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Geschäfte
mit Gastronomen?
Der eine lehnt Aufträge von Hotels
und Gaststätten ab, der andere
verdient damit gutes Geld.
Zwei Bäcker, zwei Standpunkte.
Das Thema Gastronomie und Bäckerhandwerk ist so alt wie die Branche selbst. Aus meiner langjährigen Erfahrung mit Hotels und Gaststätten kann ich wenig Positives berichten. Auch wenn wir Bäcker heute wesentlich flexibler sind, als es früher der Fall war – es ist sehr schwer, mit Gastronomen vernünftig zusammenzuarbeiten. Aus meiner Sicht gibt es acht Knackpunkte.
Punkt 1: Gastronomen erwarten, dass Bäcker schon früh am Morgen, gegen 5.30 Uhr, liefern. Die ersten Hotelgäste und auch das Küchenpersonal frühstücken um 6 Uhr.
Punkt 2: Die Bestellmengen sind relativ gering, mehr als 50 bis 80 Backwaren werden meist nicht geordert, dafür jedoch zehn verschiedene Sorten.
Punkt 3: Die Kunden habe viele Sonderwünschen, das reicht von Party-Brezeln bis zu Party-Brötle. Und davon wollen sie dann jeweils zehn, zwanzig Stück.
Punkt 4: Die Bestellmengen schwanken oft stark von Tag zu Tag.
Punk 5: In Gastronombetrieben kann sich der Bedarf von einer Stunde auf die nächste ändern. Umbestellungen für den folgenden Tag kommen häufig erst nach 20 Uhr per Fax.
Punkt 6: Gastronomen verlangen, dass mehrmals am Tag geliefert wird. Manche wollen ihren Gäste auch noch spät abends frisches Brot reichen.
Punkt 7: Der Aufwand, den wir betreiben müssen, interessiert in Preisverhandlungen nicht. Wir sollen so billig anbieten wie Discouter – aber flexibler sein und bessere Qualität liefern.
Punkt 8: Die Zahlungsmoral in der Gastronomie ist oft schlecht.
Dies alles hat uns bewogen, die Finger von solchen Geschäften zu lassen.
Wir beliefern die zehn Gasthäuser in unserem Ort, in der Regel benötigen unsere Gastronomen nur zu Beerdigungen und Gesellschaftsfeiern Lieferungen, Kleinstmengen holen sie sich selbst ab. Abgerechnet wird am Monatsende per Bankeinzug. So läuft es auch mit drei Altenheimen. Seit November beliefern wir die Autostadt in Wolfsburg, sie bekommt täglich die gleichen Backwaren, die Bestellung bekommen wir einmal wöchentlich.
Zudem beliefern wir täglich drei Cateringbetriebe in Wolfsburg, die Bestellung kommt mittags zwei Tage vorher per Fax. Auch hier wird am Monatsende abgerechnet mit zehn Tagen Valuta. Bislang gab es überhaupt keine Probleme. Auch Schulmensen, Kindergärten, Bauernmärkte und ein RTL-Kinderhaus gehören zu unseren Kunden.
Man muss gemeinsam mit dem Lieferkunden die Zahlungsziele setzen und dem Kunden erklären, was passiert, wenn er nicht pünktlich bezahlt wird. Seit neuem liefern wir an drei großen Betriebskantinen nach Hannover. Wir haben uns dazu extra ein drittes großes Lieferfahrzeug anschaffen müssen, obwohl wir nur zwei Geschäfte im Radius von 1800 Metern haben. Ich denke, da wird auch eine gute Zahlungsmoral vorliegen. Bei den Betriebskantinen ist sogar TK-Ware von der Industrie herausgeflogen – jetzt liefern wir auch die TK-Brötchen in großen Profi TKT Containern.
Das Geschäft mit Lieferungen brummt bei uns! Insgesamt machen wir allein damit 500.000 Euro Umsatz netto pro Jahr. Die Rabatte bestimmen wir! Wem sie zu gering sind, der muss sich einen billigen Bäcker suchen. Für uns gilt: Qualität hat ihrenPreis!„
