Leserstimme
"Soka" für Bäcker?
Es gibt keine Luft nach oben bei der Lehrlingsvergütung, sagt die Unternehmerfrau Walburga Walz. Und macht einen ungewöhnlichen Vorschlag.
Stuttgart (abz). Auszubildende bringen Betrieben mehr ein, als sie sie kosten. Das hat das Berufsbildungsinstitut (BIBB) in Bonn ermittelt (wir berichteten). Differenzbetrag: im Schnitt: 2200 Euro pro Jahr oder umgerechnet gut 20 Prozent. Das BIBB schlussfolgert, Betriebe könnten ihren Lehrlingen mehr bezahlen. Walburga Walz, Chefin der Bäckerei und Konditorei Walz, kommt zu einem anderen Ergebnis. In ihrem Leserbrief an die ABZ schreibt sie:
„Die Luft nach oben ist nicht gegeben, da die Lehrlinge auch viel Zeit in der Schule verbringen und oft krank sind. Gäbe es eine Umlagekasse, wie auf dem Bau oder im Zimmererhandwerk, wo alle Betriebe einzahlen müssen, dann wären auch die Vergütungen höher. Einem Ausbildungsbetrieb zum Beispiel bei den Zimmerern kostet ein Lehrling im ersten Lehrjahr nur 2680 Euro pro Jahr. Die anderen Aufwendungen bekommt der Betrieb von der SOKA-Umlagestelle zurück. Obwohl der Lehrling mehr als die Hälfte in die Schule geht.
Dies sollte sich mal das Bäckerhandwerk überlegen, ob so eine Lösung nicht sinnvoll wäre. Denn bei höheren Löhnen, gäbe es sicher mehr Bewerber, aber nicht auf Kosten der kleinen Betriebe, die eh schon im Verhältnis mehr Zeit für die Ausbildung aufwenden und auch im Verhältnis mehr Lehrlinge ausbilden als die Großbetriebe.
Wir hatten zu Spitzenzeiten elf Lehrlinge von 22 Mitarbeitern. Jetzt sind es nur noch drei von 23 Mitarbeitern, weil es keiner mehr machen mag, oder es keine geeigneten Lehrlinge mehr gibt. Viele haben keine Ausdauer, den anderen fehlt der Führerschein oder eine Wohnung.
Ich denke, der Staat sollte da viel mehr Mitverantwortung übernehmen, denn der Betrieb hat schon genug Erziehungsprobleme mit den Lehrlingen heutzutage. Wir bilden jetzt schon seit 1995 aus, aber noch nie hatten wir so viele Leute, die die Ausbildung abbrechen oder gehen müssen, weil sie die Einstellung zum Beruf nicht bringen können.
Ich wünschte mir auch mehr Anerkennung des Handwerksberufs, aber da fängt es schon im Elternhaus an. Viele Eltern haben eine minderwertige Meinung zum Handwerk. Lieber schicken sie Ihre Kinder bis 20 auf die Schule, bis dahin könnte jeder schon eine Ausbildung im Handwerk gemacht haben.
Ein Pflichtjahr an einer berufsbildenden Schule in allen Bereichen wäre ganz zum Vorteil, so dass sich die Jungendlichen selber Eindrücke zu den unterschiedlichen Berufsgruppen machen könnten.
Vorschläge gäbe es genug. Leider werden wir Handwerker von der Politik nicht gefragt. Denen fehlt einfach der Bezug zur Realität in unserem Berufsfeld."
Ihre Meinung? E-Mail: abz@mattthaes.de


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