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Stark aufgestellt

Das Team der Deutschen Bäckernationalmannschaft (vorne von links): Eva-Maria Kientz, Siegfried Brenneis, Gerhard Gröber, Thèrèse Lehnart, Felix Remmele.
Mitte: Georg Schneider, Alexander Schellenberger, Johannes Hirth. Hinten: Wolfgang Schäfer, René +Zur Fotostrecke
Das Team der Deutschen Bäckernationalmannschaft (vorne von links): Eva-Maria Kientz, Siegfried Brenneis, Gerhard Gröber, Thèrèse Lehnart, Felix Remmele. Mitte: Georg Schneider, Alexander Schellenberger, Johannes Hirth. Hinten: Wolfgang Schäfer, René

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Die deutsche Bäckernationalmannschaft präsentiert sich mit einem erweiterten Team. Begonnen hat es im kleinen Kreis mit drei Fachleuten

Jetzt nur keine falsche Bewegung, nirgends anstoßen und ja nichts fallen lassen. „Links noch ein bisschen weiter nach hinten – Vorsicht – nicht mit dem Arm neben dran hinkommen“, sagt Siegfried Brenneis zu seinen beiden Mitstreitern. Die Anspannung ist den Dreien voll ins Gesicht geschrieben – ein Fehler und die Arbeit von Wochen wäre zunichte. Geschafft, das zweite Schaustück ist unversehrt an seinem Platz, genauso wie daneben das Heidelberger Schloss als gebackenes Kunstwerk. Aber mit der richtigen Platzierung ist die Sache nicht abgeschlossen, jetzt geht es erst richtig los.

Das Aufstellen der beiden Schaustücke ist gewissermaßen das Ende der Vorbereitungen und der Beginn des Backwettbewerbes. Geübt und vorgebacken haben Eva-Maria Kientz, Gerhard Gröber und Siegfried Brenneis im badischen Weinheim an der Akademie des Bäckerhandwerks. Dort wurde dann nach dem Zusammensetzen der Schaustücke auch der Transporter gepackt und anschließend haben sich die drei Mitglieder der deutschen auf den Weg gemacht Richtung Süden, nach Rimini in Italien.

Für diese Drei ist der kein unbekanntes Terrain. Schließlich waren sie es, die im Jahr 2008 den Sigep Bread Cup als Sieger mit nach Hause nehmen konnten und damit die Keimzelle für die Gründung der deutschen Bäckernationalmannschaft gelegt haben.

Angefangen hat alles aber vor zehn Jahren in Aalen in Ostwürttemberg. Der Landkreis ist Partnerregion von Ravenna in Italien, wo jedes Jahr ein Brotfestival organisiert wird. Für diese Veranstaltung suchte das Landratsamt Bäcker, die dort im Sinne der Völkerverständigung aktiv werden können. Fündig wurde man in der Bäckerei Walter, die Gerhard Gröber, Eva-Maria Kientz und Stefanie Bengelmann für das Backen zur Verfügung stellte. Vor Ort in Ravenna lernte das Team den Vorsitzenden des Vereins Arti & Mestieri, Fausto Rivola, kennen, der das Team einige Jahre später zum neu durchgeführten Bread Cup nach Rimini einlud. Da Stefanie Bengelmann im Januar 2008 nicht teilnehmen konnte, stieß Siegfried Brenneis zur Truppe.

Und diese neue Konstellation erwies sich gleich als Volltreffer. „Veni, vidi, vici – kam, sah, siegte“, so beschreibt Siegfried Brenneis rückblickend das tolle Ergebnis. Damals waren sie glücklich über den Sieg, aber sehr unzufrieden über die fehlende Unterstützung aus dem deutschen Bäckerhandwerk. „Wir repräsentieren hier das deutsche Bäckerhandwerk, das für sich den Titel Brotweltmeister in Anspruch nimmt, und wir bekommen hier null Unterstützung vom Verband. Wir bezahlen alles selbst, die Kleider, Fahrt, Zutaten und den Arbeitsausfall“, diktierte damals Gerhard Gröber verärgert dem Redakteur der ABZ in den Block. Und diese Veröffentlichung hatte Folgen – positive im Sinne der damaligen Teilnehmer. Zurück in Deutschland gründete der Zentralverband (ZV) die deutsche Bäckernationalmannschaft, mit den Dreien als Grundbesetzung und weiteren Bäckern, die sich durch gute Leistungen profiliert haben.

Um weiteren qualifizierten für die Nationalmannschaft heranzuziehen, organisierte der ZV auf der iba 2009 in Düsseldorf die erste Deutsche Meisterschaft der Bäckermeister. Diese haben das sächsische Team mit René Krause und Alexander Schellenberger für sich entschieden und so durfte letzterer mit dem neuen Team um Jochen Baier, Georg Schneider und Thèrèse Lehnart schon im Januar 2010 mit nach Rimini. Aber nicht nur das Wettbewerbsgefühl – das sich messen mit den Besten – ist der Reiz, der die Teilnahme an solchen Wettbewerben ausmacht. „Jedes Mal lernt man was dazu, was in keinem Fachbuch steht“, erklärt Siegfried Brenneis. „Man kommt in internationalen Wettbewerben mit Kollegen anderer Ländern in Kontakt, die beispielsweise das Brotbacken ganz anders angehen. Hier bekommt man Kniffe gezeigt, die man sonst nirgendwo bekommt.“ Auch von persönlichen Kontakten, die sich während des Wettbewerbs entwickeln, profitiert man beruflich und privat. „Und man kommt an Orte, an die man sonst nie gekommen wäre“, resümiert Siegfried Brenneis.

Mittlerweile ist die Nationalmannschaft zu einem starken, schlagkräftigen Team herangewachsen, die alle die gleiche Leidenschaft teilen: Backen auf höchstem Niveau – mit viel Liebe zum Detail. Erst vor Kurzem hat sich das Team neu aufgestellt und mit der Berufung der Gewinner der letzten deutschen Meisterschaften – Jörg Schmid und Johannes Hirth – sowie den amtierenden Europameistern der Nachwuchsbäcker – Marc Mundri und Felix Remmele – gehören nun zwölf Mitglieder zum Team um Mannschaftschef Wolfgang Schäfer. Alle zusammen treffen sich ein- bis zweimal pro Jahr in Weinheim, um sich über Wettbewerbe auszutauschen, um neue Techniken und Rezepte auszuprobieren und sich gegenseitig zu coachen.

Die Mannschaft ist nun auch gerüstet für die ganz großen internationalen Wettbewerbe, was sie schon bei der Teilnahme am iba-Cup im letzten Herbst bewiesen hat. Eine Herausforderung steht ihr noch bevor – der Coupe du Monde de la Boulangerie – die Weltmeisterschaft der Bäcker auf der Europain in Paris. „Da sind wir ganz heiß drauf“, so Siegfried Brenneis abschließend.


Lesen Sie hierzu folgende Bücher


  • Der neue clevere Bäcker
    Bernd Kütscher

    Der neue clevere Bäcker

    Dieses Buch, das mittlerweile in der 4. und stark erweiterten Neuauflage erscheint, ist ohne Übertreibung zum echten Standardwerk geworden, das in keiner Bäckerei fehlen darf!

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Noch geheim: Wer die Drei sind, die beim internationalen Wettkampf antreten, wird im November öffentlich.
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