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Entwicklungshilfe aus dem Backofen

Helmut und Raphael Gragger mit Bäckermeisterin Katie Schubert und ihrem Team. (Quelle: Betrieb)+
Helmut und Raphael Gragger mit Bäckermeisterin Katie Schubert und ihrem Team. (Quelle: Betrieb)

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Der Österreicher Helmut Gragger hat im Senegal ein Projekt aufgebaut, das die Menschen unabhängig von Spenden machen soll

Von Martin Blath

Helmut Gragger könnte jeden Tag 15 bis 20 neue Mitarbeiter einstellen. Allerdings nicht in seinen Bio-Betrieben in Wien und Ansfelden bei Linz an der Donau, sondern im Senegal.

In dem westafrikanischen Land betreibt der 47-jährige mit seinem Freund Wolfgang Scheidl und in Kooperation mit der evangelischen Pfarrgemeinde Linz zwei Bäckereien, die den Menschen das Hauptnahrungsmittel liefern: Baguette.

Die Gragger & Cie. Socialbusiness GmbH ist kein Unternehmen nach europäischen Maßstäben, basiert aber auch nicht auf klassischer Entwicklungshilfe. Das heißt, die beiden Betriebe mit jeweils rund zehn Beschäftigen in der ehemaligen französischen Kolonie arbeiten durchaus profitabel – aber der Gewinn wird nicht abgeschöpft, sondern in die Ausbildung junger Menschen investiert.

Handwerk trifft

soziales Engagement

„Handwerk, soziales Engagement und Ökologie gehören für mich untrennbar zusammen“, erklärt Gragger seine „Expansion“. Vor zwei Jahren haben er und Scheidl ihre erste senegalesische Bäckerei mit einem selbstentwickelten, die örtlichen Ressourcen schonenden Ofen eröffnet. Gefolgt von einem zweiten Standort, der im Frühsommer 2018 eröffnet wurde.

Täglich

1500 Baguettes

Das Sortiment der beiden Betriebe, die von der jungen deutschen Bäckermeisterin Katie Schubert geleitet werden, ist noch überschaubar.

„In eineinhalb Schichten produzieren wir dort täglich jeweils rund 1500 Baguettes, 60 Schnecken und 60 Brioches“, erzählt Helmut Gragger, der in Österreich fünf Standorte betreibt und zudem an Sarah Wieners Holzofenbäckerei in Berlin beteiligt ist.

Ebenso wie in seinen heimischen Bäckereien gibt Gragger auch im Senegal beeinträchtigten jungen Menschen die Chance, sich über eine Ausbildungs- oder Arbeitsstelle Perspektiven zu eröffnen.

Ein halbes Jahr lang haben Gragger und Scheidl für die Eröffnung des ersten Betriebs im 15 Millionen Einwohner zählenden Senegal gebraucht – allein der Transport der Ausstattung von Österreich in das seit 1960 unabhängige Land hat zwei Monate gedauert.

Deren Herzstück sind die selbst gebauten Backöfen, die mit Briketts aus Sägespänen, Erdnussschalen und Getreideabfällen beheizt werden.

„Wir möchten kleinen Bäckereien mit einer schlauen Technologie und einem wirtschaftlich tragfähigen System eine Überlebenschance geben und die Menschen so unabhängig von spendenbasierter Entwicklungshilfe machen“, sagt der Bäckermeister.

Diese Rechnung scheint aufzugehen: In der Regel finden die Kunden sich bereits eine Stunde vor dem Öffnen der Öfen ein – weil sie das Baguette mit Hirsemehl am liebsten warm verzehren.

Beim Video-Dreh zum Musik-Clip „Oh‘s und Ah‘s“.
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