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„Die Hygiene wird ein Wettbewerbsfaktor“

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Sieht die neue Regelung positiv: Martin Müller

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Martin Müller über die Veröffentlichung von Ergebnissen der Lebensmittelkontrolle

Martin Müller ist Vorsitzender des Bundesverbandes der Lebensmittelkontrolleure. Die ABZ sprach mit ihm über die geplante Farbbalken-Kennzeichnung.

ABZ: Die Politik plant eine öffentliche Darstellung des Hygienestatus von lebensmittelverarbeitenden Betrieben. Was halten Sie davon?

Martin Müller: Wir halten viel von dieser Regelung. Letztlich geht es darum, allen Betrieben die gleichen Chancen zu geben. Es kann doch nicht sein, dass viele Betriebe die Hygieneverordnung und die Leitlinien einhalten und einige wenige nicht. Wichtig sind zwei Punkte. Da wäre zum einen die bereits genannte Veröffentlichung der Hygienekontrollergebnisse. Gegenwärtig ist geplant, dass neben der aktuellen Kontrolle die letzten drei Kontrollen veröffentlicht werden. Wir als Lebensmittelkontrolleure würden sogar die letzten vier Kontrollen veröffentlichen, um ein umfassendes Bild darzustellen. Es ist also keine Momentaufnahme, sondern zeigt die Historie der Hygiene im Betrieb. Zum anderen müssen künftig weitere Lebensmittelkontrolleure eingestellt werden. Es muss gewährleistet sein, dass flächendeckend kontrolliert werden kann. In Nordrhein-Westfalen heißt dies, dass zu den bisherigen 350 Lebensmittelkontrolleuren noch weitere 300 hinzu kommen sollen. Wir gehen davon aus, dass bundesweit 1200 bis 1500 Kontrolleure fehlen.

Eine Befürchtung des Bäckerhandwerks ist, dass die Prüfungen zu selten und nicht objektiv genug gemacht werden. Eine einmal schlechte Bewertung könnte dann lange am Betrieb hängen und diesen sogar wirtschaftlich schädigen. Müller: Gegenwärtig ist es ja so, dass höchstens die Hälfte der Betriebe regelmäßig kontrolliert werden. Wir schaffen aus Personalgründen nicht, alle risikoorientierten Kontrollen durchzuführen. Durch Neueinstellungen von Kontrolleuren wird sich dies ändern. Die Vorgabe der Länder von Kostenneutralität und geringem Aufwand wird nicht einzuhalten sein. Die Bewertungen sind keine Momentaufnahme. Wir haben über jeden Betrieb eine Akte. Was wir prüfen, das ist bekannt. Wir halten uns hier an die Hygieneverordnung und die Leitlinien vom Verband. Aber immer wenn Menschen etwas bewerten, ist ein Stück weit Subjektivität mit dabei. Das ist auch gut so, denn sonst könnten wir ja den Hygienestatus über ein Computersystem abfragen. Auch die Verwendung von Checklisten kann problematisch sein. Ein guter Kontrolleur sieht die Hygiene im Verhältnis zum Betrieb. Eine schlechte Bewertung kommt nicht von heute auf morgen. Aufgedeckte Probleme zeigen, dass die Eigenkontrolle nicht gewirkt hat. Dann muss geprüft werden, ob dies ein einmaliger Ausrutscher war oder ob man es mit einem, wie man in Bayern sagt, ,Saubären’ zu tun hat.

Welche Erfahrungen haben Sie und ihre Kollegen in Bäckereien gemacht?

Müller: Leider ist es so, dass es in einigen Bäckereien Probleme gibt. Trotzdem schätze ich, dass 75 bis 80 Prozent der Betriebe die Hygieneanforderungen gut umsetzen.

Was denken Sie, wie wird der Verbraucher auf die Veröffentlichung des Hygienestatus eines Betriebes reagieren? Ist nicht zu befürchten, dass der Verbraucher mit Informationen überflutet wird?

Müller: Die Verbraucher warten auf ein derartiges Instrument der Transparenz. Sie wollen wissen, ob es auch in der Backstube ihres Bäckers sauber ist. Wir haben festgestellt, dass die Zustimmung der Verbraucher sehr hoch ist.

Welche Tipps können Sie Handwerksbetrieben geben, um die Hygieneanforderungen umzusetzen?

Müller: Guten Betrieben brauche ich keine Tipps zu geben. Sie leben die Hygieneanforderungen. Ich weiß aber auch, dass es gerade im Handwerk schwierig ist, die Vielzahl von Anforderungen rund ums Thema Hygiene umzusetzen. Aber es muss sein. Hygiene funktioniert nur, wenn sie gelebt wird. Sie kommen also nicht darum herum, die Leitlinien umzusetzen. Die neuen Regelungen bringen einen gesunden Wettbewerb in Sachen Hygiene mit sich. Hygiene wird in diesem Sinne ein Wettbewerbsfaktor im Kampf um Kunden. (pf)

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