ABZ - Das Fachportal für Bäcker

Die Kunst der Alleinstellung

„Denise Bäckerin“ in Brunn an der Pitten. Es gibt auch eine Filiale in Wiener Neustadt mit exquisitem Suppenangebot.+Zur Fotostrecke
„Denise Bäckerin“ in Brunn an der Pitten. Es gibt auch eine Filiale in Wiener Neustadt mit exquisitem Suppenangebot.

Weitere Artikel zu


Von

Denise Pölzelbauer hat den großväterlichen Betrieb auf Zukunftskurs gebracht. Die Zutaten für’s Erfolgrezept: Können, Einsatz – und Kreativität.

Ist das Aktionskunst mit Steinbackofen, Kliefmaschine, Mehlwagen oder Brotschragen? Wird eine ausgefallene Modelinie präsentiert? Oder inszeniert sich hier eine Künstlerin in der Backstube? Aus wird man auf den ersten Blick nicht schlau. Denn sie steht buchstäblich für Trend und Tradition, für Kunst und Kommerz, für Model und Macherin. Der einschlägige Internetauftritt ist ein ästhetisches Verwirrspiel, das buchstäblich Aufsehen erregt. Wer sich aber von der leicht anzüglichen und attraktiven Ausdruckskraft der Bilder lösen kann, wird feststellen, dass es weniger um Kunst und Kommerz, sondern vor allem um Können geht. Denn , so der „bürgerliche“ Name des Models, beherrscht nämlich nicht nur die Kunst der Inszenierung – sie setzt in erster Linie auf die Kunst des Backens. Und wie! So hat sie mit 23 Jahren als Jahrgangsbeste und jüngste Bäckerin in Österreich ihre Meisterprüfung gemacht. „Das war dann schon cool“, ist die 29-Jährige heute noch stolz, damals als einzige Frau auch den besten Abschluss gemacht zu haben. Doch damit nicht genug. Im selben Jahr hat sie auch noch die Bäckerei ihres damals 63-jährigen Großvaters in Brunn an der Pitten übernommen.

„Ich wollte schon von klein auf Bäckerin werden. Aber als es darum ging, eine Lehre zu beginnen, war es mir als Jugendliche wichtig, mit Freunden ausgehen zu können“, erklärt Denise, warum sie Bürokauffrau lernte, bevor sie bei ihrem Großvater in dem Ort südlich von Wien zusätzlich eine Bäckerlehre machte. Ein kleiner Umweg ins Reich der Zahlen und Zahlungen, der ihr als Unternehmerin im Bäckerhandwerk zugute kommt.

Ansonsten hat sie es mit sehr viel Engagement und Kreativität geschafft, den großväterlichen Betrieb als „Denise Bäckerin“ auf Zukunftskurs zu bringen. Mit Hilfe zweier Gesellen, mit ihrem Großvater und drei Verkäuferinnen, darunter ihre Mutter und ihre Großmutter. Denise selbst ist sowohl in der Produktion, als auch im Verkauf aktiv – und in der „Entwicklungsabteilung“: Auf der Basis traditioneller Rezepte hat sie einige sehr ausgefallene Kreationen vorzuweisen. Darunter Molke-Walnuss-Mischbrot, 5-Elemente Dinkel-Vollkornbrot (ohne Weizen und Hefe), 5-Elemente Rote-Rüben-Baguette mit Vollrohrzucker, 5-Elemente Ingwer Rosine mit Garam Masala-Baguette (mit Dinkelvollmehl...), um nur einige zu nennen. Wobei der Zusatz „5 Elemente“ signalisiert, dass Denise ihre Teige nach den Prinzipien der 5 Elemente-Lehre, der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM), herstellt. Eine Wissenschaft für sich, die als Hokuspokus abgetan werden kann, aber die schöne Bäckerin mit Qualitätsanspruch ist überzeugt: „So kann ich bekömmlichere, gesündere und haltbarere – sprich bessere Backwaren herstellen.“

Und der Erfolg gibt ihr Recht. So wurde ihr Roggenbrot im Jahr 2009 von Slow Food als drittbestes Brot des Lebensmittelhandwerks ausgezeichnet. Ein Preis, der das Geschäft in Brunn an der Pitten „richtig belebt hat“, wie Denise Pölzelbauer betont. Danach ist vor allem die gehobene Gastronomie im 70 km entfernten Wien auf den Geschmack gekommen. Man kann sagen, „Denise Bäckerin“ hat sich in der Welt der Gourmets einen Namen gemacht. Einer der großen Renner aus ihrem Sortiment ist das Weingebäck, ein Knabbersnäck, hergestellt aus Traubenkernmehl, mit Rosmarin und Ghee, einem speziellen Speisefett auf der Basis der 5 Elemente-Lehre. Dieses Produkt erfreut sich auch bei Wiederverkäufern zunehmender Beliebtheit, zumal bei einem empfohlenen Wiederverkaufspreis von 3 Euro für 80 Gramm immerhin 1 Euro liegen bleibt. Weitere Infos gibt es auf der besagten Homepage www.baeckerin.at ), mit der Denise so eindrucksvoll auf sich und ihr Unternehmen aufmerksam macht. „Klar habe ich zusammen mit einer Agentur dieses Konzept entwickelt, um die Aufmerksamkeit potenzieller Kunden zu wecken“, gibt Denise zu, dass da auch ein gewisses Kalkül hinter der kunstsinnigen Präsentation steckt.

Eine Rechnung, die aufgegangen ist. Zumal sich die Tagespresse und Fernsehsender bei „Denise Bäckerin“ die Klinke in die Hand geben. „Da hat sich eine Eigendynamik entwickelt. Aber so habe ich die Chance bekommen, gutes Brot ins Gespräch und unter die Leute zu bekommen“, freut sich die bescheidene Könnerin. In dem Punkt ist sie Überzeugungstäterin. „Gutes Brot besteht nur aus Mehl, Salz, Wasser, Gewürzen und Sauerteig“, lautet ihr Credo. Und lebt von der Liebe und Hingabe zum Produkt, sollte man in dem Fall ergänzen.

Dazu gehört auch, dass bei Denise Bäckerin alles in einem 130 Jahre alten Steinbackofen gebacken wird. „Er ist das Herzstück unseres Betriebs und wer mit diesem Ofen backen kann, ist Bäcker“, macht sie deutlich, dass sie sich beim Backen aufs Wesentliche konzentriert. Dass sie in Kollegenkreisen auch etwas abschätzig als „Wunderbäckerin“ bezeichnet wird, ist ihr egal. Denn „Denise Bäckerin“ hat nicht nur als Aushängeschild in eigener Sache, sondern auch als Premiumanbieterin Alleinstellungsmerkmale geschaffen, die überzeugen.

Denise Pölzelbauer ist selbstständige Bäckermeisterin bei Wien.
Auch interessant

Frauen in der Männerdomäne

Die Frauenquote in der Backstube liegt bei 18,3 Prozent. Was können Bäckerinnen anders oder vielleicht auch besser? mehr...

Lesen Sie hierzu auch folgende Artikel:

 

Bisher keine Leser-Kommentare zum Artikel