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Der verrückte Bäcker

Georg Hobmeier mit Marsmännchen, Ufo und seinen Mars-Semmeln. (Quelle: Wolf)+
Georg Hobmeier mit Marsmännchen, Ufo und seinen Mars-Semmeln. (Quelle: Wolf)

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In Garmisch-Partenkirchen hat sich Georg Hobmeier als Original und Marke etabliert

Von Reinald Wolf

Sind Sie der verrückte Bäcker?“ Wie es scheint, hat sich da eine Kundin in den Worten vergriffen. „Was erlauben Sie sich eigentlich?“, kommt prompt die Gegenfrage von . Aber wer den Bäckermeister aus kennt, der weiß, dass es sich hier um scherzhaftes Einstiegsgeplänkel handelt.

Hobi als Marke und

Touristenattraktion

Denn Hobi, wie der quirlige Vertreter seiner Branche von aller Welt genannt wird, ist ein Original und hat sich vor allem als Marke etabliert – schon zu Zeiten, als Branding in Deutschland noch mit der Freiwilligen Feuerwehr in Verbindung gebracht wurde. Hobi und Hobis Backwaren sind weit über den Tourismusort am Fuße der Zugspitze ein Begriff. Ja, ist praktisch eine der vielen touristischen Attraktionen der Region.

Das zeigen die zahlreichen Gäste und Kunden, die sich morgens vor der Wanderung oder dem Skifahren bei Hobi stärken. Unter ihnen auch Promis, die die Qualität und die Vielfalt der ausgefallenen Produkte schätzen.

Georg Hobmeier ist 1984 mit 13 verschiedenen Semmeln – wie Brötchen in der Region genannt werden – gestartet und hat das Sortiment kontinuierlich ausgebaut. Heute bietet er in Hochzeiten täglich rund 60 verschiedene Semmeln – wenn sie nicht vorzeitig ausverkauft sind.

Dabei kann er aus einem Fundus von rund 130 Rezepten schöpfen. „Ich bin der Bäcker mit dem weltweit größten Semmelsortiment“, vermutet Hobmeier.

Furore hat er vor allem mit seiner Mars-Semmel gemacht, die er vor 20 Jahren im Zusammenhang mit seinem Faible für Gemüsesäften heraus entwickelt hat. Die anfallende Maische bei der Herstellung des Rote-Bete-Safts hat er einfach in den Teig eingearbeitet. Seither schmücken die roten Semmeln zusammen mit einem Marsmännchen und einem Ufo sein Schaufenster und sorgen als eines der Aushängeschilder des Unternehmens mit 70 Cent das Stück für Aufsehen und Umsatz.

Aber auch Chili-, Müsli-, Mohn-, Flowerpower- und Neptun-Semmeln oder die Frauenpower- und die Bayerische Männer-Semmeln finden guten Zuspruch.

Begehrt auch das Sortiment an Nordic-Walking-Stangen aus Dinkelvollkornmehl, wahlweise mit Braunhirse, Meeresalgen, Maismehl, Rosmarin-Olive oder Chili-Tomate. Oder Hobis Müsli-, Hanf und Mandeltaler.

„Du musst Dir halt dauernd was einfallen lassen, sonst kannst Du den Laden dicht machen“, lautet das Credo von Hobmeier. Dazu gehört auch, dass er aus ursprünglich versemmelten Situationen was macht und dabei pfiffige Kreationen produziert. Als vor Jahren ein Sechs-Kilozopf versalzen wurde, hat er ihn kurzerhand als Deko ins Schaufenster gelegt und als Bauernzopf angepriesen. „Die Nachfrage war riesig“, freut sich Hobi über die aus der Not geborene Werbeaktion für den regulären Zopf.

Auch die wohl erste

Hundebrezn kommt gut an

Sein neuestes Produkt aus der Sparte inspirierender Missgeschicke und kreativer Lösungen – und wahrscheinlich eine Weltneuheit: Die Hundebrezn zu 60Cent das Stück. „Mir wurde zu viel Leberwurst geliefert. Da hab ich mir was einfallen lassen, um nichts wegzuwerfen“, sagt Hobi. Das Produkt aus Dinkelvollkornmehl, Leberwurst und Wasser kommt gut an.

Eine weitere, schon etablierte Besonderheit bei Hobmeier sind die 20 Sorten Dosenbrot mit einer Haltbarkeit von drei Jahren. Seinen Bekanntheitsgrad hat Hobi im vergangenen Jahr noch durch eine Galileo-Sendung erhöht. Thema: Raw Baking. Dabei geht es darum, ein Rohkostbrot herzustellen, das nicht gebacken ist und dadurch alle Vitamine, Enzyme und Nährstoffe erhalten bleiben. Der Teig mit Dinkelsprossen, Karottenschnipseln und mehr kommt 30 Stunden in einen Dörrautomaten – fertig ist das Trendprodukt aus den USA, bei dem Trendsetter Hobi auch am Drücker ist.

Im Betrieb arbeiten noch die Gesellen Andi Schaffner (seit fast 30 Jahren) und Tobi Hobmeier, die die Qualitäten des Inhabers zu schätzen wissen: „Mein Vater ist eben ein verrückter, kreativer und lustiger Typ – und ein guter Fachmann“, bestätigt der Sohn, dass nicht nur die oben erwähnte Kundin bei Hobi durchaus an der richtige Adresse ist.

 

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