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Die Papiertüte feiert Geburtstag

Die älteste Papiertüte, 1906 zum Patent angemeldet, trug den Aufdruck einer Konditorei. Auch heute noch findet sich manche Designertasche in feinster Papierqualität unter den praktischen Einkaufshelfern. +
Die älteste Papiertüte, 1906 zum Patent angemeldet, trug den Aufdruck einer Konditorei. Auch heute noch findet sich manche Designertasche in feinster Papierqualität unter den praktischen Einkaufshelfern.

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Tragetasche, vor 100 Jahren zum Patent angemeldet, brachten es bis zum Designobjekt

München (kke). Vor einhundert Jahren haben die Vereinigten Papierwarenfabriken (VP) die Papiertüte als „Papiertragetasche mit über den Arm reichenden Trageband“ in Deutschland zum Patent angemeldet. Sie erhielt am 17. Juli 1906 den Markennamen „Handfrei“.

Die einfache aber geniale Konstruktion der Tragetasche aus Papier hat sich bis heute bewährt. Im Laufe der Jahre wurde sie vor allem im Bereich Verarbeitung, Druck und Design immer weiter perfektioniert. Denn von Anfang an entdeckte der Handel die Tüte nicht nur als praktisches Verpackungs- und Transportmittel, sondern als idealen Werbeträger. Mit dem Durchbruch zum Massenprodukt Ende der 50er Jahre wurde die Papiertasche zu einem Werbeinstrument mit hoher Öffentlichkeitswirkung. 1968 war es daher ein wichtiger Fortschritt, als die VP die Griffe innen einklebte und die gesamte Außenfläche für Werbung frei machte. Seit 1974 produziert VP seine Papiertüten in Feuchtwangen.

Ende der 60-er Jahre wurde die Papiertüte von der Plastiktüte überholt. Die Kunststofftüte trat ihren Siegeszug 1961 an, als das Kaufhaus Horten sie erstmals in Großauflage verteilte. Das Image der Plastiktüte verschlechterte sich jedoch, als die Ökobewegung sie Ende der 70-er Jahre als Müllverursacher anprangerte und der Ausdruck „Jute statt Plastik“ zum geflügelten Wort wurde. In den 80-er Jahren erlebte die Papiertüte dann eine Renaissance, als die Nachfrage nach hochwertigen und umweltfreundlichen Verpackungen immer stärker wurde. Sie avancierte sogar zum Kunstobjekt: Viele Künstler, wie Andy Warhol, Joseph Beuys oder Rolf Iseli haben Tüten mit Ihren Werken oder Ihrer Signatur geadelt.

Dass sich die Papiertüte bis heute als Verkaufsschlager bis ins Luxussegment durchgesetzt hat, liegt auch an ihrer Wandelbarkeit. Sie ist ein wahres Chamäleon: Ob als Klassiker im unifarbenen Look, als farbenfrohen Eyecatcher oder als hochwertige Designertasche in feinster Papierqualität. Es gibt sie sogar als kunstvolle Postertasche, die auseinander geschnitten an die Wand gehängt werden kann. Die Tüte erregt heutzutage sogar das Interesse der Wissenschaftler. So hat die Universität Köln den Umgang mit Tragetaschen untersucht und acht Tüten-Typen klassifiziert: Beispielsweise den „Prestigeorientierten“, den „Ökologieorientierten“, den „Provokateur“ oder den „Sorglosen“.

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