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Überflieger mit Bodenhaftung

Kompetent, sympathisch und mit viel Spaß bei der Arbeit: In der Bäckerei seines Vaters konnte FCK-Torwart Sippel zeigen, dass er nichts verlernt hat.+Zur Fotostrecke
Kompetent, sympathisch und mit viel Spaß bei der Arbeit: In der Bäckerei seines Vaters konnte FCK-Torwart Sippel zeigen, dass er nichts verlernt hat.

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Karriere mit Lehre: Bäckergeselle Tobias Sippel hat sein Hobby zum Beruf und seinen Beruf zum Hobby gemacht.

Von Reinald Wolf


Die Anwesenheit eines Bäckers in der Bäckerei liegt in der Natur der Sache, gehört quasi zum täglichen Brot. Bei einem Bäckergesellen aus Bad Dürkheim ist es ähnlich und doch haben wir es mit einem grundlegend anderen Fall zu tun. Tobias Sippels tägliche Präsenz in der Bahnhofsbäckerei in Kaiserslautern beschränkt sich auf sein Portrait auf einem der begehrten Stadionplastikbecher des örtlichen Fußballbundesligisten – und auf die Rolle als Stammgast. Häufig kommt er mit ein paar Kollegen zum Frühstücken, um sich fürs Training auf dem Betzenberg zu stärken. Nach Aussage der Fachverkäuferin ein gern gesehener Gast: „Sehr nett und sympathisch“, so ihre Kurzcharakterisierung.

Dass Tobias Sippel eigentlich nur noch zum Freizeitvergnügen in der Bäckerei weilt, hat einen einfachen Grund: Er verdient seine Brötchen nicht als Bäcker, sondern als Keeper. Mit 10 Jahren ist er als Torwarttalent zum 1. FC Kaiserslautern (FCK) gekommen und hat dort sämtliche Jugendmannschaften durchlaufen, hat sich durchgesetzt und gehört seit der Saison 2006/07 zum Profikader der „Roten Teufel“, die damals noch in der 2. Liga spielten. Im Oktober 2007 machte er sein erstes Spiel gegen die TSG Hoffenheim, weil sich Stammtorhüter Florian Fromlowitz verletzte. Seit dem ist er – mit Unterbrechungen – die Nummer 1 beim FCK und hat 2010 mit dazu beigetragen, dass Kaiserslautern wieder erstklassig spielt. Er kassierte in dieser Saison nur 24 Gegentore und ist dafür jetzt (etwas verspätet) mit dem Torwart-Award (für die 2. Bundesliga) des Onlinedienstes torwart.de ausgezeichnet worden. Sippel ist übrigens der Einzige, dem diese Ehre zum zweiten Mal zuteil wird.

Aber auch in der 1. Liga hat er eine sehr gute Figur gemacht – bis, ja, bis er krankheitsbedingt vor einigen Wochen Kevin Trapp seinen Stammplatz im Tor überlassen musste. „Das ist keine leichte Situation für mich, aber ich versuche mich durch Leistung wieder zu empfehlen“, ist Sippel sicher, wieder seine Chance als Nr. 1 beim FCK zu bekommen. Der Klassenerhalt ist jedenfalls geschafft.
Backstube und Sportplatz

Dass Tobias Sippel auf die Zähne beißen und kämpfen kann, das hat er vor allem während seiner Ausbildung zum Bäcker bewiesen. Zuerst war er in der Bäckerei Heil in Ausbildung. Morgens um 2:00 Uhr wurde er von seiner Mutter in den Betrieb gefahren, um 9:00 von seinem Onkel abgeholt. Nach drei Stunden Schlaf ging’s ins Training. „Das war absolut hart“, blickt der jetzt 23-Jährige auf die Anfänge seiner Lehrzeit zurück. Nach eineinhalb Jahren holte ihn sein Vater in den eigenen Betrieb, wo er die Ausbildung mit trainingsverträglichen Arbeitszeiten beendete. So hat er 2006 nicht nur die Doppelbelastung, sondern auch die Gesellenprüfung gemeistert – mit einer 2 im Praktischen.

„Seine Stärken sind vor allem die Brot- und Brezelherstellung“, ist Reiner Sippel stolz darauf, dass Tobias nicht nur als Fußballer, sondern auch als Bäcker was drauf hat. Aber fest einplanen kann der Inhaber einer renommierten Familienbäckerei in Bad Dürkheim seinen Sohn nicht mehr. Der kommt zwar immer wieder zu Besuch, konzentriert sich nach eigener Aussage in der Bäckerei aber „auf das Naschen von leckeren Kuchen“. Dass er sein Handwerk nicht verlernt hat, das konnte er vor kurzem wieder unter Beweis stellen. Für eine ausführliche Reportage im Stadionmagazin „In Teufels Namen“ war Tobias mal wieder in der elterlichen Bäckerei im Einsatz. Teig abwiegen, Brezeln schlingen oder Zöpfe flechten – „der Mann ist eindeutig vom Fach“, so die Diagnose im Stadionheft. Dass er sein Hobby zum Beruf und seinen Beruf zum Hobby machen konnte, das freut Sippel natürlich. Wobei er betont: „Mir hat es immer Spaß gemacht, zu backen.“

Heute hat er selbst den Marktwert einer kleinen Bäckerei. „Aber so ist das Geschäft“, kommentiert er achselzuckend die drei Mio. Euro, die für ihn bei einem vorzeitigen Wechsel offiziell an den FCK bezahlt werden müssten. Im Fußball seien eh Summen im Spiel, die teils utopisch sind. „Für einen Handwerker, bei dem Leistung zum täglichen Brot gehört, kaum nachvollziehbar“, so die Meinung des bodenständigen Überfliegers. Eine wichtige Parallele gebe es aber: In beiden Bereichen sei es entscheidend, diszipliniert und zielstrebig am Ball zu bleiben, um erfolgreich zu sein.
Die Meisterschaft im Blick

Gefragt, ob er nach seiner Karriere wieder täglich in der elterlichen Bäckerei präsent sein wird, zeigt sich Tobias Sippel nicht abgeneigt. „Das kann ich mir gut vorstellen.“ Ein großes Ziel hat er auf jeden Fall im Blick: Er will Deutscher Meister werden – vielleicht auch im Bäckerhandwerk – auf jeden Fall im Fußball. Und mit welchem Verein? „Mit dem FCK natürlich.“ Sippel hat vorsorglich bis zum Jahr 2013 verlängert.

 

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