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In Seoul kommen deutsche Brezeln auf den Tisch

Gebäcke mit Roggenanteil und Sauerteig oder mediterranem Charakter sind ebenso beliebt wie Butterkuchen und Rhabarberschnitten. (Quelle: Vetter/Fotolia)+
Gebäcke mit Roggenanteil und Sauerteig oder mediterranem Charakter sind ebenso beliebt wie Butterkuchen und Rhabarberschnitten. (Quelle: Vetter/Fotolia)

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Michael Richter hat als Konditor-Bäcker in vielen Teilen der Welt gearbeitet und betreibt jetzt den „Bakerstable“ in der Hauptstadt Südkoreas

Von Dieter Kauffmann

Asien hat mich schon immer fasziniert. Ich weiß auch nicht so genau, warum", sagt Michael Richter. „Ein Grund sind sicher die vielen Möglichkeiten des Arbeitens in unserem Beruf, das hat mich gereizt. Man kann vieles ausprobieren, kann auch mal spielen.“

Durch das Telefon sind das Fernweh und die Leidenschaft für das Außergewöhnliche zu spüren, die den 52-Jährigen antreiben. Aktuell führt er in Seoul, der Hauptstadt von , an drei Standorten den „Bakerstable – European Bread and Food“ (dt.: Tisch des Bäckers – Europäisches Brot und Essen).

Lebensweg mit

Höhen und Tiefen

Über seinen beruflichen Lebensweg mit seinen Erfolgen, aber auch mit seinem Scheitern, spricht Michael Richter ganz offen. Er stammt aus einer Bäcker- und Konditorenfamilie aus Wermelskirchen, einer Kleinstadt zwischen Leverkusen und Köln. Sein Vater wollte, dass er „was Besseres“ lernt, deshalb hat Richter eine Konditorenlehre gemacht.

Direkt nach der Lehre

packt ihn das Fernweh

Schon in dieser Zeit habe in das Fernweh gepackt, sagt er und geht direkt nach der Lehre nach England. Dort arbeitet er in einem von Schweizern betriebenen Restaurantzentrum mitten im Herzen von London.

„Die Mischung aus Restaurant, Patissierie und Bäckerei hat mir gut gefallen, denn ich konnte in allen Bereichen arbeiten und habe vieles gelernt“, sagt Richter zu den ersten Auslandserfahrungen.

Über eine Stellenanzeige im Fachmagazin Konditorei & Café kommt er als 20-Jähriger in eine Konditorei nach New Jersey, USA. „Ich bin da ganz blauäugig hingefahren – wusste nicht, was auf mich zukommt“, sagt Richter und erzählt, dass er ganz schnell mit den Tatsachen konfrontiert wurde: „Der Chef, der mich eingestellt hat, war schon nicht mehr da. Ich war völlig auf mich allein gestellt.“

Nach einem knappen Jahr geht er wieder zurück nach Deutschland. Er fängt im Hotel Interconti als Patissier an, wird schnell Assistent Patissier Chef. Dann folgt er innerhalb der Hotelkette einem Ruf nach Hongkong und wird dort mit 25 Jahren der jüngste Chef Patissier mit 17 Mitarbeitern.

Stelle in Hongkong

wird zur Herausforderung

Aber diese Stelle wird für Michael Richter zur Herausforderung. „Ich war da an dieser Position der erste Weiße, das fanden viele nicht so lustig“. Er habe sich aber durchgebissen. Drei Jahre zieht er nach Südkorea.

Im Jahr 1993 geht er mit seiner Familie nach Deutschland und legt die Konditormeisterprüfung ab. Seine Eltern zuliebe übernimmt er den Betrieb in Wermelskirchen. „Aber dann ist der Generationenkonflikt zwischen meinem Vater und mir voll ausgebrochen. Das hat dann nicht mehr geklappt.“

Richter geht im Jahr 2000 mit seiner koreanischen Frau wieder zurück nach Seoul und steigt dort in die Gastronomie ein.

Nach den familiären Probleme fängt er 2010 wieder bei Null an. „Ich musste mich wie so oft auf meine Wurzeln besinnen“, sagt Michael Richter.

Er beginnt mit drei Mitarbeitern und gebrauchten Maschinen in Seoul sein Geschäft. Jetzt hat er 30 Angestellte und stellt täglich ein breites Sortiment deutschen Backwaren her.

Probleme bei der Rohstoffbeschaffung habe er keine. „Auch in Seoul kennt man deutsche Backzutatenhersteller, und bei anderen Zutaten muss man etwas kreativ sein“, sagt er. Die meisten Teige werden über lange Führungen hergestellt: Abends werden die Teige geknetet und am nächsten Tag aufgearbeitet. Schwerpunkte des Angebots sind Brot, Kleingebäcke, Blechkuchen und Snacks.

Sein Stadtbezirk sei mittlerweile zur In-Gegend geworden, da habe er keine Absatzschwierigkeiten. Er kämpfe eher mit Personalwechsel und steigenden Mieten.

Aber trotz aller Schwierigkeiten ist Richter stolz auf seinen Beruf: „Ich kann jungen Leuten nur empfehlen, so einen Beruf zu erlernen. Ich habe viel gesehen von der Welt und konnte damit überall was anfangen.“

 

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