ABZ - Das Fachportal für Bäcker

Spannende Antworten auf Fragen, die niemand gestellt hat

Hatte viel zu erklären: Bäckermeister und Brotprüfer Heinz-Peter Kohlgrüber. (Quelle: Museum)+Zur Fotostrecke
Hatte viel zu erklären: Bäckermeister und Brotprüfer Heinz-Peter Kohlgrüber. (Quelle: Museum)

Weitere Artikel zu


Vom 7. Jahrhundert bis in die Gegenwart: Das Freilichtmuseum am Kiekeberg präsentiert die Ausstellung „Zwischen Krume und Knust – Deutsche Brotkultur“

Von Martin Blath

Ein besserer Auftakt war kaum vorstellbar: Zwei Wochen nach der Eröffnung der Sonderausstellung „Zwischen und – Deutsche Brotkultur“ gaben sich Bäcker aus der Region Hamburg/Lüneburg sowie Vertreter der Bäcker-Nationalmannschaft ein Stelldichein im am Kiekeberg in Rosengarten-Ehestorf.

Und sie standen dabei nicht Spalier, sondern stellten in der hauseigenen Bioland-Bäckerei des Museums am Nordrand der Lüneburger Heide ihr Können unter Beweis.

Kartoffel senkt

den Brotverzehr

Die Schau im „Agrarium“ des Museums, eigenen Angaben zufolge der deutschlandweit einzige Ausstellungskomplex zur Land- und Ernährungswirtschaft, liefert Antworten auf Fragen, die sich die meisten Besucher vermutlich noch nie gestellt haben.

Wie die, wie sich das Brot seinen Weg hin zum Grundnahrungsmittel geebnet hat. Oder wie die Kartoffel den Brotverzehr vom 17. bis zum 19. Jahrhundert drastisch sinken ließ. Oder wie heutige Technologien das Leben der Handwerksbäcker leichter machen.

„Wir möchten einen Rundum-Blick aus den Perspektiven Geschichte, Kultur und Handwerk vermitteln“ beschreibt Museumsdirektor Wolfgang Zimmermann das Ziel der bis zum 23. September 2018 zu sehenden Ausstellung.

Butterbrot – eine „Erfindung“

aus dem 7. Jahrhundert

Das ist Kuratorin Heike Duisberg-Schleier und ihrem Team gelungen. Soweit das in einem solchen Rahmen möglich ist, gehen die von zahlreichen landwirtschaftlichen Geräten und Maschinen umgebenen Schautafeln den Dingen in komprimierter Form auf den Grund.

So erfahren die Besucher etwa, dass die Entstehung des Butterbrotes eng mit der Haltbarmachung von Butter und Salz verbunden ist und dass dieses Verfahren bereits im 7. Jahrhundert in Klöstern des nordöstlichen Galliens angewendet wurde.

Oder dass mit der ersten, 1880 auf der Bäckereiausstellung in Hamburg präsentierten Teigteilmaschine der Grundstein zum Einzug der Technik in die deutschen Backstuben gelegt war.

Bei der Konzeption und Inszenierung der Schau hatte die Ethnologin und Kulturmanagerin Duisberg-Schleier einen versierten Partner an ihrer Seite – die Bäckerinnung Hamburg, mit der das Museum bereits beim jährlichen Aktionstag „Alles zum Brot“ ebenso zusammenarbeitet wie mit der Bäckerinnung Lüneburg. „Da qualmen dann immer die Öfen, und daraus ist die Idee zu unserer Sonderausstellung entstanden“, erzählt die Kuratorin.

Grundlagen

deutscher Backtechnik

Auf das Konto der Hamburger Innung gehen die historischen Gerätschaften der Ausstellung, die neben der Theorie einen guten Einblick in die Entwicklung des Bäckerhandwerks bieten, wie etwa besagter Teigteiler, eine Anschlagmaschine oder eine Bäckerei-Fritteuse für „Berliner“ (Pfannkuchen).

An die „gute alte Zeit“ erinnern zudem Haushaltsgegenstände wie ein elektrischer Brotbackautomat aus den 1950er-Jahren, eine schmucke Blechdose zur Aufbewahrung von „Wasa“-Knäckebrot oder ein Brotröster aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Und nicht nur Kinder kriegen große Augen, wenn sie vor der Nachbildung eines Bäckerladens von anno dazumal stehen.

Interviews mit

Auszubildenden

„Die Bäckerinnung Hamburg stand uns jederzeit mit Rat und Tat zur Seite“, lobt Duisberg-Schleier die Zusammenarbeit mit den Fachleuten aus der Hansestadt. Dank deren Unterstützung konnte sie im Handwerkszentrum Elbcampus auch Interviews mit Auszubildenden führen, die in Form einer Hörstation ebenfalls zum Reiz der Ausstellung beitragen.

Mit Lob für die fruchtbare Kooperation und für das Konzept von „Zwischen Krume und Knust“ geizt auch Sandra Büttner von der Hamburger Innung nicht: „Die Zusammenarbeit mit dem Museum ist super, und die Ausstellung hat Hand und Fuß, da merkt man die intensive Beschäftigung mit dem Thema.“

„Es gibt noch so

viele spannende Themen“

Wenn es die Räumlichkeiten erlaubt hätten, wäre die Kuration gerne noch etwas tiefer gegangen: „Es gibt noch so viele spannende Themen, wie die Bedeutung des Brotes in Brauchtum, Kunst oder in der Religion“, sagt Heike Duisberg-Schleier. „Aber das hätte diesen Rahmen gesprengt.“

Ganztägig großer Andrang: Das Brotfestival 2018 im Wiener Kursaal Hübner.
Auch interessant

Bühne frei für Kruste und Krume

Von Reinald Wolf Für Brot anstehen und auch noch Eintrittgeld dafür bezahlen. Unvorstellbar möchte man anmerken. Österreicher sind da entschieden anderer Meinung – zumindest im Zusammenhang mehr...

Lesen Sie hierzu auch folgende Artikel:

 

Bisher keine Leser-Kommentare zum Artikel