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Riesenrummel um Weihnachtsstollen

Bäckermeister René Krause hat den Riesenstollen mit dem 1,60 Meter langen und zwölf kg schweren Riesenstollenmesser angeschnitten und präsentiert gemeinsam mit Stollenmädchen Cynthia Brozek dem Publikum das erste Stück. Tausende Besucher waren gekomm+Zur Fotostrecke
Bäckermeister René Krause hat den Riesenstollen mit dem 1,60 Meter langen und zwölf kg schweren Riesenstollenmesser angeschnitten und präsentiert gemeinsam mit Stollenmädchen Cynthia Brozek dem Publikum das erste Stück. Tausende Besucher waren gekomm

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Mehr Schaulustige denn je bei der Stollenprozession zum 578. Striezelmarkt. Der 3354 kg schwere Brocken war binnen 150 Minuten verkauft.

Eigentlich ist Bäckermeister René Krause schon fast mit allen Wassern gewaschen: Der erste Deutsche Meister der Bäckermeister, der in Dresden-Leuben einen alteingesessenen Familienbetrieb führt, hatte bereits vor drei Jahren von Altmeister Walter Säurig das Amt des „Königlich Sächsischen Hofbäckermeisters“ und damit das Privileg übernommen, mit dem 12 Kilogramm schweren und 1,60 Meter langen Riesenstollenmesser auf dem jährlichen Striezelmarkt den Riesenstollen anschneiden zu dürfen. Dieser ehrenvollen Aufgabe hat sich der gelernte Konditor in den Vorjahren stets mit Bravour meisterhaft entledigt und mit seinen Erläuterungen die Schaulustigen informiert und erheitert.
„Marke des Jahrhunderts“

Doch in diesem Jahr hatte der inzwischen 36-Jährige, der letztlich auch für den sich im (sächsischen) Bäckerhandwerk vollziehenden Generationswechsel steht, vor dem Stollenanschnitt schon ein wenig „Bammel“: „Natürlich läuft die Prozedur jedes Jahr ähnlich ab und ich kann mir für meinen halbstündigen öffentlichen Auftritt reiflich überlegen, was ich dem Publikum erzähle“, erklärte der „Stollenmesserschwinger“ vor dem symbolischen Anschnitt 2012. „Doch dieses Mal bin ich schon ein wenig aufgeregter, denn unser Dresdner Christstollen wurde im vergangenen Herbst zur ‚Marke des Jahrhunderts‘ gekürt. Darauf sind die 134 Mitgliedsbetriebe des Schutzverbandes Dresdner Stollen natürlich besonders stolz, denn unser kleiner Verband mit seinem recht bescheidenen Werbebudget steht jetzt in einer Reihe mit solchen Weltkonzernen wie Allianz, BASF, Leica, Mercedes Benz, Miele, Odol und WMF. Und damit auch unser Dresdner Weihnachtsstollen weiterhin als Leuchtturm im Markenmeer hell erstrahlt, darf beim Anschnitt auch gar nichts schief gehen.“

Dank des blank geputzten Stollenmessers, das ebenso wie der in diesem Jahr 3354 kg schwere Riesenstollen in einer 50-minütigen Prozession vom Schlossplatz auf den Dresdner Altmarkt geleitet wurde – und der charmanten Assistenz vom diesjährigen Stollenmädchen Cynthia Brozek – ist dieses Vorhaben unter dem Jubel mehrerer tausend begeisterter Zuschauer pünktlich um 12 Uhr auch bestens gelungen. Das erste Stück dieses besonderen Backwerks durften Sachsens Wirtschaftsminister Sven Morlok und Dresdens Erster Bürgermeister Dirk Hilbert kosten. „Der schmeckt wie immer absolut lecker und nach mehr“, meinte der Vertreter der Stadtverwaltung und bezeichnete das 1994 erstmals organisierte Stollenfest der Dresdner Bäcker und Konditoren als den „absoluten Höhepunkt unseres inzwischen 578 Jahre alten Striezelmarktes“. Tatsächlich drängelten sich mehrere Tausend Schaulustige auf dem Striezelmarkt, unter ihnen auffallend viele Besucher aus den Nachbarländern Polen, Tschechien und Russland, um einen oder mehrere der jeweils etwa ein Pfund schweren Stückchen vom Riesenstollen abzubekommen. Die dafür benötigten „Stollentaler“ im Wert von vier Euro hielten die Pädagogen vom Beruflichen Schulzentrum für Ernährung und Agrarwirtschaft bereit. Nach kaum zweieinhalb Stunden waren vom vormals stattlichen Backwerk, das die Amerikaner als „Giant Christmas Cake“ bezeichnen, nur noch einzelne Krümel übrig geblieben. Darüber freute sich auch der „Sonnenstrahl“ e.V. Dresden, der einen Gutteil des Erlöses für die Betreuung krebskranker Kinder erhielt.

Vor diesem Riesenspektakel auf dem Dresdner Altmarkt haben die über 400 Mitwirkenden der Stollenprozession den Zuschauern – nach Schätzung der Veranstalter mehr als jemals zuvor – die Geschichte des Riesenstollens nahegebracht. Mit zehn Festwagen stellten sie in 22 farbenfrohen Bildern die Ursprünge des Dresdner Riesenstollens und sächsische Handwerkstraditionen nach.
Eindrucksvolle Werbung

Bei der Stollenprozession mit von der Partie waren neben etwa 70 Bäckern und Konditoren auch, Schornsteinfeger, Müller, Klempner sowie die Räucherkerzenmacher von Knox aus Mohorn und demonstrierten so die Stärke und Einheit des regionalen Handwerks. Für viel Farbe und Abwechslung im 400 Meter langen Festumzug, sorgten unter anderem Fanfarenzüge, Spielleute, kostümierte Soldaten und Reiter – und natürlich das Riesenstollengefährt, das die beiden Kaltblüter Sandor und Seppel sicher über die glatten und vereisten Straßen bis auf den Striezelmarkt gezogen haben. Das diesjährige 3,64 Meter lange „Weihnachtsbrot“ wurde von Mitgliedern des Dresdner Bäckerfachvereins aus knapp 400 Stollenplatten á jeweils acht Kilogramm in der Sachsengarage zusammengesetzt und brachte bei einer Breite von 1,75 und einer Höhe von 98 Zentimetern genau 3.354 kg auf die Waage. Zu seiner Herstellung hatten die Bäcker und Konditoren insgesamt 923 kg Mehl, 210 Millionen Sultaninen, 460 kg Butter, 276 kg Zucker, 141 kg Zitronat und Orangeat sowie ein Fass Jamaica-Rum verarbeitet.

Nach Einschätzung der Organisatoren war das deutschlandweit einzigartige Stollenspektakel erneut eine eindrucksvolle Werbung für das Dresdner Bäcker- und Konditorenhandwerk sowie für die „deutsche Weihnachtshauptstadt Dresden“ gewesen – und damit zugleich ein faszinierendes Zeugnis des Handwerkerfleißes. Über dieses Ereignis mit internationaler Ausstrahlungskraft berichteten Medien aus dem In- und Ausland – erstmals war 2012 auch das erste russische Fernsehen beim Stollenfest dabei…

 

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