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Mekka für Brotgenuss

Der Domplatz in Brixen hat sich zum Touristenmagnet der Fans von Südtiroler Brotspezialitäten gemausert. Aber nicht
nur der kulinarische Genuss, auch Action unter dem Motto „Vom Korn zum Brot“ stehen jährlich auf dem Programm.+Zur Fotostrecke
Der Domplatz in Brixen hat sich zum Touristenmagnet der Fans von Südtiroler Brotspezialitäten gemausert. Aber nicht nur der kulinarische Genuss, auch Action unter dem Motto „Vom Korn zum Brot“ stehen jährlich auf dem Programm.

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20.000 Besucher in Brixen sprechen eine deutliche Sprache: In Südtirol ist es gelungen, Traditionsbrot als Qualitätsmarke zu etablieren.

Von Reinald Wolf


Bei allem Respekt. Aber Bäcker und ihre Produkte sind in der Regel nicht die besten Verkaufsargumente der Reiseveranstalter. Auch im Zusammenhang mit Südtirol ziehen eher Berg und Tal, Wein und Gesang, Kunst und Kultur. Und Backwaren genießen im besten Fall den Status der mehr oder weniger schmackhaften kulinarischen Beilage.

In Brixen liegt der Fall etwas anders. Hier sind Pusterer Breatln, Südtiroler Weißbrot, Vinschger Paarl oder das Schüttelbrot regelrechte Touristenattraktionen – zumindest an drei Tagen im Jahr. Seit neun Jahren steht da der Domplatz in der 20.000 Einwohner zählenden Kleinstadt im Mittelpunkt des Geschehens. Denn der Südiroler Brot- und Strudelmarkt ist ein internationales Festival der kulinarischen Genüsse rund um die Backwarenspezialitäten der Region. Für zahlreiche Touristen aus Deutschland, Österreich, aus der Schweiz oder aus Italien gehört ein Besuch in Brixen schon zum Jahresprogramm:

 „Für uns ist der Brotmarkt schon seit Jahren willkommener Anlass für einen Besuch in Südtirol“, betont ein Ehepaar aus München stellvertretend für viele Besucher. In dem Zusammenhang haben sich die Südtiroler Brotspezialitäten auch als Mitbringsel bewährt. Denn Schüttelbrot und Co., der Apfelstrudel oder der Zelten (verfeinerte Form des Früchtebrotes) haben außerhalb von Südtirol zwischenzeitlich eine große Fangemeinde. Aber auch die einheimische Bevölkerung weiß die vielfältigen Varianten der Südtiroler Traditionsgebäcke zu schätzen. Immerhin 50 Prozent der Brotmarktgenießer kommen aus der Region.

Dieses Jahr haben sich mehr als 20.000 Besucher vor der malerischen Kulisse des Brixener Doms kulinarisch verwöhnen lassen. Was für das Südtiroler Bäckerhandwerk als sensationeller Erfolg zu werten ist. Der Markt als Marketingmaßnahme: Ein Konzept, das in Brixen effektiv funktioniert. So war es von den Machern auch konzipiert. Ursprünglich aber nicht in Brixen: „Da in Bozen schon zu viele Veranstaltungen laufen, wurde unser Vorschlag seinerzeit von der Stadtverwaltung abgelehnt“, erklärt Richard Schwienbacher, ehemaliger Landesinnungsmeister der Südtiroler Bäckerinnung und Initiator des Südtiroler Brot- und Strudelmarktes. Brixen ist mit einem engagierten und kompetenten Fürsprecher gerne eingesprungen: Bäckermeister Helmuth Profanter hat alle Hebel in Bewegung gesetzt, um den Brotmarkt in Brixen zu installieren.

Bäckerhandwerk gestärkt

Schwienbacher und Profanter wollten das Südtiroler Traditionsgebäck stärker ins Bewusstsein der Verbraucher bringen – im Sinne des Südtrioler Bäckerhandwerks, das sich auch der Konkurrenz mit dem Einzelhandel und den Großbäckern stellen muss. „Wir haben den Brotmarkt genau zur richtigen Zeit gestartet“, so das Fazit von Schwienbacher, für den sich selbst die etwas längere Anreise aus Bozen lohnt. „Für uns geht die Rechnung immer auf“, bestätigt auch Christoph Stampfl, Bezirksinnungsmeister im Eisacktal. Er ist einer der 20 Betriebsinhaber, die den Brotmarkt nutzen, um sich und ihre Produkte zu präsentieren. Man profitiere hier regelmäßig von einem enormen Werbeeffekt.


Aber auch finanziell rechnet sich die Präsenz der Unternehmen auf dem Domplatz: Zwischen 6000 und 10.000 Euro Umsatz werden an den einzelnen Ständen in den knapp drei Tagen gemacht – je nach Angebot. Denn neben den Brotspezialiäten finden außer Apfelstrudel auch Suppen, spezielle Knödelgerichte oder die vor allem bei den italienischen Gästen geschätzten Speckvesper reißenden Absatz – trotz sehr offensiver Preispolitik. 6,70 Euro für ein Kilogramm Roggenbrot oder 3 Euro für eine Scheibe Bauernbrot mit Schinken und Käse überbacken, das sind Angebote, die sich sehen lassen können. Dass die stolzen Preise auch akzeptiert werden, ist andererseits auch beredter Ausdruck von Wertschätzung. Und ein weiterer Beweis dafür, dass es gelungen ist, Brot unter dem Markenzeichen „Qualität Südtirol“ effektiv zu etablieren.

Hier hat sich bewährt, dass der Berufsstand an einem Strang zieht“, freut sich Benjamin Profanter. Der Sohn von Helmuth Profanter und heutige Landesinnungsmeister ist ein absolut engagierter Vertreter seiner Zunft. Er ist einer der Macher des Brotmarktes, nicht nur weil er zusammen mit seinem Bruder drei Tage lang für Action am Holzbackofen sorgt. Für Profanter übrigens das beste Marketinginstrument. Schließlich gehe es darum, auf sich aufmerksam zu machen und „Geschichte zu verkaufen“. In Brixen ist es jedenfalls auf eindrucksvolle Weise gelungen, Kunden und Gästen das Traditionsgebäck Südtirols schmackhaft zu machen.

 

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