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Hannes kann es!

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Bäcker mit Sendungsbewusstsein: Hannes Weber hat beim SWR-Fernsehen in einer eigenen Sendung „Lust auf Backen“ gemacht.

Von Reinald Wolf


Kompetent, souverän, engagiert, redselig, gut gelaunt – und rastlos. Hannes Weber ist Bäcker aus und mit Leidenschaft, aber kein Typ, der sich längere Zeit mit monotonen Aufgaben beschäftigen kann. Und das ist auch gut so. Denn ohne diese menschliche Schwäche hätte er es nicht zum ersten Fernsehbäcker Deutschlands mit eigener Sendung gebracht. Sieben Jahre, nachdem der Konditor und Bäckermeister in den elterlichen Betrieb eingestiegen ist, überkam ihn eine leichte Sinnkrise. Eine neue Herausforderung musste her. Was lag da näher, als sein Können vor der Kamera zu präsentieren? „Backen kann ich, reden kann ich. Warum sollte ich nicht – wie die Fernsehköche – eine Backsendung bestreiten können?“, waren seine Überlegungen. Doch so locker der Spruch, so steinig der Weg. Jahrelang hat der heute 33-Jährige bei Fernsehsendern Klinken geputzt und reihenweise freundliche Absagen kassiert. Der mutmaßliche Grund: Backen ist nicht sexy, backen bringt keine Quote. Aber Weber hat nicht locker gelassen. Ein Fernsehkoch hat ihm schließlich die richtigen Kontakte vermittelt. Johann Lafer hat so dafür gesorgt, dass er beim SWR-Fernsehen einen Fuß in die Tür bekommen hat.

Ergebnis: Im Herbst 2007 hatte der Unternehmer aus Friedrichshafen am Bodensee seinen ersten Auftritt in einer Sondersendung der Serie „Kaffee oder Tee“. Ein kurzer und aufregender Einsatz – mit nachhaltigen Folgen. Denn fortan war Hannes Weber bei „Kaffee oder Tee“ ein regelmäßiger und gerngesehener Showmaster in Sachen Backen. Ab 2008 konnte er dann regelmäßig sein Sendungsbewusstsein ausleben und seine Präsenz vor der Kamera optimieren. Eine nicht immer ganz leichte Aufgabe, wie Weber betont: „Hinter dem, was in der Sendung so locker rüberkommt, steckt oft harte Arbeit, musste ich bei der Gelegenheit feststellen.“

Und es kam noch dicker: Eine eigene Sendung! Mit „Lust auf Backen“ hat der smarte Schwabe einem breiten Publikum das Backen buchstäblich schmackhaft gemacht – in insgesamt 24 knapp halbstündigen Sendungen. Und mit recht beachtlichem Erfolg: „Die Einschaltquote von fünf Prozent war ganz okay – wenn man bedenkt, dass wir auf einem toten Sendeplatz angetreten sind“, macht Weber deutlich, dass da noch Potenzial schlummert. Das sieht auch der SWR so. Denn Samstagnachmittag ab 15:30 Uhr schauen viele Zeitgenossen lieber beim Kicken als beim Backen zu. Aber ab Oktober 2012 werden die Sendungen mittwochs ab 18:30 Uhr wiederholt. Es ist davon auszugehen, dass das höchst unterhaltsame Rezeptduett mit Moderatorin Heike Greis auf noch mehr Resonanz stoßen wird.

Hat sich nun der Aufwand für den Unternehmer gelohnt? „Finanziell hat es gepasst. Wichtiger aber ist, dass ich mir etwas beweisen konnte und damit auch mein Selbstwertgefühl als Bäcker aufgewertet habe. Außerdem: Dem Image meines Unternehmens und der Branche hat es sicher nicht geschadet. Schließlich habe ich gezeigt: Was Köche machen, können Bäcker auch“, so Webers Fazit.

Übrigens: Neben seinen Aktivitäten vor der Kamera hat der umtriebige Unternehmer einen neuen Produktionsstandort mit Bäckerei-Café aufgebaut. Webers Caféhaus am Flughafen von Friedrichshafen erfreut seit der Eröffnung in diesem Jahr zunehmender Beliebtheit. Und unter den Gästen finden sich regelrechte Weberfans: „Wir haben keine Sendung von ‚Lust auf Backen’ verpasst“, gibt ein Paar mittleren Alters stellvertretend für viele Gäste des Cafés zu Protokoll. „Eine tolle Backsendung und jetzt nutzen wir öfter die Möglichkeit, die guten Rezepte von Herrn Weber auch life genießen zu können.“

Im Moment hat Hannes Weber Sendepause. Fast: Denn wie es sich für einen Fernsehbäcker gehört, betreibt er am neuen Standort eine Gläserne Produktion und ist an vier Tagen in der Woche in der eigenen Backstube zu bewundern.

Wie lange, wird sich zeigen. Denn spätestens seit der Sendung „Roggenbrot mit Sauerteig“ wissen nicht nur die Macher beim SWR, dass backen eben doch sexy ist. Hier haben Greis und Weber den Assoziationsspielraum zwischen Rundwirken und Roggenkörbchen genutzt, um Lust auf mehr zu machen … Fazit: Hannes kann es!

 

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