Markt & Meinung

Essen genießen – in Deutschland


Gewohnt große Lettern prangten auf der Titelseite der Bild vom 21.Juli. Enthüllungsjournalismus pur: Schonungslos, investigativ – keiner hat's gewusst: Bild hat die Schock Tabelle – „was können wir noch essen?“ Nicht ganz exklusiv, die Zahlen stammen aus dem Bundesamt für Verbraucherschutz. Ein seriöser Blick auf die Statistik der letzten fünf Jahre hätte keine gute Schlagzeile abgegeben: Der Anteil der beanstandeten Proben ist seit 2002 in etwa gleich geblieben; die Hälfte der beanstandeten Proben bezieht sich auf eine fehlerhafte Kennzeichnung. Das relativiert gewaltig, schön reden soll es nicht. Über die Effekthascherei des Boulevardblatts kann man sich ärgern, wohlwissend, dass Skandale gut ankommen und reißerische Nachrichten immer die besten sind – nicht für die sachliche Information, aber immerhin für die Auflage. Ärgern bringt nichts.

Also, gepflegt zurückgelehnt bei einem guten Rotwein ein rustikales Baguette mit herzhaftem Käse genießen. Unbeschwert. Angstfrei. Alles in Deutschland gut eingekauft. Da kann sogar Freude über die Nachricht aufkommen. „Unser täglich Brot“ steht mindestens einmal jährlich auf der Agenda großer Magazine und in unserer Informationsgesellschaft mutieren Medien zu den eigentlichen Kontrollorganen der Lebensmittelhersteller. Gut so. Denn sie geben eine Steilvorlage für effizientes Marketing als Bäckermeister: Ganz gleich, mit welch großen Anstrengungen und Kontrollsystemen die Industrie sich bemüht, Lebensmittelsicherheit darzustellen: Das Trumpf -As im Spiel mit den Ängsten der Verbraucher hält das Handwerk in der Hand: Regionale Erzeugergemeinschaften, Inhaber geführte Unternehmen, die mit ihrer Kundschaft unmittelbar vertraut sind. Menschen vertrauen gerne Menschen. McDonalds weiß um den Vorsprung und fährt eine entsprechende TV-Kampagne zur Vertrauensbildung; Ferrero lässt die Kirschen von Claudia Bertani auswählen – personifizierte Qualitätskontrolle. Menschen vertrauen gerne Menschen – Nutzen Sie ihren Heimvorteil im wahrsten Sinne des Wortes. Guten Appetit mit Qualitätsprodukten aus Deutschland wünscht Werner Kräling


Artikel vom 26.07.2007
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