ABZ - Das Fachportal für Bäcker

Gesunde Happen für Genießer

Therese Lenhart (links) und Mandy Scholz präsentieren den 2012 erstmals gebackenen Aronia-Stollen im Hauptgeschäft der Bäckerei Hübner (großes Foto). Beim Aroniafest bot Mandy Scholz die Aronia-Brote an.+Zur Fotostrecke
Therese Lenhart (links) und Mandy Scholz präsentieren den 2012 erstmals gebackenen Aronia-Stollen im Hauptgeschäft der Bäckerei Hübner (großes Foto). Beim Aroniafest bot Mandy Scholz die Aronia-Brote an.

Weitere Artikel zu


Von

Backen mit der Aroniabeere ist vielfältig und innovativ

Der Messestand der GmbH in Halle 21 war zur diesjährigen Grünen Woche in Berlin schon bald kein Geheimtipp mehr. In einer Schauküche wurden für die Besucher leckere Gerichte aus und mit der Apfelbeere zubereitet, darunter Aronia-Bratwurst, Aronia-Gulasch und Aronia-Rouladen, zu denen standesgemäß natürlich Aronia-Brötchen und Aronia-Brot gereicht wurden. „Wir waren erstmals restlos ausverkauft – und das täglich“, freute sich Maria Frenkel vom Rohwarenvertrieb des Unternehmens, die seit dem vergangenen Herbst die Aroniabeeren in getrockneter Form oder als Direktsaft vor allem den Nahrungsmittelhandwerkern etwas näher bringen möchte www.aronia-original.de ). Das einzigartige Rezept hat Therese Lenhart, Mitglied der Deutschen Bäcker-Nationalmannschaft, entwickelt und mit diesem innovativen Brot mit Gesundheitsaspekt auf der Sigep-Fachmesse 2012 in Rimini den 2. Platz belegt. Eigentlich ist die Schwarzfrüchtige Eberesche, die ursprünglich aus dem östlichen Nordamerika stammt, eine Saisonfrucht, die im August/September geerntet wird. „Doch mit diesen frischen Aroniabeeren kann man kein ansehnliches Brot backen, weil der Saft der auch als Färbemittel verwendeten Früchte den Teig lila-grau und damit unansehnlich machen würde“, erläuterte die Bäckermeisterin, die sich gegenwärtig im Babyurlaub befindet. Also griff die junge Frau auf getrocknete Beeren zurück, die jedoch sehr fest und herb sind.

Getrocknete Beeren einlegen

Damit das Brot dem Genießer dennoch ein besonderes Geschmackserlebnis beschert, werden die getrockneten Beeren eingelegt, um etwas Süße aufzunehmen und der Teig wird mit Ingwer, gerösteten Mandeln und Honig veredelt und abgeschmeckt. Nach einem halben Dutzend Backversuchen war Therese Lenhart mit ihrem Spezialbrot zufrieden, das mit solchen Belägen wie Honig, Naturfrischkäse und Räucherschinken besonders gut harmoniert. „Oder man kann es im Ofen mit Curry, Mandarine und Käse überbacken“, schwärmt Mandy Scholz.

Doch selbst in Sachsen sind Aronia-Backwaren (noch) eine Rarität. Neben der Bäckerei Hübner in Dresden-Eschdorf, die die Geschwister Mandy Scholz und Olrik Hübner in bereits fünfter Generation führen, und der Bäckerei Robert Scholz in Pirna werden Aronia-Backwaren nur von den Bäckereien Gnauck in Weinböhla (Inhaber Stan Schirmer) und Schellenberger in Aue, in der auch Nationalmannschafts-Teamkollege Alexander Schellenberger wirkt, hergestellt. Auf deren Areal stieg am zweiten September-Wochenende 2012 bei sommerlichem Wetter ein tolles Erntefest rund um die Beerenfrucht, zu dem rund 12.000 Gäste kamen, um mehr über die Aronia und ihre Verwendung zu erfahren www.aronia-erleben.de ). Zum abwechslungsreichen Programm gehörte auch ein Schaubacken von Aronia-Brot mit der Bäckerei Hübner, während die Bäckerei Gnauck aus dem benachbarten Weinböhla unter anderem Streuselschnecken, Rührkuchen mit Schokodecke und Bisseekuchen – allesamt mit Aroniabeeren veredelt – präsentierte.

Zu den prominenten Gesprächspartnern und „Aronia-Botschaftern“ der Veranstaltung gehörte übrigens auch Skisprung-Olympiasieger Jens Weißflog, der in seinem Appartementhotel und Restaurant in Oberwiesenthal immer wieder Aronia-Produkte aus den handwerklichen Bäckereien anbietet. In mehreren Talkrunden hat er sich beim Aroniafest unter anderem mit den leistungssteigernden und gesundheitsfördernden Eigenschaften der Beeren auseinandergesetzt, denen mit solchen Inhaltsstoffen wie Flavonoiden, Vitaminen, Anthocyanen und wertvollen Mineralstoffen eine entzündungshemmende und blutdrucksenkende Wirkung zugeschrieben wird. Zudem sollen Aroniabeeren, die zu Gelee und Marmelade, als Saft, Teeaufguss oder Trockenfrüchte verarbeitet werden könne, auch Krebserkrankungen vorbeugen und antimikrobiell wirken.

„Gerade mit der zunehmenden gesundheitsbewussten Ernährung vieler Verbraucher wird sich die Bedeutung der Aroniabeere ob ihrer hervorragenden Eigenschaften noch erhöhen“, ist Mandy Scholz überzeugt. „Auch deshalb passen diese Früchte bestens zu unseren leckeren und frischen handwerklich hergestellten Backwaren, die den Gaumen unserer Kunden erfreuen und das tägliche Brot zu einem Genuss werden lassen.“

Aronia-Stollen als Neuheit

So hatte die Bäckerei Hübner in der vergangenen Saison für Kenner und Liebhaber erstmals sogar Aronia-Stollen im Angebot, der auch am Stand von Aronia-Original auf dem Weihnachtsmarkt in Dresden angeboten wurde. Doch nicht nur wegen der etwas anderen Farbe des Teiges wird er den traditionellen Rosinen- und Butterstollen wohl kaum den Rang ablaufen. Doch in Baguettestangen zum Salat oder zum Grillfest sowie als Beigabe zum mediterranen Buffet sorgen die Beerenfrüchte stets für eine besondere herbe Geschmacksnote. Und für ein spezielles Bio- und Wellness-Angebot im Appartement-Hotel von Jens Weißflog hat die Bäckerei Hübner bereits eine – wenn auch kleine – Charge Aronia-Brötchen geliefert, in die zusätzlich sogar Brennnesselsamen eingebacken wurden.

Mehr noch: Im Eiscafé in Schönfelder Hochland sowie im Kurort Rathen in der Sächsischen Schweiz will Mandy Scholz im Sommer beispielsweise einen speziellen Eisbecher oder einen Latte Macchiato mit Aronia-Sirup anbieten, dessen Milchschaum dann lila schimmert. „Diese Vielfalt ist heutzutage nahezu unbegrenzt“, staunt selbst Bäckermeister Siegmar Hübner, der im Vorjahr zum 125-Firmenbestehen die Verantwortung für den Handwerksbetrieb mit seinem guten Ruf an die Kinder Mandy und Olrik übergeben hat. „Zu DDR-Zeiten haben wir nur während der Erntezeit aus frischen Beeren Kuchen als Saisonware hergestellt – und der lief schon damals wie doll. Am besten schmecken die Beeren, die wegen ihrer lila Färbung für Eierschecke weniger geeignet sind, im Streuselkuchen – aber nur mit etwas mehr Zucker als üblich.“

 

Bisher keine Leser-Kommentare zum Artikel