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Meister Kruse nutzt den Urlaub

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Thomas Kruse hat seinen Betrieb seit der Wende kontinuierlich aufgebaut. (Quelle: Keller)

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Reif für die Insel

Die Inselbäckerei Kruse auf Rügen hat sich gut entwickelt. Wichtige Faktoren: unternehmerisches Denken nach der Wende – und der Tourismus

Von Thorsten Keller

Es ist die klassische Erfolgsgeschichte der Nach-DDR-Ära, die Thomas Kruse heute zu erzählen weiß, wenn er von der Entwicklung seiner Bäckereikette berichtet. 1924 vom Großvater gegründet, führt Kruses Vater Harry von 1957 bis 1988 die heimische Backstube in Putbus auf Rügen. Bis 1990 bleibt die Putbuser Bäckerei der einzige Laden der Kruses. Am 1. Januar 1988 übernimmt Thomas Kruse den Familienbetrieb. Und der Bäckermeister will mehr: Als die Wende kommt, sieht er die Chance, den Betrieb zu vergrößern. Mit der KfW-Zusage in der Tasche fährt Thomas Kruse 1990 zur Internorga nach Hamburg. Auf seiner Einkaufsliste: Backöfen und adäquate Maschinen, um den heimischen Betrieb auszubauen.

Tourismus belebt das Geschäft

„Mit der Einführung der D-Mark am 1. Juli 1990 haben wir begonnen, West-Backwaren zu verkaufen“, erinnert sich der Unternehmer. Für einen innovativen Bäckereibetrieb in der Zeit nach der Wende ein fruchtbarer Boden. Die DDR-Handelskette Konsum ist in der Entflechtung begriffen, die Landbevölkerung auf Rügen ist unterversorgt. Und der Tourismus auf der Insel entwickelt sich gut. Das heißt die Bäckerei Kruse profitiert auch vom gesamtdeutschen Urlaub.

Thomas Kruse kauft ein Verkaufsmobil, 1991 folgt eine erste . Doch schnell ist die noch kurz vor der Wende umgebaute Produktion in der alten Putbuser Backstube zu klein. 1993 mietet sich Thomas Kruse in der alten Mosterei seiner Heimatgemeinde ein, baut um und produziert fortan von hier. 1994 stoßen drei neue Läden zu den Kruse-Bäckereien hinzu. Drei Jahre lang geht es ruhiger zu, der nächste Wachstumsschub kommt 1997. Thomas Kruse kauft die Mosterei, in der seine Mitarbeiter die Backwaren produzieren, sowie seinen ehemaligen Lehrbetrieb. Ein Jahr später folgt der Gang aufs Festland: Die erste Filiale in Stralsund steht zur Eröffnung an. 2007 setzt Thomas Kruse den Grundstein für die heutige, neue Produktion in Bergen. Im Juli 2008 erfolgt der Umzug. Die Planung ist generalstabsmäßig: „Wir haben Freitagnacht noch bis in die frühen Morgenstunden in der alten Produktion gebacken“, erinnert sich Thomas Kruse. Um vier Uhr morgens startet der Umzugskonvoi. Mit vier LKWs und 56 Umzugshelfern geht es nach Bergen. Nur die Maschinen, die in der alten Produktion nicht mehr benötigt wurden, stehen schon an ihrem neuen Bestimmungsort. Am Samstagabend um halb zehn ist in Bergen alles eingerichtet. 1000 Quadratmeter bebaute Fläche, davon 560 Quadratmeter für Produktion und Kühlung, stehen bereit. Die Produktion an neuer Stätte kann beginnen. Am Sonntagmorgen verlassen die ersten Brötchen aus der neuen Produktion die Halle in Bergen.

Heute besteht die Inselbäckerei Kruse aus 15 Filialen mit Verkaufsflächen von 45 bis zu 160 Quadratmetern – neun im Süden der Insel Rügen und sechs auf dem Festland. Im Norden der Insel hat die Bäckereikette Peters im Laufe der Zeit eine ähnliche Entwicklung genommen wie Thomas Kruses Inselbäckerei. 15 Filialen sollen es letztlich auch bleiben, sagt Thomas Kruse. „Wir kommen uns nicht in die Quere“, schließt der Unternehmer eine nach Norden aus. Doch es sind auch logistische Gründe, die Thomas Kruse dazu bringen, sich eine Filialobergrenze aufzulegen. Die Filialen liegen wie an einer Perlenkette, „Ich habe immer darauf geachtet, dass wir nicht sternförmig wegfahren. Daher können wir alle Filialen mit zwei Lieferfahrzeugen bedienen“, erklärt Thomas Kruse. Zwei weitere Fahrzeuge stehen für die Belieferung der Hotels und Wiederverkäufer unter den Kunden der Bäckereikette bereit. Ein Fahrzeug ist die Reserve für den Sommer, wenn auch ein Campingplatz auf Rügen mit in die Routenplanung aufgenommen wird. „Im Sommer haben wir 25 bis 30 Prozent höhere Umsätze. Auch, weil wir in den Rügener Seebädern einen großen Wiederverkäufer haben“, sagt Thomas Kruse.

Im Winter weniger Umsatz

Die tägliche Produktion der Inselbäckerei ist vor allem im Winter stark rückläufig. Von rund 22.000 Brötchen und 3.000 Broten sinkt die Backleistung in den Wintermonaten auf bis zu 13.000 Brötchen und 2200 Brote täglich. Für die 70 Mitarbeiter des Unternehmens, unter denen sich 15 Produktions- und zwei Verwaltungsmitarbeiter sowie zwei festangestellte Fahrer befinden, bedeutet dies keine Unterbrechung ihrer Beschäftigungsverhältnisse. Sie werden weiterbeschäftigt und erhalten zu den nachfragestarken Zeiten von April bis Dezember in der Produktion Unterstützung von zwei Aushilfen.

Neben den 18 verschiedenen Brötchen- und zehn Brotsorten, die in Kruses Inselbäckerei täglich für die Einheimischen und Urlauber auf Rügen produziert werden, verlassen Tag für Tag auch rund 3000 Kuchenstücke die Produktion in Bergen. Ausschlaggebend ist vor allem die Wetterlage: „Wenn wir schlechtes Wetter haben, geht die Produktion nach oben. Dann werden auch schon mal 5000 Stücke hergestellt,“ erläutert Thomas Kruse.

, Qualität, Qualität

Und wie sieht es mit der Konkurrenz von Seiten der Discounter aus? „Ich sehe das differenziert“, antwortet Thomas Kruse. Die Hälfte seiner Filialen liegen in Vorkassenzonen. „Das ist ein Mix, den man einfach haben muss. Daran halte ich fest, “, sagt Kruse. Die Konkurrenz der Tankstellen fürchtet der Unternehmer hingegen heute nicht mehr: „Als die Tankstellen damals mit dem Backen anfingen, schlotterten uns allen die Knie. Doch das hat sich schnell relativiert“. Stattdessen das klare Bekenntnis zur Qualität der angebotenen Produkte: „Alles, was wir liefern müssen, ist Qualität, Qualität und noch mehr Qualität. Und das Sortiment muss stimmen, denn ich muss hier im ländlichen Raum nicht mit Exotischem kommen. Es reicht völlig, sich dem Markt anzupassen.“

Konsequent verfolgt der Unternehmer die Strategie, seinen jeweils ertragsschwächsten Standort beim Auslaufen des Mietvertrages zu schließen. Wirft eine Filiale nur noch wenig Ertrag ab, hält Thomas Kruse bereits nach einem neuen Standort Ausschau. Die neueste Filiale eröffnete die Inselbäckerei im Dezember 2011 in Negast südlich von Stralsund. Für Thomas Kruse ein Glücksgriff: „Der Standort läuft spitzenmäßig“, freut sich der Unternehmer, der noch 2012 plant, eine der Stralsunder Filialen durch eine größere Filiale an einem neuen Standort zu ersetzen. Thomas Kruse hat seine Chance, die sich durch die Wende im Osten der Republik ergab, genutzt und aus einer einzelnen Filiale in einer kleinen Gemeinde auf der ländlich geprägten Insel Rügen eine Bäckereikette aufgebaut.


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