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Japaner backt deutsche Backwaren

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Seiji Aiuchi aus Tokio und sein „Lehrherr“ Christian Rembor. Foto: Heil

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Prisma

Seiji Aiuchi bereitet sich in der Bäckerei Rembor auf Selbstständigkeit in Tokio vor

Lingenfeld (p). Den Spruch, woanders wird auch Brot gebacken, nahm der 22 jährige Bäckergeselle Seiji Aiuchi aus Tokio, Japan, wörtlich und kam auf Einladung für ein Jahr zur Bäckerei Rembor nach Lingenfeld. Der Grund, er möchte Arbeitsweisen und die Vielseitigkeiten im pfälzischen Backsortiment einer Bäckerei kennen lernen. Das ist nicht der erste Auslandsaufenthalt für den jungen Bäcker, der bereits nach seiner Lehre in der Heimat war er im Jahre 2003 für ein Jahr in Australien, um seine Englischkenntnisse aufzubessern. Auf Arbeitsuche fand er damals in Sydney in einer jüdischen Bäckerei für koschere Backwaren Arbeit und Unterkunft. Backstubenleiter der Bäckerei waren für einige Monate sein jetziges Juniorchef-Ehepaar, Christian und Cordula Rembor. So kam damals auch die Einladung nach Lingenfeld zustande. Ähnlich dem Tokioer Bäcker wollt auch Christian Rembor auf dem Wege der Selbstständigkeit und der anstehenden Meisterprüfung im Bäckerhandwerk seine Berufskenntnisse in Australien und anschließend in der Toskana in Italien internationalisieren.

Für Seiji Aiuchi erfüllte sich mit der Einladung der lang gehegte Wunsch, einen Aufenthalt in Deutschland, aus dem ihm sein Vater, langjähriger Trainer und Betreuer der Nationalmannschaft der japanischen Skispringer von seinen Aufenthalten in Oberstdorf, Allgäu, erzählt hatte. In Tokio wohnt Seiji noch mit zwei Schwestern und einem Bruder bei den Eltern im Zentrum der Millionenstadt Tokio in einer ca. 60 qm Wohnung inmitten von Hochhäusern und vor der Haustür autobahnähnliche Straßen.

Dagegen ist für den Weitgereisten das dörfliche Lingenfeld eine andere Welt. Erstaunt hat er sich nach der Ankunft bei seinen Gastgeber erkundigt, was das sei, als eine Glocke der ca. 80 Meter 100 Meter entfernten Kath. Kirche um 12 Uhr mit dem Mittagläuten begann. Glockengeläute war ihm völlig unbekannt. Die ersten Tage war er etwas unsicher, wie er sich verhalten soll, wenn er angesprochen oder gegrüßt wurde. Denn, das von zu Hause übliche höfliche Lächeln und die Verbeugungen mit den Händen am Oberschenkel verunsicherte oft seinen Gegenüber. Inzwischen versucht er, sich mit seinem gewohnt freundlichen Lächeln den Pfälzer Geflogenheiten anzupassen, was aber oft noch unbewusst mit mehreren Verbeugungen endet.

Umgangssprache in und außerhalb der Backstube ist englisch, wobei er sich redlich bemüht vorerst wenigstens Namen, der in der Bäckerei gebrauchten Zutaten und die Backwaren auf deutsch zu lernen. Die beim einjährigen Aufenthalt erworbene Pfälzer Backkunst will er nach seiner Rückkehr umsetzen. Für alles Deutsche, besonders in der Backbranche herrscht nach seiner Meinung in Japan zur Zeit ein riesiger Nachholbedarf. Immer noch überwiegen in den Familien Reisgerichte im Speiserhythmus der verschiedenen Tageszeiten. Auch in seiner Familie war Brot, besonders Roggenbrot nach europäischer Art vor Beginn seiner Bäckerlehre weitgehend unbekannt und galt als exotisch.

In Sachen Brotsorten gibt es kaum Auswahl. Bei seinem Arbeitgeber wurde nur Kastenbrot aus Weißmehl gebacken. Diese Lücke will Seiji Aiuchi nutzen. Bei der jüngeren Generation in der Stadt ersetzt bereits der Konsum von Minibaguettes für zwischendurch immer mehr die traditionellen Reisgerichte. In Zukunft möchte er in Tokio als selbstständiger Bäcker in der Pfalz übliche Backwaren mit deutschem Namen und japanischer Erklärung anbieten. So sollen Pfälzer Brotsorten nach Rezepten der Bäckerei Rembor gebacken in Tokio als „Bauernbrot – Heig Pan“ und in Lingenfeld üblicher „Kümmelsparren – Hashira- Pan“ heißen. Dasselbe soll auch für Laugengebäck wie Brezeln oder allerlei Pfälzer Kuchensorten wie Käse-, Streusel- und Zwetschgenkuchen und besonders für Schwarzwälder Torte gelten, die durch den Tourismus in Japan sehr bekannt wurden.

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