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Der Ruhestand führt ihn um den Globus

Dauerbackwaren: Kekse fertigt der Bäcker im Team an. (Quelle: privat)+
Dauerbackwaren: Kekse fertigt der Bäcker im Team an. (Quelle: privat)

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Von Iris Treiber

Die Bäckerhosen und -jacken liegen sauber gestapelt bereit, „Ich trage im Einsatz immer Berufskleidung“, sagt Hans-Herbert Dörfner (72). „Weiß signalisiert einen hohen Hygienestandard.“ Das sei bei seinen Berufen wichtig.

Seine Berufe, die sich alle mit Getreide beschäftigen, haben den Rentner in die weite Welt geführt: Als ehrenamtlicher Senior Experte des Senior Experten Service (SES) hat er viele Backstuben kennengelernt.

Fachleute helfen kleinen Betrieben

Der ist eine Organisation, die Spitzenverbände der deutschen Wirtschaft vor mehr als 30 Jahren gegründet haben. Sie vermittelt Fachleute im Ruhestand auf Anfrage an kleine und mittlere Unternehmen im In- und Ausland oder an Auszubildende in schwierigen Situationen.

Rund 11.600 Personen umfasst die Experten-Datei derzeit. In meist dreiwöchigen Einsätzen unterstützen die Senior Experten mit ihrer Berufserfahrung und Kompetenz die Auftraggeber bei Projekten, Entscheidungen und anderen notwendigen Dingen.

Dörfner wollte mehr wissen,

daher studierte er Chemietechnik

Eine Aufgabe, wie geschaffen für Hans-Herbert Dörfner. Er hatte erst Bäcker, dann Konditor gelernt. Da ihm aber keiner die „tiefsten Geheimnisse“ der Produktentstehung erklärte, investierte er Zeit und Geld, um die Hochschulreife zu erwerben und Chemietechnik zu studieren. Urlaube verbrachte er in London, um im Einzelunterricht Englisch zu lernen.

38 Jahre lang arbeitete er bei einem Backmittelhersteller in Ulm, legte nebenher und mit überdurchschnittlichen Leistungen die Prüfung zum Bäckermeister ab, bildete sich fort, nahm bundesweit Lehraufträge an, unterrichtete angehende Berufsschullehrer. 2007 entschied er sich, in Rente zu gehen und sich beim SES zu bewerben. „Ich hätte nicht gedacht, dass mein Fachwissen so gefragt sein würde“, sagt er.

Stromausfälle

in Äthiopien

Der erste Einsatz führte ihn 2009 nach Mazedonien in eine Dauerbackwarenfabrik. Seine Aufgabe? „Eigentlich alles“, so örfner. Ursprünglich sei es um mögliche Exportprodukte gegangen. Er traf auf Menschen, die von ihm alles erfahren wollten: „Von der Mehlqualität über die Verarbeitung zum Backen, Packen und Lagern.“

Er unterstützte den Produktionsleiter und die Mitarbeiter beim zeitgleich stattfindenden HACCP-Audit. Ein Erfolg.

Der zweite Einsatz gestaltete sich schwieriger: Eine Dauerbackwarenfabrik in Äthiopien hatte sich Unterstützung gewünscht, um Qualität zu erzielen. Das scheiterte an den häufigen Stromausfällen, aber sein Wissen setzte er ein. „In der angeschlossenen Getreidemühle half ich, die Prüfverfahren für Getreide und Mehl zu optimieren und die Analysen zu interpretieren.“

Dörfner entwickelt Enzyme

in einer Fabrik in Istanbul

Anschließend unterstützte er eine chemische Fabrik im türkischen dabei, Enzyme für Backwaren zu entwickeln. In einer Berufsschule in Banja Luka, Bosnien und Herzegowina fertigte er unter kulturell und politisch schwierigen Umständen mit einem ehemaligen Kollegen Backwaren. Die Rezepte hinterlegte er mit Hilfe eines Dolmetschers in serbokroatischer Sprache. „Ich habe gelernt, mich besser und genauer vorzubereiten“, sagt er.

Nun informiert er sich im Voraus, welche Öfen, Maschinen und Geräte vorhanden sind, welche Rohstoffe gebraucht werden und ob sie im Land verfügbar sind. „Wenn ich Informationen nicht bekomme, sage ich einen Einsatz ab“, sagt Hans-Herbert Dörfner. Schließlich wolle er die Projektzeit nutzen und so viel wie möglich vermitteln. Das setze voraus, dass er daheim Pläne und Unterlagen erarbeite, um gleich anfangen zu können.

Ausbildung ermöglicht

Verwirklichung der Lebensziele

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