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Reif für den großen Auftritt

Der Ciabattateig mit Sepia ist angerichtet: Johannes Hirth (l.) und Jörg Schmid (r.) mit ihrem „Lehrling“ – und ihrem Buch. (Quelle: Wolf)+
Der Ciabattateig mit Sepia ist angerichtet: Johannes Hirth (l.) und Jörg Schmid (r.) mit ihrem „Lehrling“ – und ihrem Buch. (Quelle: Wolf)

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Die Wildbakers unterhalten und informieren mit einer Show rund ums Backen ein begeistertes Publikum

Von Reinald Wolf

Applaus ist das Brot des Künstlers, und da wir keine brotlose Kunst bieten wollen, dürft ihr ruhig ein bisschen klatschen.“ Gesagt, getan.

Aber was als Aufwärmübung und Vorschusslorbeeren gedacht war, sollte sich im Verlaufe des Abends noch häufig wiederholen, begleitet von großem Gelächter. Kurz, Jörg Schmid und Johannes Hirth ziehen das Publikum von Anfang an in ihren Bann. Mit Brot und Humor – mit Infotainment rund ums Backen.

500 Besucher mit Backen

und Sprüchen unterhalten

Ort der Handlung ist die Kreissparkasse Heilbronn. Die Wildbakers haben ihren Auftritt im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Gesund leben – Fitness, Ernährung, Gesundheit“ vor rund 500 Besuchern.

Es ist nicht die erste Veranstaltung dieser Art, die die Deutschen Meister der Bäckermeister des Jahres 2012 bestreiten. Schon bei der Open Air Show in Öhringen (bei Heilbronn) haben die agilen Meisterbäcker auf der Bühne für Aufsehen gesorgt.

Backshow – konsequente

Ergänzung der Aktivitäten

Die großen Backshows sind eigentlich eine konsequente Ergänzung ihrer bisherigen Aktivitäten wie Messeauftritte, pfiffige YouTube-Aktionen (Backen an besonderen Orten), Backrekorde, Fernsehauftritte mit Interviews – und Backkursen für Verbraucher. „Wir dürften zusammen die größte Lehrbackstube Deutschlands sein“, sagt Johannes Hirth.

Jährlich begrüßen die beiden Kollegen in ihren jeweiligen Backstuben in Bad Friedrichshall (bei Heilbronn) und Gomaringen (bei Tübingen) mehr als 1500 Teilnehmer in ihren Backkursen. Angst, dass sie mit ihrem Unterricht Kunden verlieren – wenn diese selbst backen statt kaufen – haben sie nicht.

„Wir versuchen, die Kunden fürs Backen zu begeistern und ihnen zu zeigen, was dahintersteckt. Auch wenn danach das eine oder andere Brot daheim gebacken wird, gewinnen und binden wir dadurch Kunden“, sagt Hirth.

Foccacia und Schwarzbierstange

„an humoriger Historie“

Das gilt auch für die unterhaltsame Bühnenshow: Im Mittelpunkt steht dabei unter anderem die Herstellung von Foccacia, eingefärbt mit Sepiatinte und einer Schwarzbierstange – das Ganze garniert mit Verkostungen, Historie und humorigen Histörchen.

„Das Schöne an unser Focaccia ist, wenn‘s verbrannt ist, sieht‘s keiner“, erklärt Jörg Schmid mit Blick auf den gewöhnungsbedürftigen schwarzen Teig, der unter großem Hallo des Publikums unter Einsatz von Olivenöl satt „massiert wird“. Das gleiche wiederholt sich bei der Herstellung der Schwarzbierstange, die am Ende mit einer Krustenauflage mit Pfeffer, Hirse und Kümmel verfeinert wird und die nötige Würze bekommt.

Sauerteig macht in den

Zuschauerreihen die Runde

Während des Knetens und Backens macht ein Sauerteig in den Zuschauerreihen die Runde. Und immer wieder gibt es Backwaren in Körben zum Verkosten. Wie ein Hefefeingebäck unter anderem mit pürierten und in Rum eingelegten Rosinen, Orangenschalen, gemahlener Tonkabohne und Marzipan.

Fürs Publikum eine echte Herausforderung bezüglich „Ansprache“ und Herausschmecken der Besonderheiten. Einigkeit herrscht aber beim Gesamteindruck: Die Frage „Hat‘s Euch geschmeckt?“ produziert donnernden Applaus.

„Eine Brezel ohne

Bauch ist ein Krüppel“

Und so geht es im interaktiven Miteinander lustig weiter. Im Spannungsfeld zwischen Quellstück, Vorteig, Sauerteig Krume und Kruste, von Kompetenz und Kalauer: „Eine Brezel ohne Bauch ist ein Krüppel, wie beim Mann“, meint zum Beispiel Jörg Schmid.

Aufklärung und Werbung

für die Branche

Diese humorigen Zutaten kommen an. Aber den Wildbakers ist es ernst. Sie wollen aufklären und Werbung fürs Bäckerhandwerk machen: „Uns ist wichtig, zu zeigen, wofür wir jede Nacht aufstehen“, sagen sie gegen Ende der Show. Damit haben die beiden Mitglieder der Bäckernationalmannschaft die Halle in Heilbronn gerockt.

„Mich interessiert das Thema Backen. Aber ich hätte nicht gedacht, dass man mit Backen so viele Menschen unterhalten kann“, äußert sich eine Besucherin nach der Veranstaltung und ist mit ihrer Ansicht nicht allein – zumindest an diesem Abend.

 

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