Ausbildung

Mehr Knete fürs Kneten?

Verdienen Bäcker an der Arbeit ihrer Lehrlinge so viel, dass sie ihnen mehr bezahlen könnten? Eine Studie liefert eine klare Antwort.


Stuttgart (mfi). Davon können Bäckerlehrlinge nur träumen. Mit durchschnittlich 700 Euro brutto sind Auszubildende im Jahr 2011 nach Hause gegangen – drei Prozent mehr als im Vorjahr. Das hat das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) in Bonn ermittelt. Angehende Bäcker verdienten im Westen durchschnittlich 500 Euro, im Osten 463. Diese Mittelwerte beziehen sich auf die tarifliche Vergütung über die gesamte Ausbildungszeit.

Bitter: Im Branchenvergleich des BIBB stehen Bäcker auf dem drittletzten Platz. Nur Floristen und Friseure erhalten weniger. Ganz oben in der Liste stehen Maurer (Westen: 943 Euro, Osten: 750 Euro), Medientechnologen (Westen und Osten: 885 Euro) und Industriemechaniker (Westen: 865 Euro, Osten: 826 Euro).

Was Wunder, dass der Berufsnachwuchs angesichts solcher Zahlen genervt reagiert. „Ich bekomme 396 Euro netto. Für eine eigene Wohnung reicht es nicht. Da muss man schon weiter machen, eventuell bis zum Meister oder Lebensmitteltechniker“, schreibt etwa ABZ-online-Nutzer André Schick. Ein anderer wird noch deutlicher: „310 Lappen kriege ich. So ein Rotz ist das – Sklaverei“, macht er seinem Unmut Luft.

Unternehmer zeigen immer wieder Verständnis für die Kritik der Jugendlichen. Doch im gleichen Atemzug betonen viele: Mehr ist leider nicht drin! Stimmt das wirklich?

Über 20 Prozent Spielraum nach oben

Eine Erhebung des BIBB weckt daran Zweifel. Die Zahlen beziehen sich auf das Jahr 2007, das Grundproblem, das sie beschreiben, dürfte jedoch nach wie vor virulent sein. Nach der Rechnung des BIBB erledigte ein Auszubildender pro Jahr produktive Arbeiten im Betrieb im Wert von durchschnittlich 11.692 Euro. Das ist der Betrag, so die Experten, den der Betrieb einer normalen Arbeitskraft für die gleiche Arbeitsleistung hätte zahlen müssen. Was überrascht: „Diese so genannten Ausbildungserträge liegen damit um 23 Prozent über dem Betrag, den die Betriebe durchschnittlich an Personalkosten zahlten“, sagt BIBB-Mitarbeiterin Ursula Beicht. Berücksichtigt in der Rechnung sind die Ausbildungsvergütungen und die Sozialleistungen für Auszubildende – im Schnitt insgesamt 9490 Euro.

Ursula Beicht kommt zu dem Schluss: „Dieses Ergebnis deutet darauf hin, dass es für die Betriebe im Durchschnitt durchaus einen Spielraum nach oben bei den Ausbildungsvergütungen gäbe.“

Mehr Informationen: Gute Arbeit, guter Lohn?


Artikel vom 11.01.2012
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