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In Down Under mit German Bread immer obenauf

Mit einem Lieferfahrzeug (von links): Marion Dieterle, Glenn Marder und Carmen Bertram. (Quelle: privat)+
Mit einem Lieferfahrzeug (von links): Marion Dieterle, Glenn Marder und Carmen Bertram. (Quelle: privat)

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Der Schwabe Glenn Marder hat vor zehn Jahren eine kleine Bäckerei in Australien gekauft und sie zu einem großen Unternehmen ausgebaut

Von Reinald Wolf

Glenn Marder ist eine bodenständiger und bescheidener Typ, für den das Feiern eine eher untergeordnete Rolle spielt. Nach dem Motto: erst die Arbeit, dann das Vergnügen. Ende vergangenen Jahres aber hatte der Bäckermeister gute Gründe zum Feiern – seinen 40. Geburtstag und das 10-jährige Jubiläum seiner Little Home Bakery. Ort der Handlung: Perth in Westaustralien.

Das Besondere dabei: Marder ist kein Australier – noch nicht, muss man sagen. Jahrelang musste er immer wieder ausreisen, um sein Jahresvisum zu verlängern. Zwischenzeitlich hat er ein „Permant Visum“.

wird erfolgreicher

australischer Unternehmer

Der agile Schwabe kommt aus Nehren bei Tübingen, ist vor zehn Jahren mit seiner Partnerin Carmen Bertram ausgewandert und am anderen Ende der Welt sesshaft geworden. Mit Erfolg, denn er hat den Umsatz seiner Bäckerei in dieser relativ kurzen Zeit verachtzehnfacht – von 180.000 auf 3.300.000 australische Dollar! Sein Erfolgsrezept: „Du musch halt schaffa“, betont er mit schwäbisch-gelassenem Understatement.

Was er dabei unterschlägt: „Glenn ist ein sehr guter Fachmann, sehr aufgeweckt, kreativ und unternehmerisch orientiert“, wie ihm Gerhard Dieterle attestiert. Marders ehemaliger Berufsschullehrer an der Kerschensteinschule in Reutlingen schwärmt von den Qualitäten seines ehemaligen Schülers, die er in erfolgreich umgesetzt hat.

Die Ausbildung zum Bäcker hat Glenn Marder bei der Bäckerei Hornung in Dußlingen, dem Nachbarort seines damaligen Heimatgemeinde gemacht. Die Kerschensteinschule besuchte er von 1992 bis 1994. Seinen Meister hat Marder 1999 an der Württembergischen Bäckerfachschule in Stuttgart gemacht.

In der ABZ Fachehepaar für

Bäckerei in Perth gesucht

Auslöser für die Auswanderung war 2004 eine Anzeige in der Allgemeinen BäckerZeitung (ABZ), in der ein Fachehepaar zur Übernahme und zum Kauf der gut etablierten „Littel Home Bakery“ in Perth gesucht wurde – zum Verkaufspreis von 80.000 australischen Dollar, was damals 48.000 Euro entsprach. Der Jahresumsatz wurde mit 140.000 Dollar angegeben (siehe rechts).

Marder hat seine Chance gesehen, sich in Australien eine unternehmerische Existenz aufzubauen. Und er wurde von seinem Berufsschulleher, dessen Frau gebürtige Australierin ist, darin bestärkt, den Schritt zu wagen. „Ich war damals als Backstubenleiter angestellt und habe eine neue Herausforderung gesucht – und in Perth gefunden“, erklärt Glenn Marder.

Seit September 1995 sind er und Konditormeisterin Carmen Bertram Eigentümer der kleinen Bäckerei: „40 Quadratmeter Backstubenfläche, ein uralter Elektrobackofen, eine alte Knetmaschine, eine alte Fortuna Teigteil- und Wirkmaschine und eine Ausrollmaschine waren damals vor Ort“, erinnert sich Gerhard Dieterle, der Marder in den vergangenen Jahren mehrfach besucht hat.

„Es waren teilweise erschwerte Bedingungen. Viele Rohstoffe zur Herstellung von Backwaren waren nicht zu bekommen“, so Dieterle. Da sei Marders Fachwissen und Improvisationstalent gefragt gewesen. So habe er Natriumhydroxyd gekauft und verdünnt, um seine Laugengebäcke damit herstellen zu können.

Mittlerweile – nach Umzug und Erweiterung des Unternehmens – produziert Glenn Marder in einer mit modernsten Maschinen und Backöfen ausgestatteten 880 Quadratmeter großen Produktionshalle.

Die Littel Home Bakery verarbeitet jährlich 245.000 Tonnen Mehl und beliefert rund 120 Kunden im Lebensmitteleinzelhandel, der Gastronomie und der Hotelerie. Darunter auch das Hyatt, weltweit eine der größten Hotelketten. Nur 5 Prozent des Umsatzes macht Marder mit dem Verkauf am Firmensitz.

Brezeln, Brötchen, Brote und

glutenfreie Spezialitäten

Insgesamt reicht das Sortiment von der Schwäbischen Laugenbrezel über verschiedene Kleingebäcke bis hin zu Vollkornbroten. Zahlreiche Feine Backwaren runden das Sortiment ab. Die Brezel verkauft Marder zum stolzen Preis von 1,80 Dollar. Das Weizensauerteigbrot (White Sourdough) für 5,80 Dollar (680 g).

In einem abgetrennten Bereich werden neuerdings auch Gluten freie Backwaren hergestellt. Die Lieferungen übernimmt eine Spedition. In der Backstube arbeiten acht Mitarbeiter, sechs davon sind Bäckergesellen aus Deutschland. Der Grund: In Australien ist es schwierig, gute Fachkräfte zu bekommen, und so hat Dieterle in den vergangenen Jahren immer wieder Gesellen aus Deutschland in die Littel Home Bakery vermittelt.

„Abgesehen von den wertvollen fachlichen und kulturellen Erfahrungen, die man dabei macht, hat das noch einen weiteren Vorteil“, weiß Dieterle: „Glenn zahlt richtig gut. Aber man muss auch Vollgas geben.“ Nach dem Motto, das Marder in Down Under perfekt umgesetzt hat: „If you want to make money, you can make money.“

 

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