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Meinung
Eine Prise Salz, so steht es in vielen Rezepten und es ist dem Koch oder Bäcker überlassen, mit Maß richtig zu dosieren. Das soll jetzt anders werden: Nicht mehr das Fingerspitzengefühl der Könner ist gefragt, sondern dem Bleistift Brüssler Bürokraten soll das Schicksal des weißen Goldes überlassen werden. Im Dienste des Verbraucherschutzes und der Volksgesundheit. In Brüssel verspürt man Tatendrang, schließlich hat man gerade die krummen Gurken wieder auf die Menschheit losgelassen. Schafft man eine Verordnung ab, sollte doch wohl zumindest eine neue her. Salzreduktion im Brot mit Blick auf die Nährwertprofile ist da ein idealer Ansatz.
„Nicht mit uns“, setzen sich die Vertreter des Bäckerhandwerks zur Wehr, um ein Stück unternehmerische Freiheit und den Wettbewerb um Vielfalt und Geschmack offen zu halten. Das Kämpfen um Prozentpunkte beim Salzgehalt hat bereits begonnen. Sollten die irrwitzigen Vorstellungen tatsächlich umgesetzt werden, gerät das Brot als gesundes Lebensmittel in eine Absatzkrise: 1,3 Prozent - bezogen auf Mehl - degradieren es zum blassen Belagträger. Ich mag gern Brot mit 1,8 Prozent Salz gebacken. Wie schon gesagt: Bezogen aufs Mehl. Das trifft die Geschmacksnerven vieler Zeitgenossen (siehe Artikel S. 8) – allesamt mündige Bürger. Die wissen übrigens meist doch recht genau, dass eine Tüte Chips ungesünder als ein Apfel ist. Ganz ohne Ampel. Und wenn es mir zu salzig schmeckt, wechsele ich das Bäckereifachgeschäft.
Diese Freiheit der Wahl hätte ich auch gern in Zukunft. Nicht der Gesundheit wegen, aber zur Freude über einen abgerundeten Brotgenuss, bei dem sich Salz und Brotaroma herrlich ergänzen. Dann kann ich sogar auf gesalzene Erdnüsse verzichten.
