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Hier sind Bäcker die Gastgeber im Café

Norwegens Hauptstadt Oslo: ein attraktives Reiseziel – mit zahlreichen Bäckerei-Cafés. Fotos (2): Fotolia (Quelle: Figurniy Sergey)+
Norwegens Hauptstadt Oslo: ein attraktives Reiseziel – mit zahlreichen Bäckerei-Cafés. Fotos (2): Fotolia (Quelle: Figurniy Sergey)

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In Norwegens Hauptstadt Oslo wird viel Kaffee getrunken / Interessantes landestypisches Gebäckangebot

Von Iris Treiber

Cafés werden von Konditoren betrieben. Das ist die klassische Sichtweise, die in Deutschland über Jahrzehnte auch Gültigkeit hatte, aber heute neu bewertet werden muss. Andernorts sieht das seit jeher anders aus.

In Norwegen zum Beispiel, denn wo nur wenige Konditoren agieren, kann es auch kaum Konditorei-Cafés geben. Dort haben Bäckereien die Aufgabe übernommen, neben der Ladentheke einen Gastraum zu eröffnen.

Der Kaffeekonsum

in Norwegen ist hoch

Denn der Bedarf ist da: Die Norweger gehören mit durchschnittlich 4,1 Tassen pro Tag und Person zu den Weltmeistern im Kaffeetrinken. Zum Vergleich: Deutschland bringt es lediglich auf 1,8 Tassen. Und wo so viel Kaffee getrunken wird, muss es auch viele Kaffeelokale geben.

In der Hauptstadt Oslo gibt es die und sie lassen sich im Wesentlichen in drei Typen einteilen: die Kaffeebar für den schnellen Schluck oft selbst gerösteter Kaffees, das Bäckerei-Café für den kleinen Gebäck-Imbiss zum Kaffee und das klassische Kaffeehaus für die gepflegte Kaffeetafel.

Die beiden großen Osloer Kaffeehäuser bestehen seit etwa 1900 und sind zwei großen Hotels angeschlossen. Ansonsten sind die Cafés fast ausschließlich in der Hand von drei Bäckerei-Filial-Unternehmen, die aus traditionellen Bäckereien hervorgegangen sind.

Mit dem Sortiment

typischer Mischbetriebe

Die führenden Backwaren-Cafés arbeiten mit Filialen. Wie in Oslo üblich, holen sich die Gäste ihre Speisen und Getränke selbst an der Verkaufstheke. Milch, Zucker, Butter und Marmelade stehen immer als Zugabe bereit.

19 Osloer Filialen und zehn weitere im übrigen Norwegen unterhält „Baker Hansen“. Das Familienunternehmen wird in der fünften Hansen-Generation betrieben. Zum Sortiment gehören neben der norwegischen Spezialität Boller auch Torten, viele verschiedene Brote, Brötchen, Dauergebäck, Wiener Gebäck, Muffins, belegte Brote.

Das Sortiment bei der Bakeri W.B. Samson ist ähnlich. Auch sie geht nun mit 24 Filialen in die fünfte Generation. W.B. Samsons Besonderheit: Seit 1894 gibt es Julekake, den norwegischen Weihnachtskuchen, ein haltbarer, saftiger Laib aus Hefesüßteig mit Rosinen und Sukkade.

Auf fünf Bäckerei-Café- und drei Restaurant-Filialen kommt die Åpent-Bäckerei. Der Betrieb wurde 1998 von Emmanuel Rank und Øyvind Lofthus in einer ruhigen Straße hinter dem Schloss gegründet.

Dort befindet sich noch heute die Backstube. Produziert wird mit wenigen kleinen Maschinen und viel Handarbeit. Um eine besondere Qualität zu erzielen, reifen die Teige lange. Auch in diesem Mischbetrieb gibt es vom Brot bis zu Torten alles.

Das Hefegebäck „Bolle“

ist Pflicht für alle

Überall gibt es das typisch norwegische Hefeteilchen, den Bolle. Die Boller gibt es in vielen Variationen: rund, geflochten, gerollt, mit Zimt, Rosinen, Vanillecreme, Cranberries, pur ...

Besonders beliebt ist der Skolebolle, das Schulgebäck, das auf eine mehr als 50-jährige Geschichte zurückblickt. Es wurde ursprünglich als Schulverpflegung gebacken, ist fladenförmig, hat einen Klecks Vanillecreme und wird mit Kokosraspeln bestreut.

Das Preisniveau

macht Norwegen teuer

Dass ein belegtes Brötchen umgerechnet 7 bis 12 Euro kosten kann, liegt am Preisniveau in Norwegen. Ein Rosinenbrötchen kostet nicht unter 2,50 Euro, ein Muffin 3,70 Euro der Skolebolle mindestens 4,50 Euro.

abz@matthaes.de

 

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