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Zwischen Eisstadion und Backstube

Sechs Jahre lang hat Michael Waginger für den ERC Ingolstadt Tore geschossen.+Zur Fotostrecke
Sechs Jahre lang hat Michael Waginger für den ERC Ingolstadt Tore geschossen.

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Eishockeyprofi Michael Waginger übernimmt die Bäckerei seines Vaters – und spielt weiter.

Von Reinald Wolf

Eigentlich hätte er noch ein paar Jahre auf höchstem Niveau spielen können. Einige Angebote wären vorgelegen. Aber er hat sich dann doch für den ERC Sonthofen, entschieden, der in der Bayernliga um Punkte und Tore kämpft. Ein Vorgang, der in der Sportpresse als Transfercoup bezeichnet wurde.

Die Rede ist von Eishockeyprofi Michael Waginger, der eine beeindruckende sportliche Bilanz vorzuweisen hat: Denn er hat es in 368 Einsätzen in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) auf 61 Tore und 91 Vorlagen gebracht. Zuletzt spielte der dynamische Linksaußen sechs Jahre lang für den ERC Ingolstadt – schaffte es mit den „Panthern“ in den Playoffs bis ins Halbfinale und scheiterte mit seinem Team an Adler Mannheim. Das heißt, für Waginger ist der Traum von der Deutschen Meisterschaft erstmal ausgeträumt – zumindest im Eishockey. Denn sein Vertrag in Ingolstadt wurde nicht verlängert.

„Klar war ich nach sechs schönen Jahren in Ingolstadt etwas enttäuscht, als es hieß, wir wollen das Team verjüngen“, so der 32-Jährige. Aber für den Fall hatte Waginger den Plan-B schon in der Tasche. Bei einem Wechsel kam für ihn nur sein Heimatverein Sonthofen in Frage. Der Grund: Waginger ist nebenbei noch Bäcker und hat im elterlichen Betrieb in Sonthofen gelernt.

Jetzt steht die Betriebsübergabe an und Vater Josef Waginger kann eigentlich ganz froh sein, dass es sein Filius nicht in die National Hockey League (NHL) von Nordamerika geschafft hat – immerhin ist er seit 2006 im erweiterten Kader der Deutschen Nationalmannschaft und hat elf Nationalspiele auf seinem sportlichen Konto. Und mit einem in Übersee hätte er finanziell praktisch ausgesorgt gehabt. Ob das das erklärte Ziel des bescheidenen Allgäuers war, ist höchst fraglich.

Schließlich waren sowohl das Eishockey spielen, als auch das Backen von Klein auf seine Leidenschaften. Ob Eishockeyschläger oder Brotschieber, ob Puck oder Brötchen – Michael Waginger ist ein Könner in beiden Disziplinen. Entscheidend ist, dass er nichts versemmelt und die Dinger mit links versenkt – Schuss auf Schuss gewissermaßen. Davon profitiert nun künftig das Sonthofener Kulturleben – sportlich und kulinarisch: „Der Bayernligist ERC Sonthofen hat für die nächste Saison einen absoluten Hochkaräter verpflichtet“, vermeldet zum Beispiel der Onlinedienst eishockeynews.de. Eine Einschätzung, der Josef Waginger für seinen Bereich absolut zustimmen kann. „Ich hab schon ein sehr gutes Backstubenteam und Michael ist eine gute Verstärkung“, freut sich der Senior über seinen „Neuzugang“.

Die Grundlagen dafür wurden mit einer Lehre im Betrieb seines Vaters gelegt. Arbeiten, trainieren, schlafen, so sah das Leben anfangs seiner Karriere aus. Eine enorme Leistung, auch weil Michael Waginger täglich nach Kaufbeuren ins Training pendeln musste. „Das war schon hart, aber ich nutzte jeweils die Stunde im Zug, um mich zwischen den Einsätzen in der Eishalle und der Backstube auszuruhen“, erklärt er, wie er bei dem Pensum über die Runden gekommen ist. Erst nach der Gesellenprüfung, die er mit einer 2 in Theorie und Praxis bestand, hat Michael Waginger seinen ersten Profivertrag als Eishockeyspieler unterschrieben.

Immerhin 12 Jahre war Michael Waginger dann in Sachen Eishockey unterwegs und hat mit dem ERC Sonthofen, dem ESV Kaufbeuren, dem EV Duisburg und zuletzt mit dem ERC Ingolstadt schöne sportliche Erfolge gefeiert. Ganz raus war er aber aus dem Backgeschäft nie. So nutzte er regelmäßig die dreimonatige Sommerpause der Eishockey-Ligen, um im väterlichen Betrieb sein handwerkliches Können einzubringen. „Ich habe nichts verlernt“, kann er so mit Recht behaupten und erntet das zustimmende Nicken seines Vaters, der sich außerdem sehr freut, dass sein Nachfolger jetzt ganzjährig im Betrieb aktiv ist. Denn schon im nächsten Jahr soll die Betriebsübergabe über die Bühne gehen. Künftig wird Michael Waginger den Betrieb (3 Filialen, insgesamt 18 Mitarbeiter) zusammen mit seiner Schwester leiten.

Aber es wird ein fließender Übergang werden. Denn der Vater kann das Backen nicht lassen und der Sohn will nebenher weiter ambitioniert Eishockey spielen – mit fast täglichem Training und den Spielen in der Bayernliga. „Wir ergänzen uns in der Konstellation ganz gut“, freut sich Michael Waginger, dass er so weiterhin seinen beiden großen Leidenschaften nachgehen kann. Und Vater Josef will backen „so lange, wie ich noch gebraucht werde.“ Beste Voraussetzungen also, die Bäckerei Waginger weiterzuentwickeln, die vor allem für ihre Brezen und die leckeren Leberkäswecken bekannt ist. Die Kunden freuen sich jedenfalls, dass die Bäckerei Waginger in Sonthofen einen Nachfolger hat, der mittelfristig auch das Kaffeegeschäft ausbauen will und Herausforderungen liebt.

Denn die nächsten Ziele hat der sportliche Bäcker klar vor Augen: Mit dem ERC Sonthofen will er „oben mitmischen“ und vielleicht schon nächstes Jahr einen Meisterkurs im Bäckerhandwerk belegen. Eine sehr gute Chance für Michael Waginger, doch noch Deutscher Meister zu werden – die er sich in dem Fall nicht entgehen lassen wird.

„Marathoni“ und Marathon-Macher: Franz Koch (l. v.) ist einer der Organisatoren des Geislinger Halbmarathons.
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Bäckermeister Franz Koch ist leidenschaftlicher Marathonläufer. Seine Leidenschaft gibt er weiter. mehr...

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