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Ein Hotelier dreht die großen Räder

Entschleunigung: der Außenbereich des Cafés vor der restaurierten Mahlmühle, die vor mehr als 350 Jahren erbaut wurde. (Quelle: Blath)+Zur Fotostrecke
Entschleunigung: der Außenbereich des Cafés vor der restaurierten Mahlmühle, die vor mehr als 350 Jahren erbaut wurde. (Quelle: Blath)

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In der Sächsischen Schweiz sind rund um eine alte Mühle eine Bio-Bäckerei und -Brauerei entstanden

Von Martin Blath

Sven-Erik Hitzer hat sich ein Refugium geschaffen. Und ein kleines „Imperium“. Der idyllische Ort des Geschehens heißt Schmilka. Das einstige Fischerdorf an der Elbe liegt im Nationalpark Sächsische Schweiz, 15 Kilometer vor der tschechischen Grenze.

Im Mittelpunkt des Refugiums stehen eine liebevoll restaurierte Mahlmühle von 1665, eine Bio-Bäckerei und eine ebenfalls Bio-zertifizierte Brauerei.

Geschäft mit

„kleiner“ Fußnote

1993 erwarb Sven-Erik Hitzer das erste Gebäude in Schmilka von der Treuhand. An diesen Deal war eine Bedingung geknüpft: „Damit verpflichteten wir uns auch, den historischen Mühlenkomplex zu übernehmen“, erzählt der Hotelier. Der war eine Ruine, die Hitzer ebenso wie zahlreiche weitere Häuser des Ortsteils von Bad Schandau zu neuem Leben erweckt und damit den Tourismus etabliert hat.

1875 wurde die stillgelegt, und sechs Jahre darauf stellte auch die gegenüberliegende Bäckerei den Betrieb ein. Der 3. September 2012 war deshalb für Schmilka und seine 80 Bewohner ein großer Tag: Das von der stärksten Quelle der Sächsischen Schweiz angetriebene Mühlenrad drehte wieder täglich seine Runden.

Sanierung nach

baubiologischen Aspekten

„Jetzt fehlte nur noch ein Betrieb zur Verarbeitung des Mehls“, sagt Hitzer. Also nahm der Cottbusser Unternehmer noch einmal Geld in die Hand und sanierte das Bäckereigebäude ebenfalls nach baubiologischen Gesichtspunkten.

Gebacken wird hier in einem neu aufgesetzten altdeutschen Holzofen. Neben dem gleich gegenüber erzeugten kommen Roggen- und Weizenmehl aus einer nahegelegen Mühle zum Einsatz.

An sieben Tagen in der Woche können die Besucher sehen, wie das zweimal gebackene Vollkorn-Mühlenbrot, die Kuchen in der Größe eines Wagenrades, süße Teilchen oder die „nach Laune des Bäckermeisters“ mit Schinken, Käse oder Lauch belegten Handbrote in den Ofen und wieder herauskommen.

Obst für die Kuchen von

eigenen Streuobstwiesen

Bio nach den Kriterien von „Bioland“ und regionale Produkte sind Trumpf in Schmilka, betont Sven-Erik Hitzer: „Deshalb stammt auch das Obst für den Kuchen teilweise von unseren eigenen Streuobstwiesen.“

In der nur wenige Meter von der Bäckerei entfernten Bio-Braumanufaktur, in der zwei Standartsorten und saisonale Biere gebraut werden, können die Touristen handwerkliches Arbeiten ebenfalls aus nächster Nähe erleben.

Zu Hitzers kleinem „Imperium“ gehören überdies ein Bio-Café und ein Bio-Hotel direkt an der Elbe. Hinzu kommen weitere gastronomische Betriebe und touristische Einrichtungen wie eine Badezuberei mit Bierbad oder das Badehaus mit Panoramasauna, die den Blick freigibt aufs „schönste Dorf Sachsens“.

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