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„Das Energiesparpotenzial in den Betrieben ist beträchtlich“

Helmut Münch,
Geschäftsführer
des Bäckerinnungs-verbands Südwest.+
Helmut Münch, Geschäftsführer des Bäckerinnungs-verbands Südwest.

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Helmut Münch zu Sparmaßnahmen eines künftigen Energiemanagementsystems

Die Energiekosten könnten sich in den nächsten acht Jahren fast verdoppeln. Das trifft Bäcker besonders hart. Aber je teuerer die Energie, desto lohnender sind Maßnahmen in Sachen Energieeffizienz. Was ist zu tun?

ABZ: Energiesparen ist ein Gebot der Stunde, aber wird das Thema in der Branche ernst genug genommen?

Helmut Münch: Ich habe den Eindruck, dass für viele Betriebe der Leidensdruck noch nicht hoch genug ist, obwohl sich die Energiepreise in den letzten Jahren verdoppelt haben. Klar klagen die Unternehmer darüber, dass der Energiekostenanteil auf vier bis sechs Prozent des Umsatzes gestiegen ist. Aber das reicht häufig offenbar nicht, um entsprechende Maßnahmen Richtung Energieeffizienz zu ergreifen.

Die Wahl des günstigsten Energielieferanten oder entsprechende Rahmenverträge, das gehört ja schon zu den gängigen Sparmaßnahmen.

Münch: Das stimmt, auch wir tragen mit unserem Rahmenvertrag dazu bei, die Kosten im Zaum zu halten. Aber damit können Sie die Preissteigerungen nicht kompensieren. Schon deshalb, weil damit zu rechen ist, dass sich die Energiekosten in den nächsten acht Jahren schätzungsweise noch mal verdoppeln könnten.

Was empfehlen Sie den Betrieben?

Münch: Es geht ganz klar darum, den Energieeinsatz zu reduzieren, bzw. die Energieeffizienz zu erhöhen. Gerade bei Neuanschaffungen wie Backöfen oder Kälteanlagen – den Energiefressern in der Bäckerei – sollte auch die Energieeffizienz ein wichtiges Kaufkriterium sein.

Bei Neuanschaffung ist der Fall klar. Aber lohnt es sich denn, funktionierende Öfen und Anlagen auszutauschen, wenn sie unverhältnismäßig viel Energie verbrauchen?

Münch: Das gibt es zu Recht eine gewisse Hemmschwelle, weil sich das ja auch betriebswirtschaftlich rechnen muss. Viel wichtiger wäre, zu schauen, was man mit geringen Investitionen machen kann. Ich denke da zum Beispiel an die Beleuchtung oder an effektive Backofenbelegung und Temperaturschaltungen. Da gibt es deutliches Einsparpotenzial. Wobei es natürlich keine Lösung sein kann, die Backzeiten und Backtemperaturen einfach zu reduzieren, um Energie zu sparen. Schließlich geht es darum, Qualitätsbackwaren zu produzieren.

Was können Sie als Verband tun, um die Kollegen fürs Thema zu sensibilisieren?

Münch: Hier bieten sich Seminare und Workshops an. Außerdem machen wir die Kollegen darauf aufmerksam, dass sie mit einer von der KfW zu 80 Prozent geförderten Initialberatung ihr Energiesparpotenzial ausloten können.

Das hört sich theoretisch an und reicht vielleicht noch nicht aus, konkrete Maßnahmen anzugehen.

Münch: Richtig. Deshalb haben wir mit der Fachhochschule Bingen ab August ein Pilotprojekt am Laufen, bei dem ein Energiemanagementsystem für die Branche entwickelt wird – inklusive Handbuch, das wir hoffentlich Ende 2012 präsentieren können.

Das hört sich zeitlich und finanziell aufwendig an. Was gibt Ihnen die Hoffnung, dass sich die Betriebe für die Installation eines solchen Systems interessieren?

Münch: Wie gesagt, das Energiesparpotenzial in den Betrieben ist teils beträchtlich. Durch die Einführung eines Energiemanagementsystems lässt sich der Energieeinsatz um 20 bis 40 Prozent reduzieren. Mit Blick auf weiter steigende Energiekosten kann das ein gewichtiges Argument sein. Man kann sich ja ausrechnen, wann sich Ersatzinvestitionen und die rund 10.000 Euro – je nach Betriebsgröße und Aufwand – für die Einführung eines Energiemanagementsystems amortisieren. Auch hier kann man auf Fördermaßnahmen bauen. Außerdem gibt es ab dem Jahr 2013 ohne Energiemanagementsystem keine Stromsteuerermäßigung mehr. Je nach Betriebsgröße und Verbrauch konnten da bisher bis zu einigen Tausend Euro geltend gemacht werden. Und schließlich kann es ja auch darum gehen, dass man sich als nachhaltig arbeitendes Unternehmen profilieren will. (wo)

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