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„Das Niveau bei der Deutschen Meisterschaft ist hoch"

Zentralverbandspräsident Peter Becker+
Zentralverbandspräsident Peter Becker

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Interview

Wenn die besten jungen Bäcker und Verkäuferinnen die Deutsche Meisterschaft austragen, ist Peter Becker vor Ort. Jahr für Jahr guckt er sich die Arbeiten des Nachwuches an. Wie gut sind sie? Wir sprachen mit dem Präsidenten des Zentralverbands.

ABZ: Herr Becker, wenn Sie an Ihre Gesellenprüfung zurückdenken – hätten Sie mit Ihren Fertigkeiten bei einer Deutschen Meisterschaft auf heutigem Niveau mithalten können?

Peter Becker: Ich denke Ja. Ich hatte in meinem Vater einen qualitätsbewussten Lehrmeister. Und ich hatte einen guten Fachlehrer an der .

ABZ: Hat Ihnen gefallen, was Sie dieses Jahr in Weinheim gesehen haben?

Becker: Ich habe sehr schöne Produkte gesehen, besonders die Schaustücke fand ich beeindruckend. Dass im Wettbewerb jedem Bäcker eine Verkäuferin zugeordnet wird, die einen Präsentationstisch gestaltet, ist eine gute Lösung. Da entstehen tolle Ideen.

ABZ: Brote sind dieses Mal recht klein geraten. Woran lag das?

Becker: Drei Roggenbrote zu backen, den Sauerteig selber herzustellen – was sich die jungen Leute zum Teil vorgenommen hatten, war schlecht realisierbar. Die Jury hat sich darauf verständigt, nächstes Jahr größere Teigmengen vorzugeben und auf Weizenmischbrote umzustellen. Abgesehen davon: Dem Thema „Brot“ sollte man künftig bei der Deutschen Meisterschaft wieder mehr Augenmerk schenken.

ABZ: Klingt, als habe die Meisterschaft an Niveau verloren?

Becker: Lehrbetriebe, überbetriebliche Ausbildungsstätten, Landesverbände – sie tragen alle dazu bei, dass der gut vorbereitet nach Weinheim kommt. Das spiegelt sich eindeutig im Wettbewerb wider, das Niveau ist hoch.

ABZ: Es gibt Teilnehmer, die sagen, sie wären nicht so weit gekommen, hätten sie sich nicht vieles selber beigebracht.

Becker: Eigeninitiative der Lehrlinge ist gut und notwendig. Wir sind auf Verbandsebene dabei, an die Betriebe zu appellieren, die zu optimieren. Ziel muss sein, dass die jungen Menschen alles eintrainieren, was sie brauchen, um gute zu werden. Darüber hinaus wollen wir die Fachvereine stärker beleben. Viele Jugendliche lernen den Beruf mit Begeisterung, sie würden auch außerhalb der Arbeitszeit etwas dafür tun, um weiterzukommen. Die Fachvereine sind dafür eigentlich ideal. Ich bin zuversichtlich, dass es uns gelingt, sie attraktiver zu machen.

ABZ: Gibt es Änderungsbedarf bei den Ausbildungsplänen?

Becker: Wir haben die Ausbildungspläne erst vor Kurzem angepasst, etwa was Snacks betrifft. Ich denke, die Pläne sind zeitgemäß. Man sollte immer sehen: Snacks oder kleine Gerichte sind ein zusätzliches Angebot. Basis für unser Geschäft müssen Brot, Kleingebäck und Feinbackwaren bleiben.

ABZ: Seit Jahren unverändert ist das Ergebnis des Ausbildungsbericht des Deutschen Gewerkschaftsbundes: Im Bäckerhandwerk werden überdurchschnittlich viele Lehrlinge ausgebeutet.

Becker: Diese Einschätzung kann ich nicht teilen. Die meisten Betriebe bilden gut aus. Wie überall gibt es schwarze Schafe. Klar ist aber auch: Wir sollten nicht nur über schlechten Nachwuchs schimpfen, sondern uns auch an die eigene Nase fassen. Lehrlinge dürfen keine billigen Arbeitskräfte sein. Natürlich sollen sie mitarbeiten und das nötige Arbeitstempo erreichen. Aber sie müssen auch überall herangeführt werden. Wir müssen dem Ausbildungsplan gerecht werden und alle Fertigkeiten entsprechend vermitteln. Dass es von Lehrling zu Lehrling Unterschiede gibt, liegt auf der Hand. Wenn einer hochmotiviert ist, wird er von den Mitarbeitern besser betreut und intensiver an Aufgaben herangeführt. Leider haben wir auch , die wenig Begeisterung für den Beruf entwickeln.

In Hamburg haben wir jetzt ein Projekt gestartet: Wir führen eine anonyme Umfrage unter Lehrlingen in überbetrieblichen Unterweisungen durch. Es geht darum herauszufinden, wie wir Betrieben möglicherweise eine Hilfestellung geben können.

ABZ: Schwarze Schafe unter den Ausbildern kommen häufig ungeschoren davon.

Becker: Wenn der Sachverhalt das erfordert, muss man konsequent sein. Und wenn es nicht anders geht, muss die Kammer die Ausbildungserlaubnis entziehen. Meine Erfahrung ist: Der Sachverhalt ist oft nicht so klar, wie es zunächst scheint. Vor Vorverurteilungen sollten wir uns hüten. Wegen einiger schwarzer Schafe dürfen die anderen Betriebe nicht in ein schlechtes Licht geraten. In der Ausbildung sind wir in Deutschland vorbildlich. Weltweit beneidet man uns um das duale System. In den meisten Ländern wird nur in den Betrieben ausgebildet. Und das auch nur für bestimmte Tätigkeiten.

ABZ: Die Meisterausbildung ist Ihren Worten nach nicht mehr so vorbildlich.

Becker: Das ist so nicht richtig. Allerdings würde ich mir mehr menschliche und fachliche Befähigung wünschen. Viele machen zu bald nach der Gesellenprüfung den Meisterbrief. Es ist Zeitgeist, möglichst schnell den Meister zu machen. Der fachliche Unterschied zwischen Gesellenprüfung und Meisterprüfung ist häufig zu gering. Die neue Regelung, dass man ohne Gesellenzeit auf die Meisterschule gehen kann, wirkt sich negativ aus.

ABZ: Die Zahl der Betriebe sinkt. Wie viele Meister braucht das Handwerk künftig noch?

Becker: Wir können eigentlich nie genug Meister haben. Die Zahl der Betriebe geht zwar zurück, aber in den kommenden Jahren stehen zahlreiche Bäckereien zur Übernahme an. Wir möchten, dass die jungen Leute bei uns in der Branche bleiben und setzen uns dafür ein, dass möglichst viele ihren Meisterbrief machen – mit gutem Ergebnis.

ABZ: Wie steht das deutsche Bäckerhandwerk im internationalen Vergleich da? Sie haben zur Vorbereitung der Messe iba in den vergangenen Monaten viele Länder bereist.

Becker: Wir sind top. Aber wir können viel von anderen lernen. In Seoul etwa gibt es eine Bäckerei und Konditorei, wie ich sie vom Auftreten, vom Niveau her noch nirgends gesehen habe. In Mexiko habe ich kürzlich eine aufstrebende Bäckerei kennengelernt, die  50 Geschäfte betreibt; dort gibt es ausschließlich Backwaren – keine Snacks, keinen Kaffee. Alles wird vor Ort produziert, die Qualität ist hervorragend. 1500 bis 4000 Kunden kommen täglich in jedes der Geschäfte. Ob Kuchen, Feingebäck, Weißbrot – in anderen Ländern werden exzellente Produkte hergestellt. Das macht den Reiz aus für den deutschen Bäcker, sich auf der iba umzusehen.

ABZ: Bei der Europameisterschaft der Bäckerjugend haben sie beklagt, dass die Deutschen beim Brotbacken nur die Zweitbesten waren.

Becker: Wir haben bei Brot und Brötchen nach wie vor eine herausragende Stellung, aber müssen daran arbeiten, dass wir diese Stellung behalten.


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