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Turboausbildung am Fuße des Himalayas

Bäckermeister Michael Moll und seine „Azubis“ Alina und Cham mit einem Teil des Sortiments. 
Links unten: Die Bäckerei – noch im Baustadium. (Quelle: privat)+Zur Fotostrecke
Bäckermeister Michael Moll und seine „Azubis“ Alina und Cham mit einem Teil des Sortiments. Links unten: Die Bäckerei – noch im Baustadium. (Quelle: privat)

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Deutscher Bäcker bringt zwei Nepalesen in drei Wochen das Brotbacken bei

Innerhalb weniger Wochen eine Backstube zum Laufen zu bringen, Rezepte zu entwickeln und Mitarbeiter so zu instruieren, dass sie das Backprogramm unfallfrei abarbeiten können, ist schon eine Herausforderung. Wenn der Ort der Handlung dann noch heißt, erhöht das den Abenteuerfaktor überproportional.

Am Anfang war die Baustelle

– und es fehlte ein Kneter

Immerhin stand Michael Moll nicht vor verschlossener Tür. Doch der Grund war wenig erfreulich. Es gab noch gar keine Türe: „Wir standen vor einer Baustelle“, sagt der 40-jährige Bäckermeister. Der stellvertretende Backstubenleiter der Bäckerei Mayer in Kohlberg bei Metzingen ist von seinem Unternehmen drei Wochen lang freigestellt worden, um den sportlichen Auftrag umzusetzen.

Allerdings unter etwas günstigeren Voraussetzungen als zunächst vermutet. Denn die Backstubenausstattung konnte nicht mitgenommen werden und musste vor Ort organisiert werden.

„Ofen, Tisch, Kühlung, das meiste war zum Glück schon da. Aber den Kneter mussten wir kurzfristig organisieren. Immerhin, zwei Tage nach Ankunft konnten wir dann doch starten“, sagt Moll. „Allerdings musste ich mich erst mit den für mich ungewohnten Maschinen anfreunden.“

Zwei junge Nepalesen

fachlich fit gemacht

Und mit den vorhandenen Rohstoffen. „Das Mehl war glutenfrei. So musste ich Gluten zusetzen“, deutet Michael Moll an, dass nicht nur Organisations- sondern auch Improvisationstalent gefragt war. Nach zahllosen Backversuchen und mit pädagogischen Geschick hat Moll es schließlich geschafft, zwei junge Nepalesen fachlich fit zu machen: „Alina und Cham sind jetzt in der Lage, rund zehn verschiedene Produkte in anständiger Qualität herzustellen“, sagt Moll.

Die beiden 20-Jährigen hätten schon Erfahrung aus der Gastronomie mitgebracht, seien sehr wissbegierig, geschickt und engagiert zu Werke gegangen, erklärt Meister Moll, dass es ihm durch eine Blitzausbildung gelungen ist, sein nepalesisches Backstubenteam fachlich fit zu machen.

Aktuell werden zehn verschieden Produkte hergestellt: unter anderem Laugenstangen, Brezeln, Brötchen und Baguettes. Aber auch die süße Schiene bedient das Team mit Zöpfen, Schneckennudeln und Hörnchen, gefüllt mit Mangomarmelade und Kokos.

Produkte, die vor Ort verkauft werden, „die aber auch an zwei der vielen Cafés geliefert werden“, sagt Moll, der davon ausgeht, dass das Liefergeschäft mit der Zeit ins Rollen kommt. „Immerhin hat auch schon die Gastronomie angeklopft, und außerdem gibt es in Kathmandu eine ausgeprägte Barista- und Kaffeebar-Kultur.“

Seit Jahren „Brezelaktion“

für Nepal-Projekte

Dass Moll in Kathmandu zum Einsatz gekommen ist, hängt damit zusammen, dass sich die Bäckerei Mayer bereits seit 2011 in Nepal engagiert – für Entwicklungsprojekte rund um Kinderhäuser und Schulen. So fließen jährlich rund 3500 Euro aus einer Brezelaktion in den Mayer-Filialen nach Nepal. Ein Projekt, das vor allem Juniorchefin Sina Mayer am Herzen liegt.

So war es auch Ehrensache, dass das Unternehmen – nach einer entsprechenden Anfrage – für den Aufbau einer Bäckerei ihren stellvertretenden Backstubenleiter „gespendet“ hat.

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