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Hartz IV-Brot ist der Renner in Hannover

Die Kundschaft freut’s: Bäckermeister Ngoc Quien Dang und seine Frau Dang Phuong Thao verkaufen mit steigender Nachfrage das Hartz IV-Brot. +
Die Kundschaft freut’s: Bäckermeister Ngoc Quien Dang und seine Frau Dang Phuong Thao verkaufen mit steigender Nachfrage das Hartz IV-Brot.

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30 Prozent Geschäftseinbußen zwingen Bäckermeister Dang zu neuen Geschäftsideen

Hannover (lic). Da staunen die Kunden. Im Ladengeschäft von Bäckermeister Ngoc Quiyen Dang (43) gibt es ein neues Brot. Unter dem Namen „Hartz IV“ kommt jede Woche eine andere Sorte Brot, immer 500 Gramm schwer, zu 99 Cent ins Angebot. Die Interessenten kommen inzwischen von weit her, um das Brot zu kaufen.

Ngoc Dang: „ Die Idee bekam ich, weil Stammkunden mir ihr Leid klagten. Das Geld ist knapp geworden und in Hannover Linden wird das besonders deutlich. Da hatte ich die Idee zu dem neuen Produkt. Und es kommt hervorragend an.“

Der Vietnamese hat eine lange Erfolgsgeschichte hinter sich. Vor etwa 25 Jahren wurde er von der Besatzung des Schiffes Cap Anamur gerettet. In Recklinghausen rührte Bäckermeister Josef Lenzmann die Leidensgeschichte und er bot dem jungen Mann eine Lehrstelle und in vielen Dingen persönliche Hilfe an. Am 7. März 1994 legte er vor dem Prüfungsausschuss und der Handwerkskammer Münster seine Meisterprüfung ab.

In Hannover machte sich Dang 1997 selbstständig. Er hat heute einen Betrieb und drei Verkaufsstellen mit 20 Mitarbeitern. „Ich schulde meinem Lehrherrn, der heute mein guter Freund ist, viel. Deutschland aber auch und dafür möchte ich Dank sagen. Das Hartz IV-Brot für 99 Cent ist mein Beitrag, damit auch Leute die wenig Geld haben, täglich ihr Brot in einem Handwerksmeisterbetrieb und nicht im Supermarkt kaufen können.“

Dang fragt seine Kunden, was sie im Brot haben möchten. So gibt es Kürbis-, Sonnenblumen-, Leinsamenbrot und andere „schlichte Sorten“ in wöchentlichem Wechsel. Das Geschäft boomt. Dang: „Ich habe derzeit etwa 30 Prozent Verkaufsrückgang wegen der knappen Geldlage meiner Kunden und muss mir etwas einfallen lassen. Das honorieren vor allem die Stammkunden, die vielleicht weniger kaufen, aber immer treu kommen. Die loben das preiswerte Angebot ganz besonders und ich freue mich über die strahlenden Augen.“ Bäckermeister Dang ist stolz, ein „Deutscher Bäckermeister“ sein zu dürfen. Vom Hartz-Brot verkauft er jeden Tag 30 Stück, dazu hat er noch viele andere Produkte aus eigenem Ideenfundus.

Warmes, gebackenes Müsli, etliche Brötchen- und Brotsorten, die bei den Prüfungen immer erstklassig abgeschnitten haben und Feingebäck, das es in dieser Art eben nur hier zu verkosten und zu kaufen gibt.

„Ich denke an eine vielleicht beginnende Armut, ich kenne das und bin unendlich dankbar, in diesem schönen Land leben zu dürfen. Daher sehe ich es auch als meine Pflicht an, einen persönlichen Beitrag zu leisten. Mal sehen, ob mir noch was einfällt.“

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