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Weltreisen mit Backblech im Gepäck

Dolmetscherin Tungalag Purevsuren (links) und Karl Kronmüller erklären einer Mitarbeiterin die Kuchenproduktion. (Quelle: privat)+
Dolmetscherin Tungalag Purevsuren (links) und Karl Kronmüller erklären einer Mitarbeiterin die Kuchenproduktion. (Quelle: privat)

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Als Seniorexperte leistet Karl Kronmüller aus Schwäbisch Hall global Entwicklungshilfe in Bäckereien und Cafés – zuletzt in der Mongolei

Tungalag Purevsuren war einst Kundin der Bäckerei Kronmüller in Schwäbisch Hall. Aber die Mongolin hat als Schülerin des Goethe-Instituts vor Ort verpasst, einen der internationalen des Bäckermeisters zu belegen. Obwohl sie eigentlich auf den Geschmack gekommen war: „Ihre Backwaren haben mir sehr gut geschmeckt“, hat sie Karl Kronmüller (64) Mitte des vergangenen Jahres wissen lassen – einige Jahre später und rund 6000 Kilometer von Schwäbisch Hall entfernt.

Frühere Kundin in Ulan-Bator

als Dolmetscherin getroffen

Denn Purevsuren hat Kronmüller zufällig auch noch persönlich kennengelernt – als Übersetzerin bei seinem Einsatz in einem Betriebsrestaurant eines Bergbauunternehmens in Ulan-Bator. Die mongolische Hauptstadt war Karl Kronmüllers zweite Station in Diensten des weltweit agierenden Senior-Expert-Service (SES).

Der Bäckermeister hat seine namhafte Demeter-Bäckerei in Schwäbisch Hall an einen Kollegen verpachtet, der das Unternehmen in seinem Sinne weiterführt. Auf der Suche nach neuen Aufgaben ist er zu seinem Job als Seniorexperte gekommen. „Ausbildung war schon immer mein Faible“, sagt Kronmüller. Immerhin hat er in seiner Zeit als Unternehmer im Bäckerhandwerk rund 100 jungen Leute zum Gesellenbrief verholfen. „Jetzt kann ich mein Wissen praktisch weltweit weitergeben“, sagt er erfreut darüber, dass er seine Reiselust und sein fachliches Sendungsbewusstsein verbinden kann.

Einsatz in Sofia bei

„Brot und Gesundheit“

Erste Station seines neuen Lebensabschnitts war 2017 ein kleines Bäckerei-Café in Sofia mit eigener Mehlmühle und dem Namen „Brot und Gesundheit“. Empfangen wurde der deutsche Bäckermeister mit einem großen Plakat: „Herzlich willkommen Karl Kronmüller.“ Inhaberin Kalina Iliev hat sich das Brotbacken per Rezeptbuch des amerikanischen Bäckers Chad Robertson beigebracht – im Zeichen der „sehr langen Teigführung“. „Die Brote sind jedenfalls hervorragend“, kommentiert Kronmüller das Ergebnis dieser „Ausbildung“ bei seinem Einsatz im Zentrum der bulgarischen Hauptstadt.

Allerdings seien die Arbeitsbedingungen recht rückständig. Eine ganz kleine Backstube mit einem Zehn-Liter-Kneter auf dem Boden, ein elektrischer Backofen, das war‘s auch schon. Ansonsten fehlt es an wichtigen Hilfsmitteln – vor allem einer Ausrollmaschine.

„Arbeiten wie in den 1950er-Jahren nach dem Motto: Augenmaß und Handgewicht sind des Bäckers größte Pflicht“, skizziert Kronmüller die Ausgangslage. Außerdem mangle es mit Blick auf Hygiene sichtbar an Sensibilität und Kontrolle. Diesbezüglich und in Sachen handwerkliche Fertigkeiten konnte Kronmüller bei seinem Einsatz einige Impulse geben.

Jetzt gibt es dort unter anderem auch Brezeln, Croissants, Dinkelbrote und Plundergebäck. Und mit Miro Iliev, dem Müller und Ehemann der Bäckerin, hat er eine Schwarzwälder Kirschtorte mit Brandy und Kirschlikör gezaubert, weil kein Kirschwasser vorhanden war. „Ich war mehr als zwei Wochen Teil der Familie und konnte auch bei der Gewinnung von Lieferkunden helfen.“ Da wurden Aufträge geschrieben, wenn er mit den Ilievs bei Hotels vorstellig wurde. Deutsche Qualität stehe im Ausland eben hoch im Kurs.

Ein Koffer mit

Geräten und Hilfsmitteln

Das hat Kronmüller auch im vergangenen Jahr bei seinem vierwöchigen Einsatz in Ulan-Bator erlebt, wo er das Backwarenangebot des großen Betriebsrestaurants verfeinert und erweitert hat. Vor seiner Ankunft gab es nur Toastbrot.

Auch in der Mongolei ist er mit seinem Koffer mit Geräten und Bäko-Hilfsmittelkatalog samt kleinem Kneter angereist. Jetzt können die Mitarbeiter zum Mittagessen und Kaffee Käsekuchen, Apfelkuchen, Bienenstich, Eclairs, Macarons und belaugte Brötchen genießen.

Dolmetscherin Purevsuren hat bei der Gelegenheit das Brezelschlingen doch noch gelernt. „Die Welt ist klein“, sagt Seniorexperte Kronmüller, der den Gerätekoffer für seinen nächsten Einsatz in Honduras bereits gepackt hat.

Helmut und Raphael Gragger mit Bäckermeisterin Katie Schubert und ihrem Team.
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