels in den Mittelpunkt zu stellen. Die Preisgestaltung darf nicht das Mittel einer Wertvernichtung sein. Für Verbraucher ist es letztlich nicht ausschlaggebend, ob ein Produkt 29 oder 30 Cent kostet, wenn er weiß, was hinter dem Preis steht. Grundsätzlich wird es am Markt sicher verschiedene Preisstufen nebeneinander geben, aber für Handwerksbäcker ist die obere Stufe die entscheidende, die ertragbringende. Die wird erreicht, wenn er sein Handwerk beherrscht, wenn er stolz ist auf seine Produkte ist – und das auch zeigt – und wenn er mit Gebäckinnovationen den Markt anführt.

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