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Der Schrittmacher

„Marathoni“ und Marathon-Macher: Franz Koch (l. v.) ist einer der Organisatoren des Geislinger Halbmarathons. +Zur Fotostrecke
„Marathoni“ und Marathon-Macher: Franz Koch (l. v.) ist einer der Organisatoren des Geislinger Halbmarathons.

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Laufsport

Bäckermeister Franz Koch ist leidenschaftlicher Marathonläufer. Seine Leidenschaft gibt er weiter.

Platz 14, drei Stunden und 24 Minuten. Da wäre mehr drin gewesen. Er hätte in seiner Alterklasse unter die ersten fünf, vielleicht sogar aufs Siegertreppchen kommen können. Aber darum ging es ihm nicht. Nicht in diesem , nicht in Dubai. „Den wollte ich schon immer mal laufen, dieses Jahr hat es endlich geklappt“, sagt Franz Koch. Und dann zeigt er, wo er in der Metropole am Persischen Golf Zeit liegen ließ.

Es ist Nachmittag, eigentlich Trainingszeit. Koch sitzt entspannt in seiner Bäckerei in Geislingen und faltet einen Stadtplan von Dubai auf. Mit dem Finger zeichnet er die Laufstrecke nach. Immer wieder stoppt er. Am Wolkenkratzer Buri al Khalifa, am Dubai World Trade Center, im Yacht-Hafen, am Luxushotel Burji al Arab. „Das ist schon eine imposante Stadt – eine Welt für sich“, schildert er. Und wie um das zu beweisen, legt er ein Fotoalbum auf den Tisch, ein dickes Fotoalbum. „Wenn ich unterwegs nicht fotografiert hätte, wäre ich 20 Minuten eher im Ziel gewesen“, sagt der 53-Jährige.

42 Kilometer misst die Marathon-Strecke. An der Drei-Stunden-Marke kratzen Freizeitläufer nur, wenn sie jahrelang konsequent trainieren. Koch läuft seit mehr als 30 Jahren. Als Jugendlicher spielt er zuerst Handball, dann begeistert er sich fürs Radfahren, schließlich wechselt er zur Leichtathletik und entdeckt die Langstrecke für sich. „Ich habe gemerkt, beim Laufen kann ich abschalten und kriege den Kopf frei.“ Mit 25 Jahren nimmt Koch zum erstenmal an einem Marathon teil. Seither läuft er jedes Jahr einen. Mehr in der Regel nicht. „Man muss dem Körper auch die Zeit geben, sich zu erholen“, betont der Unternehmer, den sein Sport schon in viele Länder geführt hat.

"Integrationslauf" für behinderte Menschen

Der schwäbische Bäckermeister ist nicht nur ein leidenschaftlicher „Marathoni“, er engagiert sich auch im heimatlichen TSV. Franz Koch ist einer der Organisatoren des „Geislinger Halbmarathons“. Der findet jedes Jahr im April statt. Bis zu 600 Menschen schlüpfen in die Laufschuhe, um an einem der Wettkämpfe teilzunehmen. Neben dem Halbdistanz-Lauf gibt es ein Zehn-Kilometer-Rennen, Schülerläufe für Kinder unterschiedlicher Altersstufen, eine Nordic-Walking-Konkurrenz und nicht zuletzt einen „Integrationslauf“ für Behinderte. „Spaß an der Bewegung im Freien, das Bewusstsein für die Natur, die Gesundheit, den Gemeinsinn – das möchten wir mit dem ,Geislinger Halbmarathon’ fördern“, erklärt Koch. Der Aufwand ist enorm. Gut 200 ehrenamtliche Helfer sind während der zweitägigen Veranstaltung im Einsatz.

Den Integrationslauf hat Koch zusammen mit dem Pädagogen Martin Sowa ins Leben gerufen. Die Wege der beiden kreuzten sich 2005 beim Tahiti-Marathon. Sowa, der an einer Sonderschule in Sigmaringen unterrichtet, will, wie er selber sagt, dass seine Schüler ein Leben lang Sport treiben können, „so wie jeder andere auch“. Er hat lange Erfahrung als Übungsleiter im Behindertensport. 2006 integrierte er in der Nähe von Reutlingen einen Behindertenlauf in einen Volkslauf. Ein Jahr später startete zum ersten Mal der Geislinger Integrationslauf.

In diesem Frühjahr gingen 150 behinderte Menschen an den Start – Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Mehrere Schulen und Vereine aus der Umgebung schickten Läufer und Nordic Walker. Zwei Strecken mit Distanzen von 1,5 und 2,25 Kilometern standen zur Auswahl. Sowas Laufschützlinge hatten die Nase auf der Kurzstrecke vorne.

Franz Koch und seine Vereinskollegen ziehen die Laufschuhe auch selber an, um junge behinderte Menschen zu unterstützen. 2007 brach ein 16-köpfiges Team aus Läufern und Radfahrern nach Ruoms auf. Nach fünf Tagen erreichten die Sportler die französische Partnerstadt von Geislingen. Jeder hatte für den „Lauf“ einen Spendenpaten gesucht und selbst gespendet. Im Sommer 2009 lief und strampelte eine Sportlergruppe um Franz Koch nach Como in Italien. Wieder wurden eifrig Spenden gesammelt. Das Geld, das bei beiden Veranstaltungen zusammenkam, floss in Martin Sowas Jugendarbeit.

Gute Investitionsentscheidungen

Wie schafft es der Bäckermeister, so fit zu bleiben? „Ich habe das Glück, dass ich mit wenig Schlaf auskomme.“ Dreimal pro Woche läuft er. Entweder vormittags nach der Arbeit („Nach der brauche ich erstmal eine Stunde Pause“) oder am Nachmittag. Zwischen 40 und 50 Kilometern legt er zurück. „Wenn man das neben dem Beruf macht, sollte man es nicht übertreiben“, sagt Koch über das Marathontraining. Das Laufen kommt nicht nur seiner Physis zugute, sondern auch seinem Betrieb. „Im Training kommen mir spontan Ideen, was ich in der Bäckerei noch besser machen könnte.“ Und dabei hat er auch schon so manche Investitionsentscheidung getroffen. „Das habe ich bisher noch nie bereut“, betont der Handwerksunternehmer.

Seiner Schrittmacher-Rolle in der Bäckerei wird Koch mehr als gerecht. Als er den Betrieb von seinen Eltern übernommen hat, hat er Backstube und Laden von Grund auf renoviert. Der Laden ist das, was man gemeinhin als klein, aber fein bezeichnet. Die Produktion ist technisch auf der Höhe der Zeit. Mit drei Mitarbeitern – neben seiner Ehefrau Sonja, ein Bäcker und einer Verkäuferin – behauptet er sich in einem nicht gerade einfachen Umfeld. Drei backende Betriebe gibt es in Geislingen, dazu kommen eine Lidl-Filiale sowie Läden zweier anderer Filialisten. Das alles bei gerade einmal 5500 Einwohnern in dem Städtchen im Zollernalbkreis. Koch ist mit der Entwicklung seines Geschäfts zufrieden. Worüber er sich besonders freut, ist die Nachfrage nach seinen Hochzeitstorten. Die Kreativität des Tortenmachers hat sich weit herumgesprochen. Sogar aus Stuttgart rufen Brautpaare bei dem Bäcker- und Konditormeister an.

Fragt man ihn, welcher seiner mehr als 30 Marathonläufe in aller Welt ihm am besten gefallen hat, muss er nicht lange überlegen. „Jeder Lauf ist etwas Besonderes“, sagt er. Ob Dubai, Tahiti, New York, Berlin, der Mitternachtslauf in Tromsö oder der „Weinlauf“ in Medoc – zu allen seinen Marathons kann er kleine Geschichte erzählen. Auch wenn er mittlerweile weit von seiner Bestzeit entfernt ist (2:43, Berlin) – sein „Lauf-Gen“ treibt ihn wie eh und je. Dieses Jahr hat er sogar vor, noch bei einem zweiten Marathon zu starten. Mit dabei sein wird seine Tochter Jasmin. Sie ist schon in Dubai mitgelaufen und hat ganz offensichtlich die Beisterung für den Sport von ihrem Vater geerbt. Der Vater gibt ihr Tipps fürs Training, ab und zu laufen sie gemeinsam. Wer Schrittmacher ist, ist klar: „Ich kann sie schon mal ein bisschen stressen, weil ich schneller bin als sie – noch“, schmunzelt Koch.

Grün, groß, unübersehbar: Das Gespann, mit dem Florian Domberger und Björn Wiese auf Märkten backen und verkaufen, zieht Kunden an.
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