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10-Prozent-Biospritziel wackelt

Europaabgeordnete der Grünen fordern Zielverzicht für biogene Kraftstoffe


Brüssel (age). In den Brüsseler Verhandlungen um die künftigen EU-Rahmenbedingungen für den Ausbau von Biokraftstoffen gerät der für 2020 angepeilte Biospritanteil von 10 Prozent immer stärker unter Druck. Getragen von einer wachsenden Welle der Biospritskepsis forderten die im Europäischen Parlament vertretenen Grünen, das im März 2007 unter deutscher EU-Ratspräsidentschaft vereinbarte Ziel aufzugeben und auf die Verwendung von biogenen Treibstoffen ein Moratorium zu verhängen. Das 10-Prozent-Ziel sei „eindeutig unter dem großen Druck der Automobilindustrie zustandegekommen, die sich dadurch vor den dringend notwendigen Effizienzmaßnahmen bei den Autos drücken wollte“, sagte der luxemburgische Grünen-Politiker Claude Turmes.

Es sei ein Mythos zu glauben, dass weiterhin riesige Limousinen gebaut und diese mit Biosprit betrieben werden könnten. Auf einem Planeten mit beschränkten Ressourcen sei das faktisch nicht möglich. Auch mehrere wissenschaftliche Beratergremien der EU-Kommission hätten Bedenken gegen das angestrebte Biospritziel geäußert. Obwohl die Grünen nur 43 der insgesamt 785 Europaabgeordneten stellen, darf die Bedeutung ihrer Forderungen nicht unterschätzt werden. Mit Turmes haben sie nämlich den Berichterstatter für den Verordnungsentwurf in ihren Reihen und können das Gesetzgebungsverfahren damit spürbar beeinflussen. Außerdem wachsen auch in anderen Fraktionen des Europaparlaments sowie in den Mitgliedstaaten die Bedenken gegen den Biospritausbau.

Turmes plädierte dafür, von einer eindimensionalen Biospritpolitik zu einer ganzheitlichen Politik für Energie aus Biomasse zu wechseln. Die Gemeinschaft sollte sich auf solche Biomasse-Verwendungsrichtungen konzentrieren, die am effizientesten seien – das seien Strom und Heizenergie. Das sei auch preiswerter als Biosprit.


Artikel vom 29.04.2008
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