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Hoch, höher, extrem

Begegnung mit den Massai am Kilimanjaro. (Quelle: privat)+
Begegnung mit den Massai am Kilimanjaro. (Quelle: privat)

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Bäckermeister Franz Wandinger (60) fühlt sich dort wohl, wo die Luft dünn wird: auf den Gipfeln von Bergen jenseits von 6000 Metern Höhe

Von Reinald Wolf

Es war nicht immer Musik, aber auf allen meinen Gipfeln war das Jagdhorn dabei“, sagt Franz Wandinger, der schon immer hoch hinaus wollte. Seit seinem achten Lebensjahr ist der Bäckermeister in den Bergen auf der Pirsch. Die ersten Jahre mit seinem Vater, der ebenfalls Bäckermeister war.

„Da machten wir teilweise zehnstündige Touren“, sagt Wandinger, der eine angesehene Bäckerei in Leutkirch im Allgäu betreibt, seit sechs Jahren Obermeister der Bäckerinnung Ravensburg ist – und dessen Namen fast schon Programm ist.

Das Extreme beginnt

mit dem Kilimanjaro

Dass mit den Wanderungen der Grundstein für Expeditionen nahe der Todeszone ab Höhenmeter 7000 gelegt wurde, hat er damals nicht geahnt. Zahlreiche Alpengipfel pflastern seinen Weg. Aber das Extrembergwandern hat Ende Januar 1999 mit der Besteigung des Kilimanjaro (5895m), dem höchsten Berg Afrikas begonnen.

Zwischenzeitlich hat Wandinger unter anderem den Elbrus im Kaukasus (5642m), den Chimborazo (6310m) in Ecuador und den Aconcagua (6962m), den höchsten Berg zwischen Argentinien und Chile „gemacht.“

Expeditionen mit „in mehrfacher Hinsicht atemberaubenden Erlebnissen“, wie sich Wandinger ausdrückt. Denn zu den grandiosen Aussichten und Naturerlebnissen gehört in diesen Höhenbereichen auch die „dünne Luft“. „Auf dem Aconcagua hatten wir einen Sauerstoffgehalt von 38 Prozent im Vergleich zu hiesigen Verhältnissen“, sagt der 60-jährige Bäckermeister.

Schlafen nur im

Sitzen möglich

Atemnot, das wird nicht nur beim Aufstieg zum Problem – trotz guter Vorbereitung mit Akklimatisationsphasen. Auch das Schlafen kann schwierig sein: „Ich musste am Aconcagua versuchen, sitzend zu schlafen, weil der Druck auf meine Brut unerträglich war“, sagt.

Deshalb sei eine gute Vorbereitung überlebenswichtig, sagt er und nennt die vier Hauptfaktoren, von denen der Gipfelerfolg abhängig ist: „Klima in Abhängigkeit der Jahreszeiten, Zeitumstellung, Höhe – und Mikroorganismen.“

Magen-Darm-Infekte

versuchen zu vermeiden

Ja, man müsse sich in der Tat dagegen wappnen, dass die Expedition an einer Magen-Darm-Geschichte scheitere. Denn die Gefahr laure auch im Schmelzwasser aus Schnee, das in diesen Höhen benutzt werde. Da gebe es zwar entsprechende Desinfektionsmittel, aber besser sei, sich auch diesbezüglich im Vorfeld anzupassen.

Skitouren

für die Fitness

Zur Vorbereitung gehört vor allem, sich fit zu halten. Diesbezüglich ist Franz Wandinger gut aufgestellt. Denn das Wandern in den Bergen ist ein Hobby, das er seit der Kindheit ununterbrochen betreibt. Hinzu kommt, dass er im Winter regelmäßig Skitouren unternimmt.

„Als Bäcker hast du schon eine Grundkondition. Schließlich sind wir gewohnt, in der Backstube auch mal 12 Stunden und mehr zu marschieren“, sagt Wandinger, der im örtlichen Musikverein an der Trompete oder am Horn regelmäßig seinen langen Atem beweisen kann. „Jedenfalls macht sich das bei Touren über 10 Stunden bemerkbar. Gegen Ende gehe ich dann meistens voran.“

Auch in die Nähe des Mount Everest hat sich Wandinger schon gewagt. Allerdings nicht aufs Dach der Welt. „Das ist mir dann doch einen Tick zu teuer und anspruchsvoll.“ Immerhin war er 2013 im pakistanischen Städtchen Shimshal im Karakorum auf 3001 Meter Höhe, um eine Lehrerin aus Leutkirch zu besuchen und von dort Expeditionen auf 6000er zu machen.

Für seine Expeditionen hat sich Wandinger eine Truppe Einheimischer zusammengestellt - für umgerechnet fünf Euro pro Tag und Expeditionsmitglied. „Am Ende durfte ich noch eine Ziege für den Gipfelerfolg spendieren“, sagt Wandinger.

Insgesamt habe er auch da unvergessliche Erlebnisse mitgenommen. „Man darf nicht vergessen, das Karakorum ist das wildeste, steilste, unzugänglichste und lebensfeindlichste Gebirge weltweit“, sagt der Naturbursche mit Meisterbrief im Bäckerhandwerk.

Wandinger will

das Risiko minimieren

Was ihn nicht davon abhalten wird, nochmals dort hinzuzureisen. Aber ansonsten will er bei Extremtouren kürzer treten. „Ich will kein größeres Risiko mehr eingehen und werde die extremen Höhen künftig meiden“, sagt Wandinger. „Ich habe noch ein paar Arbeitsjahre und ich liebe meinen Beruf.“ Außerdem: In den tieferen Höhenlagen kommt das Gipfel-Jagdhorn musikalisch eh besser zur Geltung.

 

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